Eine Bande von drei Männern und zwei Frauen soll zwischen Januar und November 2019 mehrere Hundert Kilogramm Cannabis nach Deutschland geschmuggelt und verkauft haben. FOTO: DPA
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Eine Bande von drei Männern und zwei Frauen soll zwischen Januar und November 2019 mehrere Hundert Kilogramm Cannabis nach Deutschland geschmuggelt und verkauft haben. FOTO: DPA

Kiloweise Drogen im Auto

  • vonConstantin Hoppe
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Fünf Angeklagte, zehn Anwälte, eine Übersetzerin, ein psychiatrischer Gutachter, dazu noch Wachtmeister und mehrere Hundert Vorwürfe: Am Gießener Landgericht hat der nächste große Prozess wegen bandenmäßigen Drogenhandels begonnen. Auch zwei Butzbacher sitzen auf der Anklagebank.

Vor der Zweiten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts müssen sich seit Dienstag drei Männer und zwei Frauen wegen bandenmäßigen Drogenhandels verantworten. Der 41-jährige S. aus Biebertal soll die treibende Kraft gewesen sein, dazukommen noch der ebenfalls in Biebertal wohnende 65-jährige K., C., ein 34-jähriger in Butzbach wohnhafter Rumäne, die 43-jährige D. aus Kirch-Göns und eine 33-Jährige aus Wächtersbach.

30 Minuten für Anklageschrift

Gemeinsam mit weiteren, gesondert verfolgten Partnern sollen sie zwischen Januar und November 2019 mehrere Hundert Kilogramm Cannabis nach Deutschland geschmuggelt und hier gewerbsmäßig verkauft bzw. dabei geholfen haben. Zudem stehen Vorwürfe wegen Geldwäsche und illegalen Besitzes militärischer Waffen im Raum. Um die Liste der Vorwürfe zu verlesen, brauchte Staatsanwältin Mareen Fischer rund 30 Minuten.

Alle Drogen sollen die Angeklagten über Spanien und Frankreich mit dem Auto nach Deutschland eingeführt haben. Bei einem Transport soll ein Fahrzeug von K. umgemeldet und an einen mutmaßlichen Mittäter übergeben worden sein. Dieser fuhr das Fahrzeug laut Anklage nach Spanien, wo es von bislang noch unbekannten Komplizen mit insgesamt 148 Kilogramm Marihuana versehen wurde. Doch zu einer Übergabe in Deutschland kam es nicht: Der französische Zoll wurde am 17. März auf das Fahrzeug aufmerksam und entdeckte die Drogen bei einer Durchsuchung hinter einer nachträglich eingezogenen Zwischenwand.

Mindestens siebenmal soll der 34-jährige C. im Auftrag von S. jeweils 30 Kilo Marihuana vom spanischen Malaga nach Deutschland gefahren haben. Zudem führte er laut Staatsanwältin im September 2019 im Auftrag von S. mehrere Verkaufsgespräche in Butzbach mit einem Unbekannten über den Erwerb von 250 Kilo Haschisch. Alle Drogen sollten in Gießen, Reiskirchen, Butzbach, Birstein, Frankfurt und Lüchow (Niedersachsen) mit Gewinn verkauft werden.

Im November klickten die Handschellen für alle nun Angeklagten: Bei einer Durchsuchung von C.s Wohnung in Nieder-Weisel fand die Polizei Drogen und Verpackungsmaterial, in einer Garage außerdem Verpackungsmaschinen und eine Maschinenpistole.

Auch Geldwäsche steht im Raum

Hinzukommen zahlreiche Fälle von Geldwäsche, die der Hauptangeklagte über mehrere Arbeitsverhältnisse begangen haben soll. Mit zwei gesondert verfolgten Partnern schloss S. laut Anklage Arbeitsverträge, ohne tatsächlich dort gearbeitet zu haben. Den erhaltenen Lohn ließ er über seine Lebensgefährtin D., die ebenfalls angeklagt ist, zurückgeben und gab so "normale" Arbeitsverhältnisse vor. In einem weiteren Fall soll S. oder seine Freundin einem gesondert verfolgten Mann in Münzenberg 20 000 Euro - mutmaßlich der Erlös aus Drogengeschäften - übergeben haben, die dieser ihm und seiner Partnerin dann als "Taufgeschenk" zurücküberweisen sollte. Insgesamt soll der 41-Jährige durch seine Drogengeschäfte rund 735 000 Euro erlangt haben.

Neben der Verlesung der Anklage wurden vor allem Formalien geklärt und die persönlichen Verhältnisse mehrerer Angeklagter angesprochen. Das Verfahren soll kommende Woche fortgesetzt werden.

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