Auch in der Martin-Luther-Straße könnte nach Ansicht der Stadtpolizei die Einbahnregelung aufgehoben und damit sowohl Radfahrern als auch Autos die Zufahrt genehmigt werden.
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Auch in der Martin-Luther-Straße könnte nach Ansicht der Stadtpolizei die Einbahnregelung aufgehoben und damit sowohl Radfahrern als auch Autos die Zufahrt genehmigt werden.

Wirbel um Idee der Stadtpolizei

Karben (pe). Noch ist zwar nichts entschieden, aber eine Idee der Stadtpolizei sorgt in einem Wohnquartier in Klein-Karben für Unruhe: Das nach Meinung der Anwohner bewährte Einbahnstraßensystem soll aufgehoben werden.

Während die Stadtpolizei die Straßen für Radfahrer öffnen und dafür lediglich die Einbahnstraßenschilder entfernen will, sorgen sich die Anwohner, es könnte in ihren ruhigen Anliegerstraßen mehr Autos geben. Grund: Die vier Straßen, die in der Planung der Stadtpolizei eine Rolle spielen, befinden sich auf dem Weg zum Schulzentrum. Nun machen die Anwohner mobil: Sie wollen in der nächsten Sitzung des Ortsbeirats am Mittwoch ihre Stimme erheben.

Das Ganze hat seinen Ursprung in einem Stadtverordnetenbeschluss. Das Parlament hatte auf Antrag der Grünen entschieden, die Stadt solle prüfen, welche Einbahnstraßen im Stadtgebiet für Radfahrer geöffnet werden könnten, sprich: Die Radler könnten auch gegen die vorgeschriebene Richtung in die Straße einfahren. Der Magistrat wiederum hat die Experten von der Stadtpolizei beauftragt, eine Liste der dafür in Frage kommenden Straßen zusammenzustellen. Und darauf finden sich auch die Robert-Koch-Straße, die Philipp-Reis-Straße, die Martin-Luther-Straße und die Freiherr-vom-Stein-Straße. Durch ein Versehen war dies nun bekannt geworden: Die Verwaltung hatte nämlich zuerst den Ortsbeirat Groß-Karben informiert, die vier genannten Straßen liegen jedoch auf Klein-Karbener Gemarkung.

Nun steht das Thema also auf der Tagesordnung der Sitzung des Ortsbeirats Klein-Karben.

Warum in diesen vier Straßen die nach Ansicht der Anwohner bewährte Einbahnstraßenregelung aufgehoben werden soll, erklärt der Leiter des städtischen Polizei, Uwe Axtmann, auf WZ-Anfrage so: »Die Straßen östlich des Karbener Weges sind schöne breite Straßen. Wenn wir die Einbahnstraßen für Radfahrer öffnen wollen, müssten wir diverse neue Schilder aufstellen und Markierungen auf der Fahrbahn aufbringen. Da die Straßen aber breit genug sind, bietet sich hier an, die Einbahnstraßenregelung ganz aufzuheben. Wir hätten im Endeffekt also weniger Beschilderung.« Bei einer Verkehrsschau habe man sich gefragt, warum hier Einbahnstraßen seien. Die machten oft nur Sinn, wenn die Straßen sehr schmal seien und ein Begegnungsverkehr mit Risiken verbunden wäre.« Axtmann weiß von der Kritik der Anwohner und sagt dazu: »Noch ist nichts entschieden. Wir machen lediglich aus Sicht der Polizei Vorschläge.«

Das gefällt den Anwohnern aber ganz und gar nicht. Alf und Ingrid Mainert haben deshalb ein Flugblatt entworfen, das sie den Anwohnern jetzt haben zukommen lassen. Darin heißt es, die Stadt überlege, »das seit 40 Jahren bewährte Einbahnstraßensystem aufzuheben.« Die Anwohner fürchten, auf diese Weise soll »Entlastung für den Karbener Weg geschaffen werden«. Der Weg ist die Zubringerstraße zur Kurt-Schumacher-Schule und zur Pestalozzischule: Morgens und abends herrscht dort starker Verkehr. Die Anwohner argwöhnen, offenbar gehe die Anfahrt vielen zu langsam. »Offenbar fühlen sich die Stadtbusse und die verrückten Muttis, die ihre Kinder zur Schule fahren, aufgehalten«, wettert Mainert.

Der Karbener Weg ist durch Schwellen und kleine Pflanzinseln sowie eine Umgestaltung der Fahrbahn verlangsamt worden. »Deshalb soll sich der Durchgangsverkehr jetzt wohl seinen Weg zügig durch unsere noch verhältnismäßig ruhigen, kinderfreundlichen und auch seniorenfreundlichen Anliegerstraßen suchen«, betonen die Mainerts. Sie appellieren an die Nachbarn, sich »rechtzeitig zu Wort zu melden und zur Wehr zu setzen«.

Mittlerweile habe man 70 Flugblätter verteilt. »Betroffen sind aber noch viel mehr Anwohner: Außer den in den vier genannten Straßen sind es auch die in der Straße ›Am Sand»«, weiß Mainert. Die beschwerten sich schon heute über den zunehmenden Autoverkehr. Zudem fühlen sich die Mainerts und andere Anwohner getäuscht: Es solle doch nur um die Erlaubnis gehen, dass Radfahrer auch gegen die Einbahnstraßen fahren dürften. Eine Aufhebung der Einbahnstraßenregelung aber sei etwas ganz anderes. Dann habe man außer den Radfahrern noch den motorisierten Verkehr.

Mittlerweile hat Stadtrat Philipp von Leonhardi eine Ortsbegehung vorgeschlagen. Die Anwohner sind sich sicher: Wenn diese Pläne nicht schon im Ortsbeirat gestoppt würden, werde es später auf Stadtebene noch schwerlicher gelingen. Zündstoff also für die Ortsbeiratssitzung am Mittwochabend.

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