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Manche Fußgänger zucken zusammen, wenn sie Mountainbiker sehen. Manche legen sogar Fallen in Form von Stöcken (kleines Foto). Das kann gefährlich enden.

Kleiner Stock, große Gefahr

  • vonHedwig Rohde
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Äste quer über dem Weg - eine gefährliche (und strafrechtlich relevante) Falle für Mountainbiker ebenso wie für Radfahrer allgemein. Beobachtungen eines Lesers im Bad Nauheimer Frauenwald haben wir zum Anlass für eine Recherche genommen. Sie mündet in den Appell, weiter Rücksicht zu nehmen - trotz Corona.

Als Kurt Miller Ende Dezember im Frauenwald unterwegs war, traute er seinen Augen nicht: Auf dem Waldweg zwischen Wilbrand- und Thaler-Hütte beobachtete er mehrere Personen, die gerade vier 50 bis 80 Millimeter dicke Äste im Abstand von fünf bis zehn Metern quer über den Weg legten. Zwei Wochen später stieß er nahe der Weberhütte auf einen etwa 100 Millimeter dicken Ast, der fein säuberlich quer über den Weg gelegt war. Er sei, sagt Miller, »auch nicht immer begeistert über Mountainbike-Raser, aber diese Gesundheitsgefährdung geht zu weit und ist strafbar«.

Insider erinnern sich an ähnliche Vorkommnisse im Bad Nauheimer Wald vor einigen Jahren, als an beliebten Mountainbike-Strecken Drähte quer über den Weg gespannt worden waren, um Mountainbiker zu Fall zu bringen. Revierförster Eckhard Richter, seit drei Jahren im Raum Bad Nauheim zuständig, hat noch keine derartigen Ereignisse beobachtet.

»Von militanten Mountainbikern, wie sie in manchen Teilen des Taunus anzutreffen sind, habe ich im Bereich Bad Nauheim nichts gehört und auch nicht von irgendwelchen Aktionen gegen sie«, betont Richter und vermutet, es handele sich bei Millers Beobachtungen um Einzelfälle.

Ähnlich die offizielle Auskunft von Hessen Forst: Weder lägen der Forstverwaltung aktuell Beschwerden über Störungen von Spaziergängern durch Mountainbiker im Frauenwald vor, noch über solche im gesamten Stadtwald, teilte Pressesprecherin Michelle Sundermann mit. Es gebe allerdings, so Sundermann weiter, »im ganzen Land immer wieder Situationen, in denen Mountainbiker und andere Erholungssuchende aufeinandertreffen. Das ist nicht immer von gegenseitiger Rücksichtnahme geprägt.«

Erfahrungen mit solchen Treffen hat auch der Bad Nauheimer Bernd Hallmann. Er fährt nach eigenen Aussagen »alles, was zwei Räder und keinen Motor hat«. In seiner Freizeit ist er viel mit Zweirad und Mountainbike unterwegs. 2018 hat der sportliche 50-Jährige mitgeholfen, am Winterstein zwei Mountainbike-Strecken abzustecken, sich inzwischen aber aus allen Verbands- und Vereinsaktivitäten zurückgezogen, »um die jungen Leute ranzulassen«.

Seiner Ansicht nach handelt es sich bei dem von Miller beobachteten »Stöckchenlegen« (so der ironisch gefärbte Insiderausdruck für auf den Weg gelegte Äste) nicht zwingend um Aktionen, die sich gegen Mountainbiker richten. Es gehe mutmaßlich eher um den Konflikt zwischen Radfahrern allgemein und Fußgängern. Derzeit werde der latent vorhandene Konflikt durch die Situation verschärft, dass »alle aufeinanderhängen«.

»Coronabedingt können die Leute nicht mehr weiter wegfahren, also sind im Wald viel mehr Menschen unterwegs, es verteilt sich nicht mehr so. An Wochenenden sind viele Wege völlig überfüllt. Und je mehr Menschen aufeinandertreffen, desto größer ist die Idiotendichte«, fasst Hallmann kurz und bündig zusammen.

Massenauflauf in der Talaue

Er selbst kann wortreich von Spaziergängern berichten, die erst die Fahrradklingel nicht hören und dann erschrecken, wenn sie sie hören und böse gestikulieren; von kombinierten Fuß- und Radwegen beispielsweise in der Usaaue, die sonntagnachmittags derzeit so von Fußgängern, kreuz und quer laufenden Kindern und Hunden verstopft sind, dass Fahrradfahrer höchstens im Slalom durchkommen können - oder schieben müssten.

»Stöckchenlegen« sei in der Regel nicht mit einer kriminellen Absicht verbunden, obwohl es eine strafbare Handlung sei, hält er den Fußgängern zugute. Er bewertet es vielmehr als »Akt der Hilflosigkeit« und sieht aus der Situation einen einzigen möglichen Ausweg: »Letztlich geht es darum, dass alle aufeinander Rücksicht nehmen, auch und gerade wegen Corona.«

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