Finger weg von meinem Plastikknochen: Kinder sollten wissen, dass Hundespielzeug für sie tabu ist - sonst kann es passieren, dass auch der süßeste Hund unangenehm wird.	FOTO: DPA
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Finger weg von meinem Plastikknochen: Kinder sollten wissen, dass Hundespielzeug für sie tabu ist - sonst kann es passieren, dass auch der süßeste Hund unangenehm wird. FOTO: DPA

Kind und Hund - nie ohne Aufsicht

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Fast jedes Kind wünscht sich ein Haustier. Ein süßer Hund soll es oft sein. Zum Spielen, Toben und Schmusen. In der Regel passt das gut zusammen. Doch auch bei einem Familienhund kann es zu gefährlichen Situationen kommen, weil Kinder die Warnsignale des Hundes nicht bemerken oder falsch interpretieren.

Irgendwann äußert fast jedes Kind einmal den mehr oder weniger sehnsüchtigen Wunsch nach einem eigenen Haustier. Bei Mädchen steht in bestimmten Altersgruppen ein Pferd, sehr gerne ein Rappe, wie das schicke Filmpferd »Ostwind«, ganz oben auf der Wunschliste. Ansonsten ist aber meist ein Hund der erträumte Vierbeiner für die Familie.

Gerade in der Corona-Zeit, in der die Kinder weniger Zeit in Schule, Vereinen und oft auch mit ihren Freunden verbringen können und so manchmal gelangweilt zu Hause »abhängen«, erscheint so eine fellige »Stimmungskanone« als geradezu ideal.

Die Eltern sind außerdem durch Homeoffice oder Kurzarbeit öfter zu Hause und haben momentan auch mehr Zeit für das neue Familienmitglied. Alles einleuchtende Argumente, und trotzdem gehört ein Hund bezüglich seiner Ansprüche an eine artgerechte Haltung zur »Königsklasse« unter den Haustieren. Eine Anschaffung muss aus elterlicher Sicht wohlüberlegt werden.

Die Verantwortung für das neue Haustier, das viele Jahre unser Leben teilen soll, liegt immer bei den Eltern. Selbst ein noch so verständiges bereits vierzehnjähriges Kind kann zwar momentan viele Aufgaben übernehmen, aber es kann schwerlich übersehen, dass es spätestens mit Beginn der Berufsausbildung kompliziert und oft unmöglich wird, den treuen Freund der Kindertage mitzunehmen, der dann meist komplett in elterliche Obhut übergeht.

Wenn Kinder mit Hunden aufwachsen dürfen, ergeben sich viele unterschiedliche Aspekte. Viele Hunde sind gute Spielkameraden, aber oft haben sie für Kinder auch die Funktion eines Seelentrösters.

Ein Hund ist kein Stofftier

Der Vierbeiner hört geduldig auch den langatmigsten Erzählungen zu, übt keine Kritik und verrät anvertraute Geheimnisse niemals weiter. Auch gesundheitlich können Kinder, die mit einem Hund aufwachsen, profitieren, sie erkranken zum Beispiel seltener an der Hautkrankheit Neurodermitis. Allerdings kommt es, wenn auch glücklicherweise sehr selten, zu Bissvorfällen mit dem eigenen Hund, und zwar häufig in Anwesenheit von Erwachsenen.

Eine Studie des »Instituts für Tierhaltung und Tierschutz der Vetmeduni Vienna« ergab, dass beim Familienhund gefährliche Situationen mit Kindern nicht als solche erkannt werden. Vorbeugend müssen Kinder im Umgang deshalb unbedingt einige Grundregeln einhalten, damit Probleme gar nicht erst entstehen können.

Ein Hund ist kein Stofftier, sondern ein eigenständiges Lebewesen, dessen Bedürfnisse erkannt und respektiert werden müssen. Das gilt insbesondere, wenn der Vierbeiner sich zurückzieht und seine Ruhe haben will, dann wird ihm diese auch störungsfrei gewährt.

Auf gar keinen Fall darf das Tier gar von seinem Platz gezerrt werden, auch der Fress- und Trinkplatz sind Tabuzonen für Kinder und werden am besten entsprechend gesichert. Insbesondere kranke oder verletzte Tiere, die unter Schmerzen leiden, können völlig anders als sonst reagieren, darauf müssen alle Familienmitglieder Rücksicht nehmen. Umarmungen, die bei kleineren Kindern schon mal im leichten Würgegriff enden, schätzen Hunde überhaupt nicht und werden mehr oder weniger widerwillig geduldet.

Ziemlich beste Freunde werden

Leider sind auch nicht alle »Spielideen« der Kinder immer tiergerecht, so wurde mir einmal ein junger Riesenschnauzer vorgestellt, dem die Kinder Murmeln in die Ohren gestopft hatten, letztlich ein Versagen der Aufsichtspersonen!

Fühlt ein Hund sich überfordert oder bedrängt und kann nicht ausweichen, zeigt er dies körpersprachlich an, zum Beispiel mit Gähnen, Schnauze lecken, bis hin zum Knurren. Diese Anzeichen kann ein Kind nicht deuten, ein Kleinkind empfindet das Zähnefletschen nicht als Warnsignal, sondern vielleicht noch als Lächeln. Deshalb gilt immer und überall die Grundregel, Kinder und Hunde niemals ohne Aufsicht zu lassen. Wenn aber all diese Empfehlungen beherzigt werden, steht einem Aufwachsen von Kindern mit Hunden wenig im Wege und beide können ziemlich beste Freunde werden.

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