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Ein Blick zurück: Im Untergeschoss der Musikschule hängt die Plakatserie aus den Neunzigern. Helga Bucerius-Macco und Ulrich Nagel erinnern sich an den Beginn der Konzerttätigkeit.

Klangvoll und erfolgreich

  • VonHanna von Prosch
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»Wer auf die Pauke haut, haut keinem anderen auf den Kopf«: Diese Feststellung eines Musiklehrers zeigt, wie wichtig Musikschulen auch für das soziale Gefüge einer Gesellschaft sind. Die Musikschule Bad Nauheim blickt in diesem September auf 40 erfolgreiche Jahre zurück.

Die Geschichte der Bad Nauheimer Musikschule, die nun 40 Jahre währt, hat mit einem Ausflug an die Musikschule Bad Vilbel im Jahr 1981 begonnen. Helga Bucerius-Macco war als junge Mutter sofort von dem Konzept dort angetan: Eltern betreiben als Trägerverein die Musikschule. Wenige Monate später konnte sie verkünden: Bad Nauheim hat auch eine Musikschule. Unterrichtet wurden Musikalische Früherziehung und Klavier. Die Büroarbeit fand in einer Privatwohnung statt, der Unterricht in verschiedenen Schulen, wo man oft auf das Wohlwollen der Hausmeister angewiesen war.

In der Zwischenzeit hat sich vieles verändert, geblieben ist die Mitgründerin und seit 1992 Vorsitzende des jetzigen Fördervereins, Helga Bucerius-Macco. 2004 kam die Stadt als Gesellschafterin dazu. »Wir haben allen Bürgermeistern viel zu verdanken, denn jeder hat sich in seiner Zeit für die musikalische Bildung in Bad Nauheim eingesetzt«, sagt Bucerius-Macco. So konnte sich die Einrichtung zu einer hessenweit gefragten Bildungsstätte für Musik entwickeln. Ehemalige Schülerinnen und Schüler kehrten als Lehrkräfte zurück, traten solistische oder Orchesterlaufbahnen an.

Besonders viele Bundespreisträger

Dank regelmäßiger Spenden, insbesondere des Zonta-Clubs, kann der Förderverein seit den 90ern immer wieder Stipendien für die Teilnahme an »Jugend musiziert« vergeben. So werden jährlich mindestens 30 junge Leute in den Wettbewerb geschickt. Außergewöhnlich viele kommen als Bundespreisträger zurück.

Die steile Entwicklung begann mit der Einstellung Ulrich Nagels als Musikschulleiter 1992. Er rückte das Marketing in den Fokus. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler wuchs, sie lag in den vergangenen Jahren bei etwa 1800. Nagel holte die besten Lehrkräfte nach Bad Nauheim, erweiterte das Angebot zeitgemäß, entwickelte Schulkooperationen. »Wir sind offen für die Herausforderungen der Zeit. Aber manchmal weiß man nicht, was hinter der nächsten Kurve kommt«, sagt er und denkt dabei vor allem an die Digitalisierung, die ihn mit der Pandemie überraschte.

»Es gibt eine gewisse Konstanz im Wunsch, ein Instrument zu erlernen. Aber die Pädagogik verändert sich mit den Kindern und den Bedürfnissen der Familien. Vor 20 Jahren hatten wir keine einzige Eltern-Kind-Gruppe, heute sind es 17«, erklärt Nagel den Wandel. Keyboard-Unterricht sei mal ein Hype gewesen, aber wieder abgeflacht. Band-Workshops seien nach wie vor attraktiv. Heute kann man in der Bad Nauheimer Musikschule, die Wert darauf legt, eine Bildungseinrichtung zu sein, aus rund 40 Angeboten im Einzel- und Ensemblespiel über Familienangebote bis zur Jazzband wählen.

Aus den Kinderschuhen beziehungsweise den Schulräumen ist die Musikschule schon lange raus. Im Juni 1997 bezog sie ihr erstes eigenes Haus, das »Haus der Musik«. Im ehemaligen Hotel Siffring in der Frankfurter Straße standen zehn Übungsräume, ein kleiner Konzertsaal und zwei Büroräume zur Verfügung. Doch schon bald platzte das Haus aus allen Nähten. »Da kam der Vorschlag von Bürgermeister Rohde gerade recht, sich doch mal die amerikanische Schule in der Rotdornstraße anzusehen. Das war eine echte Weiterentwicklung«, berichtet Bucerius-Macco. Bis die Räume 2019 wieder für den Schulbetrieb benötigt wurden und die Musikschule erneut umzog. Diesmal in ein zwar für den Musikunterricht sehr renovierungsbedürftiges, aber edles Domizil im Sprudelhof. »Hier ist es schon die Atmosphäre, die den musikalischen Geist trägt und auf Lehrende wie Lernende überspringt«, bestätigt Nagel stolz.

Doch das Gebäude allein ist es nicht, es gehören auch gute Lehrkräfte dazu. Die Absicherung der besten Arbeitskräfte ist für die beiden Motoren des Musikschulbetriebs ein großes Anliegen. »Wir brauchen ein ausreichendes Budget, um sie halten zu können. Man kann die Kosten nicht nur auf die Eltern abwälzen, zumal wir wirklich allen eine Chance bieten wollen.« Ihr Zwischenfazit nach 40 Jahren: »Eine Aufgabe, die sich lohnt!«

Höhepunkte in den 40 Jahren

1981 Gründung durch einen Trägerverein

1992 Einstellung von Musikschulleiter Ulrich Nagel

1997 Bezug »Haus der Musik«

1999 Europäisches Musikschultreffen in Bad Nauheim

2000 Beginn der Schul- und Kita-Kooperationen mit Bläserklassen, Gitarre und Streicher

2002 »Klangstationen« mit Bildhauer Gerhard Burk

2004 Aus dem Trägerverein Musikschule wird eine gGmbH mit der Stadt Bad Nauheim als Gesellschafter und dem Förderverein e.V.

2008 Umzug in die Rotdornstraße

2008 Landesprojekt »Kita macht Musik«, weitergeführt als »Erlebnis Musik«

2010 Musikschul-Festival bei der Landesgartenschau

2015 Übernahme der Neuen Kurkonzerte

2016 Gründung und erstes Konzert des Jugendsinfonieorchesters Wetterau

2019 Umzug in das ehemalige Balneologische Institut

Familienfest am 12. September 2021

Am Sonntag, 12. September 2021, feiert die Musikschule Bad Nauheim ihr 40-jähriges Bestehen von 14 bis 18 Uhr mit einem Familienfest - coronagerecht im Freien. Es wird viele Informationen, musikalische Angebote und von der Bühne aus kräftig was auf die Ohren geben. Im Saal finden die »10-Minuten-Konzerte« statt. Die Musikschulräume können nur nach der 3-G-Regel betreten werden. Die Begrüßung durch Bürgermeister Klaus Kreß findet um 14.30 Uhr statt. Für den 2. Oktober sind alle Interessierten zum Schnuppertag (mit Anmeldung) in die Musikschule eingeladen.

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