Kein Wettbewerb: Lea Weber, Thorsten Zeller und Dominik Rinkart begrüßen ihren Überraschungsgast Finn Holitzka. Alle tragen ihre Sieger-Geschichten vor.. FOTO: LH
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Kein Wettbewerb: Lea Weber, Thorsten Zeller und Dominik Rinkart begrüßen ihren Überraschungsgast Finn Holitzka. Alle tragen ihre Sieger-Geschichten vor.. FOTO: LH

Kultur mit Regenschirm

  • vonEdelgard Halaczinsky
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Rosbach (sky). Man musste schon hart gesotten sein, um am Sonntagabend dem Poetry-Slam an der Nieder-Rosbacher Wasserburg bis zum Ende beizuwohnen, doch Dauerregen und Kälte schienen den anfangs drei und später vier sympathischen Künstlern auf der Außenbühne ebenso wenig anhaben zu wollen wie ihren Zuhörern. Sie spulten ein so kurzweilig wie spannendes Programm ab, dass auch ihre Zuhörer standhaft blieben und dem Wetter trotzten.

Dominik Rinkart, Thorsten Zeller und Lea Weber sowie ihr Überraschungsgast, der Slam-Poet und Moderator Finn Holitzka, boten ihren etwa 50, mit Kapuzen und Regenschirmen ausgestatteten Gästen zwei Stunden lang ein Gute-Laune-Programm für schlechtes Wetter.

Zu spät hatten am Nachmittag die Zeiger auf Dauerregen gestanden, um den für solche Fälle vorgesehenen Umzug in das Ausweichquartier Adolf-Reichwein-Halle vornehmen zu können. Ab- und Wiederaufbau der umfangreichen Technik von Guido Martin hätten mindestens zwei Stunden gedauert - Zeit, die es angesichts des abendlichen Beginns der Veranstaltung nicht mehr gab. "Man hatte den Eindruck, dass die Leute aber nach so viel coronabedingtem Verzicht der letzten Monate bei jedem Wetter geblieben wären", meinte Sebastian Briel, Stabstellenleiter des Bürgermeisters und mitverantwortlich für die Organisation des Abends.

Kaum einer, der Karten vorbestellt hatte, war der Veranstaltung ferngeblieben. Briel: "Wir wussten, dass wir es hier mit einem Nischenprodukt zu tun haben, das aber seine speziellen Liebhaber hat." Auch insgesamt gesehen habe die "Kultur an der Wasserburg" mit seinen Open-Air-Veranstaltungen das Publikum angesprochen. "Manche Abende sind komplett ausverkauft, bei anderen gibt es nur noch Restkarten."

Liebe zur deutschen Sprache

Beim Poetry-Slam handelt es sich um einen literarischen Wettbewerb, bei dem selbst verfasste Texte innerhalb einer bestimmten Zeit vorgetragen werden.

Das Publikum kürt den oder die Sieger durch seinen Beifall oder per Handzeichen. Wer am meisten Zustimmung bekommt, hat den Wettbewerb gewonnen. In Rosbach wurde kein Wettbewerb ausgetragen, sondern Sieger-Geschichten oder -Prosa vorgetragen. Es war also ein spannend wie unterhaltsames "Best of".

Dem Wetter angepasst, machte sich Dominik Rinkart Gedanken über Kultur mit oder ohne Regenschirm und kam zu dem Ergebnis, dass Kultur ein wetterunabhängiges Phämomen ist und bei jedem Wetter stattfinden kann. Zeller befasste sich unter anderem mit dem Klimawandel und bedauerte, dass es hierzulande kaum eine Schlittenpartie mehr gibt, und Lea Weber wäre allzu gern zu einem freiwilligen sozialen Jahr nach Australien gereist, wenn Corona nicht einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht hätte.

So blieb ihr nichts anderes übrig, als den Reiz der eigenen Heimat in schöne Worte zu fassen, und ihre Zuhörer daran teilhaben zu lassen.

Den Hochgenuss konnte nur Finn Holitzka toppen, der den Liebhabern der pointierten Sprache eine Kostprobe seines Könnens präsentierte.

Die Leichtigkeit, mit der alle vier Künstler ihre Werke vortrugen, erfüllte alle Erwartungen. Ob Hobbydichter, Deutschlehrer oder Songwriter - auf dem Platz an der Wasserburg waren viele Ausrichtungen von Freunden der deutschen Sprache vertreten, und alle kamen, wie sie sagten, auf ihre Kosten.

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