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Spielt Bruder Josua auf dem Rendeler Spielplatz, müssen Juliana und Samuel mit Mutter Sevgi Üstüner zuschauen.

Im Rollstuhl

Zuschauen statt spielen

Sevgi Üstüner kämpft für inklusive Spielgeräte auf dem Rendeler Spielplatz. Juliana (13) und Samuel (3), die im Rollstuhl sitzen, können nur zuschauen, wenn ihr Bruder Josua an den Geräten tollt.

Karben(jkö). Juliana (13) und Samuel (3) sitzen im Rollstuhl. Das Spielen auf "ihrem" Rendeler Spielplatz bleibt ihnen daher verwehrt - weil barrierefreie Spielgeräte fehlen. Ihre Mutter Sevgi Üstüner will dafür eintreten, dass diese in Wenn sie mit ihren Kindern auf den Spielplatz geht, ist das für Sevgi Üstüner nicht nur mit Freude verbunden. Denn während auf den Spielgeräten Kinder lachend schaukeln, rutschen und toben, steht die Rendelerin gemeinsam mit ihren Kindern am Rand. Alle drei beobachten das bunte Treiben sehnsüchtig - während Juliana (13) und ihr dreijähriger Bruder Samuel in ihren Rollstühlen sitzen. Beide sind mit einer Epilepsie auf die Welt gekommen, deren starke Anfälle in frühen Jahren Schäden hinterlassen haben, erzählt Üstüner.

Am schmerzhaftesten ist der Spielplatzbesuch für sie, wenn auch Bruder Josua dabei ist: Der Fünfjährige ist gesund und kann daher spielen, während die andern beiden am Rand liegen und die Szene beobachten müssen. "Meinen Kindern bleibt auf dem Spielplatz verwehrt, gemeinsam zu spielen - das sollte doch das normalste der Welt sein", sagt die dreifach Mutter. Sie wünscht sich für ihren Stadtteil Rendel daher nichts mehr als ein barrierefreies Spielzeug. "Wir haben zwei Spielplätze im Stadtteil, zumindest bei einem sollte das doch der Fall sein."

In anderen Städten, beobachtet Üstüner, sei das Angebot bereits vorhanden. Die Lösungen sind vielfältig: Eine Schaukel mit einer doppelt breiten Bank, so dass Kinder mit und ohne Einschränkung nebeneinander schaukeln können, ein Karussell, auf dessen Drehscheibe auch Kinder mit Rollstuhl Platz finden, eine Schiffschaukel, an der ein Korb für einen Rollstuhl hängt.

Für die Mutter ist die Bereitstellung solcher Angebote ein Baustein von Inklusivität: "Wie können wir denn etwa sagen, dass eine Kindertagesstätte inklusiv ist und am Ende fehlen die entsprechenden Spielgeräte? Das führt nur dazu, dass Kinder mit Behinderung zwar betreut, aber eben doch nicht gefördert werden können." Sie fragt: "Sollen die andern spielen, während Samuel nur daneben liegen kann?"

Ein Ort zum Treffen

Ein Spielplatz sei ein wichtiger Ort für die kindliche Entwicklung, sagt Üstüner. Das fördere den Kontakt zu anderen Kindern. "Aber meine Tochter ist 13 Jahre alt und hat noch nie in ihrem Leben mit anderen, gesunden Kindern auf einem Spielplatz spielen dürfen."

Bürgermeister Guido Rahn (CDU) kennt die Sorgen der Familie. Ebenso sieht er jedoch die Aufteilung der Stadt in ihre Stadtteile. "Wir können ein solches Angebot nun einmal nicht in jedem einzelnen Stadtteil gewährleisten", bedauert er. Gleichwohl sei die Stadt durchaus für das Thema Barrierefreiheit sensibilisiert - auch auf den Spielplätzen. So sei auf dem großen Klein-Karbener Spielplatz etwa ein entsprechendes Gerät eingeplant, rund 8 000 Euro habe die Stadt dafür investiert.

Für Üstüner reicht das nicht aus. "Ich kann, ebenso wie andere betroffene Familien aus anderen Stadtteilen, den Transport nicht stemmen", sagt die Mutter. Für sie steht daher fest, weiter für einen inklusiven Spielplatz in Rendel zu kämpfen. Mit dem Ortsbeirat sei sie dazu ebenso in Kontakt wie mit der Presse, kürzlich habe sie in Frankfurt ein Radio-Interview zum Thema gegeben. "Ich werde dran bleiben, diese vorhandenen Barrieren abzubauen."

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