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Die Jäger Tim Stöveken und Christine Best mit einem ausgestopften Rebhuhn an einem der Futtereimer im Kloppenheimer Revier, in dem sie kürzlich 122 Rebhühner gezählt haben.

Karben

Wo Rebhühner gut leben

  • VonChristine Fauerbach
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Im Feld bei Kloppenheim stehen Eimer, gefüllt mit Spelz und kleinen Getreidekörnern. Am Trichter am Boden laben sich Rebhühner. Das ist eine Erfolgsgeschichte des Rebhuhnhegerings Wetterau.

Früher waren die scheuen Rebhühner in Deutschland weit verbreitet. Sie waren allgegenwärtig. Seit Jahrzehnten beobachten Jäger wie Christine Best und Dr. Tim Stöveken im Kloppenheimer Revier mit Sorge den Rückgang des Bestandes. In der Schweiz seien Rebhühner bereits ausgestorben und Wiederansiedlungsversuche scheiterten, berichten die beiden.

Gemeinsam mit Landwirten und Behörden wie der Unteren Naturschutzbehörde des Wetteraukreises bemühen sich Jäger durch Anlegen von Schutzgebieten, Feldholzinseln und mehrjährigen Blühstreifen ideale Lebensraum für die Rebhühner zu schaffen. »Körnerfresser und Insekten lieben die Blühflächen, vor allem nach der Ernte«, sagt Christine Best. Im 300 Hektar großen Kloppenheimer Revier kümmert sie sich um den Schutz der Rebhühner.

63 Futtereimer stehen parat

»Rebhühner brauchen eine strukturreiche Vegetation mit nicht zu großen Feldern, Feldrainen und Wegrändern mit Wildkräutern, aber auch Altgrasstreifen, Brachen, niedrigen Gebüschen und Hecken«, erklärt sie. Fehlende energiereiche Nahrung aus Wildkräutern und Getreide verteilen die Jäger in den grünen Eimern. Insgesamt 63 davon stehen im Kloppenheimer Revier. Das ist eine Initiative des vor sechs Jahren von den beiden Jägern Andreas Mohr und Heiko Blecher gegründeten Rebhuhnhegering Wetterau. Das Ziel: Mit einem gezielten Nahrungsangebot »im Wohnzimmer der Vögel« fehlende Nahrung auszugleichen. Die beiden Initiatoren erhielten vor fünf Jahren für ihr Engagement den Umweltschutzpreis des Wetteraukreises.

In Kloppenheim hat sich Christine Best die Standorte der Futtereimern »erarbeitet«. »Sie stehen dort, wo die Rebhühner leben und sie annehmen«, sagt die Jägerin. »Die Füllstände in den Eimern zeigen den Bedarf an. Finden die Rebhühner wie in diesem Jahr viele Wildkräuter mit Samen, bevorzugen sie diese.« Dann bleibe eben mehr von dem Ausputzgetreide aus Mühlen, das bei der Reinigung der Anlagen abfällt, in den Eimern.

»Das Jagen der Rebhühner steht bei der Fütterung wie auch allen anderen Maßnahmen nicht im Vordergrund. Im vergangen Jahr wurden zwei Rebhühner geschossen«, erklärt Tim Stöveken. Allerdings stehen die Vögel auf dem Speiseplan von Fuchs, Dachs, Wiesel, Steinmarder, Waschbär, Greifvögeln, Störchen, Rabenkrähen und Graureihern. Stöveken und Best bejagen diese Raubtiere, damit der »Beutegreiferdruck« auf die Rebhühner verringert werden konnte. Dazu setzen sie auch Lebendfallen ein.

Große Ackerflächen würden Rebhühnrn kaum Schutz vor den Fressfeinden bieten. Ebenso sei es schwierig für die Rebhühner in einer monotonen Landschaft Reviere zum Brüten zu finden. Daher sei die Entwicklung hin zu mehr Blühflächen rund um die großen Getreidefelder zu begrüßen. Eine Gefahr sei auch der steigende Flächenverbrauch.

Schutzgebiete sind nicht nötig

Futter, Eimer wie auch die Lebendfallen zahlen die Jäger meist aus eigener Tasche. »Nahrung, Lebensraum und nicht gefressen werden sind die drei Überlebenssäulen der Rebhühner«, zählt Tim Stöveken auf. »Rebhühner sind territorial. Rebhuhnpaare verteidigen ihre Brutreviere gegenüber ihren Konkurrenten durch Rufe, teils auch kleinere Kämpfe«, berichtet er.

Schutzgebiete auszuweisen, um Bruterfolge zu erzielen bringe nichts, da Rebhühner keine Kolonnenbrüter sind. Ab Februar suchen sich die Hühner ihre Partner, im März wird das Brutrevier abgesteckt, im Mai das Gelege angelegt, das erst mit Ablage des letzten Eies bebrütet wird.

Mitte Juni schlüpfen die flugunfähigen Küken, die das Nest verlassen. Nach zwei Wochen können sie kurze Strecken fliegen. »In den ersten zwei Wochen fressen die Küken nur tierisches Eiweiß wie Insekten und Ameisen, erst später pflanzliches Futter.« Neben den Beutegreifern und Futtermangel gehöre auch durchnässtes Gefieder, dass die Gefahr der Unterkühlung birgt, zu den Gefahren für Rebhuhnkücken in den ersten Lebenswochen.

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