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Holger Meyer, System-Administrator und Zweiter Vorsitzender des Karbener Senioren-Computerzentrums, demonstriert die Möglichkeiten an einem Lernplatz. Diese werden derzeit Schülern zur Verfügung gestellt, die sonst nicht die Möglichkeit haben, adäquat am Homeschooling teilzunehmen.

Projekt in der Corona-Pandemie

Wie das Senioren-Computer-Zentrum das Homeschooling von Karbener Schülern unterstützt

  • vonJürgen Schenk
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In der Coronavirus-Pandemie müssen viele Schüler ins Homeschooling. Doch nicht jeder hat die Möglichkeiten dazu. In Karben gibt es Abhilfe durch ein Projekt des Senioren-Computer-Zentrums.

Die Geräte des Senioren-Computer-Zentrums (SeCuZ) in der Ramonville Straße befinden sich derzeit im Standby-Modus. Wochentreffs und Computerkurse des Vereins mussten wegen der Coronavirus-Pandemie ausgesetzt werden. Ganz ungenutzt bleibt das technische Equipment in diesen Zeiten jedoch nicht: Eine Kooperation zwischen SeCuZ, Jugendkulturzentrum (JukuZ) und Schulsozialarbeit der Kurt-Schumacher-Schule (KKS) bietet in den Räumen inzwischen Online-»Home«-Schooling an. Nur drei Wochen hat es von der Idee bis zur Umsetzung gedauert. Und genau dieses Tempo braucht es auch. Denn nach wie vor bestehen für viele Familien immense Schwierigkeiten im Schulbetrieb.

Aufgaben erledigen, Blätter ausdrucken

Fünf Mädchen und Jungen aus den Klassen fünf bis acht der KSS erhalten an drei Wochentagen einen digitalen Zugang zum Distanzunterricht. Seit 2. März haben sie so die Möglichkeit, an Online-Stunden teilzunehmen, ihre Aufgaben zu erledigen und bei Bedarf Arbeitsblätter auszudrucken. Betreut werden die Schülerinnen und Schüler, die aus unterschiedlichen Schulzweigen kommen, vom Personal des JuKuZ. »Bei unserem Angebot handelt es sich aber nicht um eine Hausaufgabenbetreuung«, stellt JuKuZ-Chef Thomas Frühauf klar. »Es richtet sich allein an Kinder und Jugendliche, die Unterstützung benötigen, weil ihre Möglichkeiten von zu Hause aus limitiert sind.«

Solche Problematiken scheint es auch in Karben noch oft genug zu geben. Bei manchen Kindern liefen die Lehrkräfte ohne Präsenzunterricht sogar Gefahr, den Kontakt ganz zu verlieren. Denn ihr Fehlen falle nicht immer gleich auf. Ängste und Sorgen der Eltern blieben zudem nicht ohne Wirkung auf ihre Kinder. Die Folgen davon sind oft persönlicher Rückzug und Schweigen, weil man die gestressten Eltern nicht noch zusätzlich belasten will. Die Dunkelziffer dieser »Corona-Abgehängten« dürfte auch in Karben nicht zu unterschätzen sein.

Schulsozialarbeiterin Tatjana Schnitzer-Wagner kennt genug Problemfälle durch ihre Arbeit an der KSS. »Das ist ein negativer Beigeschmack, den die aktuelle Situation des Online-Unterrichts mit sich bringt«, sagt sie. »Als Ansprechpartner vor Ort können wir viele Schülerinnen und Schüler begleiten. Die meisten kommen ganz gut mit der Situation klar. Aber leider gelingt es uns nicht, allen gerecht zu werden.«

Das Unterstützungsangebot im SeCuZ wird aus unterschiedlichen Gründen wahrgenommen. Zwei Mädchen kommen zum Beispiel, weil sie zu Hause nicht den nötigen WLAN-Empfang haben. Von der Schule wurden sie zu diesem Zweck mit iPads ausgestattet. Ein Junge hat sprachliche Schwierigkeiten, andere leben nur mit einem berufstätigen Elternteil zusammen und sind deswegen häufig auf sich alleine gestellt.

Bedürfnisse sind ganz unterschiedlich

Die Bedürfnisse seien ganz verschieden, erklärt auch JuKuZ-Mitarbeiterin Julia Cellarius. Sie betreut den Nachwuchs beim Lernen und hat zudem immer ein offenes Ohr für deren Sorgen und Nöte. »Zu Beginn waren alle sehr fokussiert am Rechner. Ich musste sie oft sogar an ihre Pausen erinnern. Mittlerweile sind sie gesprächsbereiter geworden und helfen sich auch gegenseitig. Alle freuen sich, dass sie hierher kommen können«, führt Cellarius aus. »Erklären muss ich ihnen am Computer nichts mehr, alle kennen sich bestens aus. Die sind wirklich fit.«

Positive Rückmeldungen kämen auch von der Lehrerschaft der KSS. Nach solchen Darstellungen zeichnet sich wohl schon kurz nach Beginn des Projekts eine »Win-Win«-Situation ab. Bei noch größerer Nachfrage könnte der begrenzte Platz im SeCuZ-Quartier bald zu klein werden. Deshalb hat die Stadt Karben einen Raum im Bürgerzentrum ins Auge gefasst, der zur Nutzung bereit stünde. »Wir sind auf jeden Fall an einer Weiterentwicklung des Projektes interessiert«, unterstreicht Stadträtin Heike Liebel auf Nachfrage. »Es ist bemerkenswert, was innerhalb von so kurzer Zeit hier möglich gemacht wurde. Wir sehen eine wunderbare Kooperation.«

Das digitale Lernen im SeCuZ findet derzeit dienstags, mittwochs und freitags von 10 bis 13 Uhr statt. Anmeldungen können über die E-Mail-Adresse cellarius@jukuz-karben.de vorgenommen werden. Die Teilnehmerzahl ist jedoch begrenzt. Es gelten selbstverständlich die aktuellen Corona-Regeln. Ab dem 19. April soll das Angebot auf alle Wochentage und um eine Stunde täglich erweitert werden, informiert Thomas Frühauf, Chef des Karbener Jugendkulturzentrums (JuKuZ). jsl

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