Messerattacke

Familienvater muss ins Gefängnis

  • schließen

Eifersuchtdrama? Die Frage konnte das Gericht nicht klären. Aber dass ein 36-Jähriger seinen Kindern Schnittwunden zugefügt hatte, sah die Strafkammer am Gießener Landgericht als erwiesen an.

Die Gießener Strafkammer unter Leitung der Richterin Regine Enders-Kunze sieht es nach drei Verhandlungstagen als erwiesen an, dass der Angeklagte, der mit seiner Ehefrau und seinen beiden vier und sechs Jahre alten Kindern erst Anfang 2017 als Flüchtlinge vom Iran nach Deutschland gekommen war, im Laufe eines Ehestreits den beiden Kinder mit einem 24 Zentimeter langen Brotmesser Schnitte im Gesicht und am Hals zugefügt hat. "Warum er diese Tat begangen und das Vertrauen seiner Kinder in ihre Eltern so schändlich missbraucht hat, ist bis zum Ende nicht klar geworden. War es aus bloßer Eifersucht, weil seine Frau einen neuen Liebhaber hat, oder wollte er lediglich beweisen, dass er es ernst meint mit der Rückkehr zusammen mit seinen Kindern in den Iran. Wir wissen es nicht", sagte Richterin Enders-Kunze.

Schwierige Beziehung

Geklärt werden konnte auch nicht der Vorwurf der Ehefrau, dass im Laufe des besagten Streites am 12. Januar dieses Jahres ihr Ehemann sie nicht nur gewürgt, sondern anschließend auch noch versucht habe, mit einem Kopfkissen zu ersticken. Selbst der Staatsanwalt hat deshalb in seinem Plädoyer den Vorwurf der versuchten Tötung fallengelassen, da das Opfer, die Ehefrau, zwar sehr detailliert den Vorgang geschildert hatte, doch alles in allem recht einseitig und sehr zu ihren Gunsten. Weil dann auch noch der Gerichtsmediziner bei seiner Untersuchung nur wenige Stunden nach dem Vorfall keine Würgemale am Hals der Ehefrau und auch keine Schluckbeschwerden bei ihr feststellen konnte, standen am Ende Aussage gegen Aussage, nämlich die des angeblichen Opfers gegen die des Angeklagten, der all diese Vorwürfe bezüglich seiner Ehefrau abstreitet.

Versöhnungsversuch endet tragisch

Die Tat markiert den schrecklichen Höhepunkt einer schwierigen Beziehung. Die Ehefrau hatte ein Verhältnis mit einem anderen Flüchtling angefangen, der der Familie als Dolmetscher geholfen hatte. Es stand sogar im Raum, dass der Konkurrent bei der Familie einziehen sollte. Einige Zeit später endete ein Versöhnungsversuch in einer körperlichen Auseinandersetzung. Dabei schlug die 28-jährige Frau auf ihren Mann im Beisein der Kinder ein, bevor es im Anschluss zu den angeklagten Taten gekommen war.

Da die Aussage des Opfers insgesamt auch alles andere als glaubwürdig erschien, ließ das Gericht den Vorwurf der versuchten Tötung und der gefährlichen Körperverletzung an der 28-jährigen Ehefrau fallen und sprach den Angeklagten in diesem Punkt frei.

Die Kinder benutzt

Staatsanwalt Bender hatte zuvor für diese Handlungen noch ein Jahr Gefängnis gefordert, weil er zumindest die gefährliche Körperverletzung als gegeben ansah. Einig sind sich dann jedoch Staatsanwaltschaft, Verteidigung und das Gericht, als es um die Verletzungen der Kinder durch den Angeklagten geht. Dass die Schnitte im Gesicht des Mädchens und am Hals ihres Bruders nicht wieder gut zu machende Verletzungen des Vertrauensverhältnisses zwischen Vater und den Kindern ausgelöst haben, das räumten alle Parteien ein. "In der Obhut des Vaters fühlten sich die Kinder beschützt und absolut sicher. Sie dachten sogar erst noch an ein Spiel, das der Vater mit ihnen spielte. Doch der Angeklagte wollte sie von Anfang an nur dazu benutzen, um Druck gegenüber seiner Frau aufzubauen. Dass ihr eigener Vater sie dazu benutzt und sie deswegen auch noch eigennützig verletzt, werden sie ihr ganzes Leben lang nicht mehr vergessen", erklärte Richterin Enders-Kunze in ihrer Urteilsbegründung.

Verteidiger plädiert für Bewährungsstrafe

Anders als der Staatsanwalt, der den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung sowohl im Hinblick auf die Ehefrau, als auch im Hinblick auf die beiden Kinder für erfüllt ansah und auch wegen des gravierenden Vertrauensbruches bei seinen Kindern auf eine Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monate plädiert hatte, hielt Verteidiger Richtberg eine zweijährige Gefängnisstrafe auf Bewährung für schuldangemessen und ausreichend. "Der Angeklagte hat durch die Taten seine Ehefrau und seine Kinder verloren. Das allein ist schon Strafe genug", sprach sich der Verteidiger gegen eine längere Haftstrafe aus.

Für das Gericht war letztendlich dann aber doch der Vertrauensbruch gegenüber seinen Kindern ausschlaggebend. In ihrer Urteilsbegründung sagt Richterin Regine Enders-Kunze: "Dass ein Vater seine Kinder instrumentalisiert, damit muss er selber klarkommen. Aber den Vertrauensbruch, den er dadurch bei den Kindern angerichtet hat, darunter werden sie ihr Leben lang zu tragen haben."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare