Die Bäckereikette Hinnerbäcker ist in der Wetterau ein Vorreiter hinsichtlich des kontaktlosen Bezahlens.	FOTO: PV
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Die Bäckereikette Hinnerbäcker ist in der Wetterau ein Vorreiter hinsichtlich des kontaktlosen Bezahlens. FOTO: PV

Karte davorgehalten - fertig

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Bar, oder lieber mit Karte? Klar, der neue Fernseher wird mit Karte bezahlt. Das Ledersofa auch. Aber die Brötchen, das Vanille-Eis oder die Zeitung? Das auch, immer öfter. Kontaktloses Zahlen hat durch Corona einen Schub erfahren. Karte im Laden vor das Gerät halten, fertig ist das Bezahlen. Die Firma Hinnerbäcker hat in der Wetterau in ihren Filialen Pionierarbeit geleistet.

So mancher, der bisher an der Kasse Münzen und Scheine gezückt hat, zieht angesichts der Corona-Pandemie »Plastikgeld« vor. Doch was ist mit Geschäften, in denen Barzahlung praktisch dazugehört - Bäckereien und Eisdielen zum Beispiel?

Kleinstbeträge elektronisch zu bezahlen kommt vielen noch etwas merkwürdig vor. Zumal es noch nicht so lange her ist, dass Kartenzahlungen in vielen Geschäften erst ab einer gewissen Summe möglich gewesen sind. Kein Wunder also, dass 2017 noch 74 Prozent aller Transaktionen in Deutschland mit Bargeld beglichen wurden. Doch in den vergangenen Wochen hat fast die Hälfte der Deutschen neue Bezahlformen adaptiert.

Auf den Cent genau und schneller

Einer der Vorreiter ist der Hinnerbäcker. Die Bäckerei nutzt seit 2014 in ihren Filialen Kartenleser, die 2017 durch kontaktloses Bezahlen erweitert wurden. Somit reicht es aus, Girokarte oder Smartphone an das Gerät zu halten - ohne Berührung und in der Regel ohne PIN-Eingabe.

Für Verkaufsleiterin Sabine Mühlhans liegen die Vorteile auf der Hand: »Sie kommen nicht mit dem Lesegerät oder Bargeld in Kontakt, und der Verkauf wird schnell und auf den Cent genau abgewickelt«, erklärt sie. »Davon profitieren alle Beteiligten. In dieser herausfordernden Zeit legen wir großen Wert darauf, unsere Kunden ebenso zu schützen wie unsere Mitarbeiter.«

Auch die Sparkasse Oberhessen favorisiert diese Methode seit Langem. »Hinnerbäcker war in dieser Hinsicht der Zeit voraus«, erklärt Martin Thomas, Vertriebsdirektor für Firmenkunden. »Bereits in der Pilotphase sind wir 2017 mit Kai Steinhauer, einem der Geschäftsführer, ins Gespräch gekommen, um gemeinsam die nächste Generation der schnellen und sicheren kontaktlosen Bezahlform für die Filialen zu realisieren.«

Dass sich diese mit den hygienischen Anforderungen der Krise decke, sei im Grunde genommen ein Zufall. »Für Herrn Steinhauer spielten zu jenem Zeitpunkt vor allem die praktischen Aspekte eine Rolle«, sagt Thomas. »Kontaktloses Bezahlen geht schnell, erfordert kein Wechselgeld und ist für Kunden und Mitarbeiter eine erhebliche Zeitersparnis.«

Nicola Gerdes, Apotheken-Inhaberin in Nieder-Mörlen, Rockenberg und Butzbach, berichtet: »Seit Beginn der Krise beobachten wir durchaus, dass viele Kunden das Nummernfeld von Kartenterminals ungerne anfassen.« Immerhin kommen im Tagesverlauf zahlreiche Personen mit den Tasten in Berührung, und das Risiko, dass jemand mit einer ansteckenden Krankheit darunter ist, sei bei der Kundschaft einer Apotheke nicht unerheblich.

Mitarbeiter und Kunden schützen

»Das muss ja nicht mal Corona sein«, fährt Gerdes fort. »Wir desinfizieren die Geräte regelmäßig, aber trotzdem muss es für viele eine enorme Erleichterung sein, mit Karte oder Smartphone bezahlen zu können, ohne Tasten berühren zu müssen.«

Ein weiterer Anbieter ist das »Zulegers«: Das Bad Nauheimer Restaurant in der Mittelstraße bietet Speisen seit einiger Zeit auch zum Mitnehmen an. Auch hier geht der Trend zum Bezahlen ohne Tasten- oder Bargeld-Berührung. »Wir möchten unsere Mitarbeiter natürlich ebenso schützen wie die Gäste«, sagt Inhaber Wolfgang Zuleger. »Kontaktloses Bezahlen ist uns in dieser Hinsicht eine enorme Hilfe. Außerdem lässt sich der Bezahlvorgang wesentlich schneller abwickeln, und unsere Mitarbeiter und Gäste müssen kein Wechselgeld in die Hand nehmen.« Der Bad Nauheimer Handtaschen-Store »TULPENblau« wickelt zwar einen Teil des Verkaufs auch online ab, empfängt jedoch im Geschäft in der Karlstraße auch wieder Kunden. »Die Krise hat viele Menschen nachhaltig verunsichert, was ihr Einkaufsverhalten betrifft«, sagt Geschäftsführerin Heike Elmas-Wagner. »Deshalb ist es uns so wichtig, dass sich unsere Kunden sicherfühlen, wenn sie im Laden vorbeikommen.« Kontaktloses Bezahlen sei da ideal.

Finanzmarkt-Experten der Universität Frankfurt bestätigen, dass der Trend zum Bezahlen via Karte und Smartphone deutlich zu erkennen ist: Wenngleich das Bargeld für viele Deutsche ein kleines Heiligtum darstellt, zeichne sich ein Kulturwandel ab, den das Aufkommen der Corona-Krise um einige Jahre beschleunigen könne.

Für Steinhauer steht jedenfalls fest, dass sich schon bald weitere Geschäfte Hinnerbäcker zum Vorbild nehmen dürften: »Ich bin mir sicher, in wenigen Jahren ist das kontaktlose Bezahlen für uns alle selbstverständlich - egal bei welchen Beträgen.«

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