Der Ludwigsbrunnen zieht das ganze Jahr über Besucher an. Auch Gerd Klinkowitz kommt gern hierher. Im Naturschutzgebiet nebenan gibt es immer viel zu sehen - und zu hören. FOTO: CF
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Der Ludwigsbrunnen zieht das ganze Jahr über Besucher an. Auch Gerd Klinkowitz kommt gern hierher. Im Naturschutzgebiet nebenan gibt es immer viel zu sehen - und zu hören. FOTO: CF

Konzert vor Sonnenaufgang

  • vonChristine Fauerbach
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Naturschützer und Amateurfotograf Gerd Klinkowitz geht oft und gerne am Ludwigsbrunnen in Karben und im angrenzenden Naturschutzgebiet Ludwigsquelle mit der Kamera auf der Pirsch. Das Areal ist ein Idyll für Tiere, Insekten und Menschen, das es zu schützen gilt.

Ein Greifvogel sitzt auf einem Zaunpfahl. Er mustert aufmerksam die Wiese, auf der Rinder weiden. Auch Spaziergänger und Radler hat er im Blick. Seinen scharfen Augen entgeht nichts. Gespannt beobachtet Gerd Klinkowitz die Szene. Und genießt dabei auch den Blick auf die abwechslungsreiche Landschaft zwischen Okarben und Burg-Gräfenrode.

Auf einer Fläche von 17 Hektar erstreckt sich das Naturschutzgebiet Ludwigsquelle mit Feucht- und Brachwiesen, Schilf- und Röhricht-Arealen. Eingebettet ist das Areal, das 1974 als schützenswert ausgewiesen wurde und damit die älteste Kernzone des Auenverbunds Wetterau ist, in Streuobstwiesen und Felder. "Das Naturschutzgebiet Ludwigsquelle gehört auch zum EU-Vogelschutzgebiet Wetterau", informiert Klinkowitz.

Dank Fotoclub entdeckt

Der Naturschützer und Amateurfotograf kommt regelmäßig hierher, um mit seiner Kamera auf die Pirsch zu gehen. "Mein Gebiet ist die Naturfotografie mit den Schwerpunkten Vögel und Insekten", sagt er. "An diesem Ort kann sich die Natur frei entfalten. Viele Tiere, darunter auch gefährdete Arten, finden einen Lebens- und Rückzugsraum."

Auch in der kleinen, parkähnlichen Anlage mit Beeten, Bäumen, Sträuchern und Gräsern rund um das Brunnengebäude summt und brummt es fast das ganze Jahr über. Schmetterlinge und Insekten finden hier reichlich Nahrung. Für Spaziergänger, Freizeit-sportler, Natur- und Tierliebhaber hat die Stadt Karben, der das Gelände seit 1970 gehört, vor zwei Jahren Bänke und Liegen zum Pausieren und Entspannen aufgestellt.

Der Glauburger Klinkowitz hat Quelle und Naturschutzgebiet durch Exkursionen des Fotoclubs Karben entdeckt. Dort ist er seit 2014 Mitglied. "Ich habe die ehemalige Vorsitzende Regina König-Amann bei einem Workshop in Helgoland kennengelernt", verrät der gebürtige Neu-Isenburger. Zum Fotografieren kam er durch seine Naturschutzarbeit vor mehr als 30 Jahren beim Landesbund für Vogelschutz. Seit sieben Jahren ist er Vorsitzender der Vogelschutzgruppe Nidderau-Eichen.

Freie Sicht ins Naturschutzgebiet

Vor allem im Frühjahr und Sommer zieht es ihn bereits vor Sonnenaufgang zum Ludwigsbrunnen. "Alle Vogelarten singen vor Sonnenaufgang und am frühen Morgen am intensivsten." Da Vögel fast nur zur Brutzeit singen, hört man ihren Gesang von Ende April bis Anfang Juni am besten. Vor allem die Männchen singen, um ihre Reviere abzustecken und Weibchen anzulocken. Das Vogelstimmenkonzert sei immer wieder ein besonderes Hörerlebnis, schwärmt Klinkowitz. In den Chor stimmen die Arten nacheinander ein - die ersten, wenn es noch fast vollständig dunkel ist.

"Im Naturschutzgebiet Ludwigsquelle fühlen sich alle Singvögel wohl, aber auch Greifer, Kanadagänse, Störche und Kuckuck", berichtet der 52-Jährige. Bei Insekten und Amphibien ist die Vielfalt im geschützten Lebensraum mit über 200 verschiedenen Pflanzenarten ebenfalls erfreulich hoch. Verschiedene Grasmückenarten, Bienen, Wespen, Hummeln, Fliegen, Schmetterlinge, Libellen, Käfer, Ameisen und Heuschrecken, um nur einige zu nennen, schauen regelmäßig auf der Suche nach Nahrung auf den Feucht- und Obstwiesen, Beeten und Bäumen vorbei oder leben dort.

Direkt am Radweg zwischen Groß-Karben und Burg-Gräfenrode gibt es dank einer Initiative von Dr. Jürgen Becker, dem Karbener NABU-Vorsitzenden, eine Aussichtsplattform. Hier haben Naturschützer, Fotografen, Natur- und Tierliebhaber einen freien Blick ins Naturschutzgebiet.

Klinkowitz findet das Brunnengebäude der Ludwigsquelle mit Stelen in verschieden Aquatönen, die die Inhaltsstoffe des Wassers angeben, gelungen, doch das faulig riechende Wasser der Heilquelle trifft nicht seinen Geschmack. Das Wasser, ein Natrium-Chlorid-Hydrogencarbonat-Säuerling, soll gegen Sodbrennen, Magenübersäuerung, erhöhte Harnsäure und Gicht helfen.

Verärgert ist Klinkowitz über illegal entsorgten Müll in der Landschaft und Hundehalter, die ihre Vierbeiner in der Brut- und Setzzeit nicht anleinen und deren Kot einfach liegen lassen. "Es gibt genügend Papierkörbe, um das Gebiet von Plastik, Flaschen und anderem Müll freizuhalten. Wir alle sollten unsere vielen schönen Naturflächen schützen."

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