Sieht idyllisch aus, doch der Schein trügt: Die Kita Wintersteinstraße ist seit vielen Jahren marode. Am 31. Juli wird sie geschlossen. Die Suche nach Ersatz läuft weiter.		FOTO: NICI MERZ
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Sieht idyllisch aus, doch der Schein trügt: Die Kita Wintersteinstraße ist seit vielen Jahren marode. Am 31. Juli wird sie geschlossen. Die Suche nach Ersatz läuft weiter. FOTO: NICI MERZ

Kein Geld für eine Ruine

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Kann die Kita Winterstein in Friedberg saniert werden? Nein, sagt ein Gutachten der Stadt. Viel zu teuer. Die Alternative, eine neue Kita in der Taunusstraße, soll durch einen Bebauungsplan zwar ermöglicht, zeitlich aber zurückgestellt werden. Das reicht einigen Kommunalpolitikern nicht.

Der Haupt- und Finanzausschuss hat sich mit sechs Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen gegen einen Ankauf und eine Sanierung des maroden evangelischen Gemeindezentrums in der Wintersteinstraße ausgesprochen. Die dortige Kita schließt am 31. Juli. Dann muss sich die evangelische Kirchengemeinde eine neue Nutzung für das Gebäudeensemble ausdenken.

Erste Stadträtin und Kita-Dezernentin Marion Götz (SPD) hatte eine Bestandsaufnahme des Betreuungsangebots in Friedberg und eine Untersuchung der verschiedenen Varianten im Umgang mit der Kita Winterstein vorgelegt. Eine Sanierung würde laut Gutachten 3,9 Millionen Euro kosten. Ein Gutachten, das die Kirche vor zwei Jahren machen ließ, war auf 1,8 Millionen Euro gekommen. Die SPD wollte wissen, wie es zu diesen unterschiedlichen Zahlen kommt. Wie Dr. Klaus-Dieter Rack aus der Antwort des Rathauses zitierte, habe der erste Gutachter das Gebäude nur punktuell untersucht und von einer »kurzfristigen Nutzung« gesprochen - eine Formulierung, die laut Friedrich Wilhelm Durchdewald (UWG) so aber gar nicht im Gutachten steht. Durchdewald kritisierte auch den Verkaufspreis der Kirche: »1,1 Millionen Euro, das ist ganz schön üppig dafür, dass man eine Bauruine hinterlässt.« »Kein vernünftiger Mensch würde dort noch Geld reinstecken«, sagte Olaf Beisel (CDU). »Wir sollten die Sanierung nicht mehr weiterverfolgen.«

Ein weiterer Kritikpunkt ist der Alternativstandort Taunusstraße. Das Gelände gehört der Stadt, ein B-Plan soll vorsorglich aufgestellt werden. Aber die Parteien lehnen die Versiegelung von Ackerboden ab. Der Bau sei zurückgestellt, betonten Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) und Kita-Dezernentin Marion Götz. Man reiße sich nicht darum, Ackerboden zu bebauen. »Diese Tricks kenne ich. Irgendwann wird der Plan aus der Schublade gezogen«, meinte Achim Güssgen-Ackva. »Wenn, dann nur aus nackter Not«, erwiderte Götz.

In Friedberg-West fehlt eine Kita

Die Stadt hat die Kinder auf andere Kitas verteilt, will an den 24 Hallen eine neue sechsgruppige Kita bauen. Sven Weiberg (Linke) wies darauf hin, dass es dann in Friedberg-West keine Betreuungseinrichtung mehr gibt. Es müsse eine Lösung her. Das Wellenhaus indes sei keine Lösung. Weiberg: »Ich habe die Kita besucht, die war damals schon undicht. Das ist eine Ruine.«

Über den endgültigen Verzicht auf die Kita Wintersteinstraße wird das Stadtparlament abstimmen.

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