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Die Kammerphilharmonie hofft, am 19. September in großer Besetzung auftreten zu können. ARCHIVFOTO: HANNA VON PROSCH

Keine Konzerte, aber viel Arbeit

  • VonHanna von Prosch
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Wenn keine Konzerte stattfinden konnten, heißt das für einen Verein noch lange nicht, dass der Vorstand die Hände in den Schoß legen kann. Der Vorsitzende des Vereins zur Förderung Sinfonischer Musik Bad Nauheim, Diethard Bauer, ist voll in der Planung des Herbstprogramms und hofft, dass weder die Corona-Varianten noch die Politik den Kunstgenuss stoppen.

Drei Konzertabsagen im ergangenen, zwei in diesem Jahr: Jetzt muss es wieder losgehen. Und zwar richtig. Diethard Bauer, Vorsitzender des Fördervereins Sinfonische Musik in Bad Nauheim, spricht von einem Konzert in großer Besetzung mit einem gefälligen Programm - Haydn, Mozart, Mendelssohn Bartholdy - und zwei Solistinnen: Anne-Sophie Bertrand (Harfe) und Sarah Louvion (Flöte). Um mögliche Änderungen der Corona-Regeln berücksichtigen zu können, beginnt der Vorverkauf erst am 23. August.

Ob die Aufführung mit dem Jungen Sinfonieorchester Wetzlar am 14. November wie geplant als Nachholkonzert kommt, ist noch nicht sicher. Immerhin würden dann bei der konzertanten Aufführung der »Cavallerina Rusticana« mit Chor rund 100 Personen auf der Bühne stehen. Zwei Galakonzerte in der Trinkkuranlage am 28. November und 19. Dezember, jeweils mit kleinem Ensemble unter der Leitung von Karin Hendel, sind fest eingeplant.

Während des Lockdowns hatten viele Musiker der Kammerphilharmonie das Glück, im HR-Sinfonieorchester fest beschäftigt zu sein. Anders als die Freiberuflichen, hatten sie kaum Einkommensverluste. »Wer über kulturelle Hilfsprogramme einen Ausgleich erhofft hatte, wurde oft enttäuscht. Wartezeiten nach Festanstellungen oder für ganz bestimmte Monate nicht nachweisbare Auftritte waren häufig Hindernisse. Auch wir haben versucht, aus Kulturförderprogrammen Umsatzausfälle erstattet zu bekommen und sind an solchen Bedingungen gescheitert«, sagt Bauer. Lediglich aus einem Vereinsprogramm kamen 5000 Euro.

Dabei hatte der Verein in den vergangenen Corona-Monaten erhebliche Ausgaben. Bauer zählt auf: »Versicherungen müssen weiterbezahlt werden, Stornokosten und Vorverkaufsgebühren fielen an, bereits gekaufte Noten verursachten Kosten, teilweise haben wir den Musikern Aufwandsentschädigungen für schon geleistet Proben gezahlt. Wir wollten ja auch solidarisch sein.« Zwar gab es eine ganze Reihe von Personen, die bereits gekaufte Karten spendeten, aber die meisten bekamen ihr Geld für Karten und Abonnements zurück.

Das brachte für den Vorstand auch eine Menge Mehrarbeit mit sich. Allein das Ausrechnen der anteiligen Rückerstattungen für Abo-Konzerte, die Rücküberweisungen samt Briefen oder das Ausstellen von Spendenquittungen für die Kartenspender waren ungewohnte Aufgaben für Bauer. Die Vorstandssitzungen liefen per Zoom, auch das mussten manche lernen.

Umfangreiches Hygienekonzept

18 Seiten umfasst das Hygienekonzept, das der Verein für die kommenden Konzerte erstellen musste. Die Grundlage dafür lieferte die Musikschule, mit der er kooperiert. »Wir müssen besonders vorsichtig sein, denn unsere Gäste sind überwiegend Senioren. Das heißt, dass wir die Impf- oder Genesenen-Nachweise und Tests überprüfen und auf Abstand bei den Garderoben und beim Einlass achten müssen. Ich rechne mit rund 16 Helfern pro Konzert«, schildert Bauer die Situation. Nebenbei haben der Vorsitzende und sein Stellvertreter Johannes Lenz etwas Besonderes auf die Beine gestellt: die Festschrift zum zehnjährigen Bestehen des Vereins. Das konnte im Juni 2021 zwar nicht gefeiert werden, aber wer sich über die Entwicklung, die Konzerttätigkeit, Orchester und Solisten informieren möchte, der erhält die Broschüre beim Konzert im September oder bekommt sie als Abonnent beziehungsweise Sponsor zugeschickt.

»Mir ist wichtig, mich bei der Stadt und unserer Hauptunterstützerin, der Sparkasse Oberhessen, zu bedanken«, sagt Bauer, »sie haben zu uns gestanden, damit es jetzt wieder richtig losgehen kann.«

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