Für die Gläubigen gibt es viel Platz in der Jakobuskirche. Die Abstandsregeln einzuhalten ist kein Problem.	FOTOS: HARALD SCHUCHARDT
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Für die Gläubigen gibt es viel Platz in der Jakobuskirche. Die Abstandsregeln einzuhalten ist kein Problem. FOTOS: HARALD SCHUCHARDT

In der Kirche wird Präsenz gezeigt

  • vonHarald Schuchardt
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Auch die Kirchen leiden unter der Pandemie. Viele Gemeinden verzichten derzeit auf Gottesdienste mit Besuchern in der Kirche. Einen anderen Weg geht seit letztem Wochenende die katholische Pfarrgemeinde St. Jakobus in Ockstadt.

Die Ockstädter bezeichnen ihre St.-Jakobus-Kirche gerne mal als den »Dom der Wetterau«, was die Ilbenstädter Glaubensbrüder allerdings ganz anders sehen. Groß sind beide Sakralbauten allemal. Die Größe war der Hauptgrund, weshalb sich der Pfarrgemeinderat von Ockstadt zusammen mit Pfarrer Bernd Weckwerth dazu entschlossen hat, wieder Präsenzgottesdienste anzubieten.

An Weihnachten gab es - im Gegensatz zu anderen Pfarrgemeinden - keine Präsenzgottesdienste. »Solche Entscheidungen sind nicht einfach, der Pfarrgemeinderat hat alleine im Dezember viermal digital getagt und diskutiert, was richtig ist«, sagt Pfarrgemeinderatsvorsitzende Angela Wätjer, die beim ersten Präsenzgottesdienst am Freitagabend zusammen mit Pfarrgemeinderatsmitglied Uli Henritzi Einlassdienst hatte.

Die Gemeindemitglieder mussten sich vorab anmelden. »Wir kennen alle, die zu den Gottesdiensten kommen und streichen die Namen auf der Gemeindeliste ab«, sagt Uli Henritzi. Im Schnitt kämen am Freitagabend bis zu zehn Gläubige, sonntags seien es höchstens 30.

Sollten unangemeldete Gemeindemitglieder oder Christen aus anderen Gemeinden kommen, werden deren Kontaktdaten direkt am Eingang aufgenommen. Henritzi: »Platz haben wir ja genug, und die Besucher setzen sich ohne Aufforderung weit auseinander.«

Wätjer ergänzt: »Wir halten uns an die Anordnungen des Bistums, die zwar für die Hauptamtlichen gelten, aber von uns Ehrenamtlern umgesetzt werden.« Die Pfarrgemeinderatsvorsitzende hat mit ihren Mitstreitern ein umfangreiches Hygienekonzept entwickelt. So ist beim Einlass nur einer der drei Eingänge geöffnet. Nach der Registrierung müssen die Hände desinfiziert werden. In der Kirche wurde ein Einbahnstraßensystem eingeführt.

Appell: Kein Schwätzchen danach

Jeweils zwei Bankreihen wurden gesperrt. Henritzi: »So halten wir immer den Mindestabstand von 1,50 Meter ein.« Das Tragen des Mund- und Nasenschutzes ist während des maximal 45 Minuten langen Gottesdienstes ebenso Pflicht wie im Umfeld der Kirche. Singen dürfen nur Pfarrer und Kantor.

Nach dem Gottesdienst werden alle Türen geöffnet, damit auch beim Verlassen des Gotteshauses keine Gruppen gebildet werden können. »Wir raten allen Besuchern dringend, sich nach dem Gottesdienst sofort nach Hause zu begeben und auf Gespräche untereinander zu verzichten«, sagt Wätjer. Gerade der Weg von und zur Kirche wird von älteren Besuchern normalerweise gerne für ein Schwätzchen genutzt.

»Das geht derzeit gar nicht«, sagt Henritzi. Letzteres war laut Wätjer auch ein Grund, den geplanten Familiengottesdienst an Heiligabend abzusagen, obwohl das Bistum Mainz das Konzept eines Open-Air-Gottesdienstes im Schlosshof abgesegnet hatte. Wätjer: »Wir hatten einfach Angst, dass sich auf dem Heimweg größere Gruppen bilden. Das bewog uns letztendlich, den Gottesdienst ausfallen und die Kirche geschlossen zu halten. Diese Entscheidung ist uns wirklich sehr schwergefallen.« Jetzt ist die Situation nach Aussage von Henritzi eine andere, deshalb biete die Gemeinde wieder Gottesdienste in der Kirche an.

Christmette 780-mal aufgerufen

Statt den Weihnachtsgottesdiensten vor Ort wurden in Zusammenarbeit mit der Ockstädter Eventtechnik-Firma Floodwave mehrere Gottesdienste produziert und zum Teil sogar live über die Internetseite der Pfarrgemeinde übertragen. »Allein die Christmette wurde 780-mal aufgerufen«, freut sich Henritzi.

Sollten es die Vorgaben zulassen, werden die Präsenzgottesdienste fortgesetzt. Wätjer: »Bei einer Verschärfung der Corona-Regeln werden wir unser Angebot natürlich neu überdenken.«

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