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"Kreuzweg" rund ums Dorf

  • vonAnnette Hausmanns
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Vielerorts entdecken Menschen ihre nähere Umgebung in Corona-Zeiten neu. Der Blick auf Natur und Kultur wird womöglich geschärft, vielleicht auch der auf Themen jenseits irdischer Betriebsamkeit. Lenkt man seine Aufmerksamkeit einmal auf die Flurkreuze, können ganz neue "Pilgerwege" entstehen. Die Ober-Mörler Usatal-Musikanten haben das schon vor etlichen Jahren entdeckt.

Eigentlich haben es sich die Usatal-Bläser vor Jahrzehnten zur Aufgabe gemacht, Gottesdienste und kirchliche Feste musikalisch zu gestalten. Vor allem in der katholischen Pfarrei St. Remigius, aber nicht nur dort. Sogar in der ehrwürdigen Vatikanbasilika St. Peter in Rom haben sie schon gespielt. Über die Jahre brachten ehrenamtliches Musizieren und geselliges Beisammensein unterm Kirchturm die unterschiedlichsten Professionen, Talente und Ideen zusammen. Und weil die Musiker traditionell auch laufend bei Prozessionen musizieren, lag es nahe, sich mit den heimischen Wegkreuzen zu befassen.

Vier Kreuze in vier Jahren

Die Usatal-Musikanten stellten fest, dass es in ihrem Heimatdorf Ober-Mörlen zwar historische Flurkreuze gab, einige aber in miserablem Zustand oder gar nicht vorhanden waren. Sie nahmen sich vor, diese Orte der inneren Einkehr neu zu beleben. Vier Kreuze in vier Jahren richteten sie her, in allen vier Himmelsrichtungen. Ihren mitunter schweißtreibenden "Kreuzweg" rund ums Dorf starteten die "Usataler" Ende 2006 mit dem nagelneuen "Nordkreuz" am verlängerten Kehlweg.

Bis heute setzen die Musikerfreunde Herbert König und Hansjörg Weckler ihren "Kreuzzug" mehrfach jährlich beim Pflegen der Flurkreuze und ihrer Umgebung fort. An ihrem Anliegen, "unser aller Kreuz" in Ordnung zu halten und auf Gottvertrauen zu bauen, hat sich nichts geändert. Damals wie heute soll das Kreuz helfen, Brücken zu bauen. "Unsere Welt ist durch Unruhen, Gewalt und Kriege bedroht", hatten die Musiker vor vierzehn Jahren zu ihrer Idee erzählt, an einem der schönsten Aussichtsplätze über Ober-Mörlen ein weithin sichtbares Zeichen für den Frieden zu setzen. Sie gaben ein schlichtes Holzkreuz in Auftrag, um es ihrer Heimatgemeinde zu stiften. Die mit dem Kreuz eingelassene Stiftungsurkunde unterzeichneten Josef Anselm, Markus Geck, Walter Grimmel, Sigurd Handwerk, Sigrun Homola, Herbert König, Thomas König, Dieter Morkel, Kai Obleser, Hermann Rindert, Guido Rotter, Laura Scheibel, Hansjörg Weckler und Heinz Winkler.

Als die beiden damaligen Ortspfarrer Ferdinand Winter und Jürgen Rump das fast drei Meter hohe und 150 Kilogramm schwere Eichenkreuz zu Erntedank segneten, waren ihnen bei goldenem Oktoberwetter über 200 Gläubige auf die Anhöhe und später zum Landfrauen-Kaffee gefolgt. Bürgermeister Sigbert Steffens wünschte dem exponierten Standort Rastplatz-Qualitäten für Pilgerer und Wanderer.

Ihre langfristig angelegte Instandsetzungstour setzten die Musiker zu Christi Himmelfahrt 2007 im Osten an der verlängerten Jahnstraße mit einem überarbeiteten Korpus am neuen Holzkreuz fort. Bei strömendem Regen pilgerten auch dieses Mal viele Gläubige zur Einsegnung durch Pfarrer Winter. Wieder ein Jahr später, am Fest der Kreuzerhöhung, wurde das frisch restaurierte "Westkreuz" unter großem Zuspruch durch Pfarrer Karl-Hans Keil gesegnet. Der Besitzer der am neuen Platz "An der Weed" gelegenen Hofreite hatte das massive Eichenkreuz mit gusseisernem Korpus in neuem Glanz erstrahlen lassen, die Pfarrei übernahm den Farbanstrich der Christusfigur und die Kirchenbläser die musikalische Gestaltung des Festaktes.

Hochbetrieb bei der Segnung

Im Süden schlossen die "Usatal-Musikanten" den Feldkreuzkreis 2010 mit der Neuanfertigung und Installation eines 250 Kilogramm schweren Metallkreuzes, an dem sie den restaurierten Metallkorpus befestigten. Als Pfarrer Keil das Ober-Mörler "Südkreuz" an seinem angestammten Platz als "Symbol für den Sieg über Sünde und Tod" segnete, herrschte Hochbetrieb gegenüber dem Baumstück des Obst- und Gartenbauvereins, wo dann der musikalisch kulinarische Ausklang gefeiert wurde.

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