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Krippen aus der ganzen Welt

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Einige Krippen sind aus Asien, andere aus Amerika. Im Krippenmuseum von Erica Kernstock wird die Weihnachtsgeschichte auf ganz viele Arten dargestellt. Jedes Jahr in der Adventszeit öffnet sie ihre Türen in dem Niddaer Stadtteil Ulfa, um zahlreiche Besucher in ihrer Ausstellung zu empfangen - und nebenbei die eine oder andere Geschichte zu den Krippen zu erzählen.

Der erste Bus, er kam aus Wiesbaden, traf schon vor dem ersten Adventswochen- ende ein, erzählt Erica Kernstock. Sie ist Krippensammlerin und Leiterin des Oberhessischen Weihnachtskrippenmuseums in Ulfa. Die Saison ist eröffnet, die, wie in jeder Vorweihnachtszeit seit dem Jahr 2004, rund 800 Besucher aus ganz Deutschland nach Ulfa bringen wird. Die Ausstellung der gebürtigen Ulfaerin, die nach langen Jahren in Stuttgart in ihr Heimatdorf zurückgekehrt ist, ist mit ihrer rund 250 Objekte umfassenden Krippensammlung ein Alleinstellungsmerkmal des Ortes.

In diesem Jahr gibt es mehr Platz für die rund 150 Krippen, die Erica Kernstock gemeinsam mit ihrem Mann jeweils aus dem Gesamtfundus auswählt und aktuell unter dem Motto "Das Starevent unserer Zeitrechnung" präsentiert.

Erica Kernstock zeigt eine Krippenszene aus Korea: Die Figuren sind prächtig in bunte Seide gekleidet, eine fächertragende Schar graziler Engel schwingt sich vom Himmel herab. Gleich daneben eine Gips-Krippe mit erschütterndem Hintergrund: Erica Kernstocks Sohn und Schwiegertochter brachten sie Anfang 2019 von einem Aufenthalt in Colombo mit - den Kontakt zu den Künstlern hatte jene katholische Kirchengemeinde hergestellt, die Ostern 2019 während des Festgottesdienstes Opfer eines Selbstmordattentats wurde. "Die Bestürzung in meiner Familie war groß, die Krippe ist uns seitdem besonders wertvoll", berichtet Kernstock.

Über tausend Figuren

Dass die vielfältigen Darstellungen der Weihnachtsgeschichte in ihrem Museum lebendige Bezüge zur Gegenwart haben, ist der 70-Jährigen seit langem klar. "Die vielen Darstellungen der Herbergssuche und der Flucht der heiligen Familie, die ganze Situation, in die Christus hineingeboren wurde - nämlich in ein von den Römern besetztes Land, in eine Zeit voller Gewalt und Terror - all das spricht doch ganz unmittelbar zu uns Menschen von heute." Umso wichtiger ist es ihr schon seit der Kindheit ihrer eigenen beiden Söhne und bis heute, die Botschaft von der Nähe Gottes und seiner Zuwendung gerade in unruhigen und gefährdeten Zeiten immer wieder neu zu formulieren und ihren Zuhörern nahezubringen. Die vielen unterschiedlichen Krippenensembles aus Holz und Stein, Metall und Glas, Stoff und Altmetall liefern ihr dazu vielfältigste Erzählanlässe. "Manche Krippen, wie der große tansanische Lebensbaum, erzählen, ausgehend von dem Geschehen in Bethlehem, das gesamte Leben Jesu bis hin zu Tod, Auferstehung und Himmelfahrt. Andere betten seine Geburt in eine lange Ahnenreihe ein, versetzen sie in ein indianisches Dorf, in eine alpenländische Scheune, ins ewige Eis der Arktis oder auf einen Berg bei Neapel", schildert Erica Kernstock einen kleinen Ausschnitt aus einer Fülle von Fakten und Geschichten rund um ihre Sammlung, die, wie eine Karte zeigt, tatsächlich aus der ganzen Welt und allen Kontinenten, mit Ausnahme Australiens, stammt und einen Zeitraum von etwa 200 Jahren repräsentiert.

Stolz ist sie, in diesem Jahr viele wertvolle Exponate aus der großen Krippensammlung der Frankfurter Pfarrersgattin Elke Gutberlet zeigen zu können. Deren über viele Jahre gewohnter Ausstellungsort, die evangelische Cyriakus-Kirche in Rödelheim, wird umgebaut und steht nicht mehr zur Verfügung.

Künftig will Kernstock ihrer Sammlung keine weiteren Krippen mehr hinzufügen, schon jetzt ist der Schatz an weit über tausend Figuren aller Formate groß und seine Zukunft ungewiss. Doch so lange es ihr körperlich möglich ist, wird Erica Kernstock ihr Museum in jedem Advent neu eröffnen und einer 2000 Jahre alten Geschichte neues Leben einhauchen.

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