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Besser spät als nie: Der Kreistag hat in seiner letzten Sitzung dieser Wahlperiode die kreiseigene Wohnungsbaugesellschaft auf den Weg gebracht.

Bauplanung

Wetterau: Wobau ist gegründet – Mehr bezahlbarer Wohnraum für den Kreis?

  • vonJürgen W. Niehoff
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Das Versprechen ist groß: Bezahlbarer Wohnraum für alle - das soll nach Ansicht einer großen Mehrheit im Wetterauer Kreistag keine Zukunftsmusik sein, sondern schon bald möglich werden. Richten soll’s eine kreiseigene Wohnungsbaugesellschaft.

Schon seit längerem wird im Wetterauer Kreistag, nicht zuletzt immer wieder auf Initiative der Linke-Fraktion, über die Schaffung bezahlbaren Wohnraums debattiert. In seiner letzten Amtshandlung schlug der damalige Landrat Joachim Arnold (SPD) die Gründung einer kreisweiten Wohnungsbaugesellschaft vor. Vier Jahre später ist es soweit. Der Wetterauer Kreistag hat auf seiner letzten Sitzung in dieser Sitzungsperiode die Schaffung einer Kreis-Wobau beschlossen. FDP und AfD votierten dagegen.

Der Widerstand gegen die Gründung war in vielen Fraktionen lange Zeit groß, weil man gegen staatlichen Wohnungsbau ist (wie die AfD) oder weil für den Wohnungsbau grundsätzlich die Kommunen selbst zuständig seien, wie der FDP-Bundes- und Kreistagsabgeordnete Peter Heidt meinte. Ansonsten gab es aber nur Zustimmung. »In der Tat sind die Kommunen auch für den sozialen Wohnungsbau verantwortlich. Doch die meisten Gemeinden sind zu klein, um sich dieser Herausforderung zu stellen. Deshalb ist der Landkreis gefragt«, ging CDU-Sprecher Alexander Kartmann auf die ablehnenden Stimmen ein. Für die CDU sei vor allem wichtig gewesen, dass eine automatische Nachschusspflicht des Kreises, wie es das ursprüngliche Konzept eines Zweckverbands vorsah, vom Tisch ist.

Auch die Grünen sehen in der Größe der Kommunen das entscheidende Kriterium für die Gründung einer kreisweiten Wohnungsbaugesellschaft. »Die kleineren Gemeinden werden ganz klar von so einer Einrichtung profitieren, denn sie haben gar nicht das dafür notwendige Personal«, sagte Fraktionssprecher Michael Rückl. Für die SPD, die sich nach Ansicht von Rückl das Konzept der Linken erst zu Eigen gemacht habe, sei die Schaffung von bezahlbaren Wohnraum nun ein »Herzensanliegen«, wie dies der wohnungsbaupolitische Sprecher der Fraktion Gerhard Weber erklärte. Der Druck auch auf dem Wetterauer Wohnungsmarkt habe sich in den letzten Jahren weiter verschärft. Wer heute im südlichen Teil der Wetterau nach einer Wohnung suche, der müsse mit 11 Euro pro Quadratmeter rechnen. Das könnten sich viele Menschen mit mittlerem oder niedrigem Einkommen einfach nicht mehr leisten. Deshalb sei die Forderung nach einer Kreis-Wobau entstanden. Kernaufgabe dieser kreisweiten Gesellschaft soll der Bau von bezahlbarem Wohnraum für maximal 8,50 Euro sein. Außerdem soll die Gesellschaft eine Beratungsfunktion erfüllen, wenn öffentliche Gebäude oder private Wohnungen behindertengerecht umgebaut oder energetisch saniert werden.

Welche Kommunen machen mit?

Mit der mehrheitlichen Zustimmung zur Gründung der kreisweiten Wohnungsbaugesellschaft am Mittwoch in der Kreistagssitzung sind nun die Kommunen zuständig. Sie müssen jetzt der Gesellschaft beitreten. Einige sollen bereits ihr Interesse an einer derartigen Beteiligung angemeldet haben.

Der Wetteraukreis stellt zur Finanzierung 2,1 Millionen Euro zur Verfügung und will auf Dauer 51 Prozent der Gesellschaftsanteile behalten. Aufgenommen werden in die Gesellschaft sollen neben Kommunen auch deren Wohnungsbaugesellschaften. Städte wie Bad Nauheim, Friedberg, Bad Vilbel, Karben oder Butzbach haben bereits eigene Wohungsbaugesellschaften.

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