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Gabriele Ratazzi-Stoll (links) und Inge Messidat am Treppenlift, der das Betreten des Müze barrierefrei macht. In einem moderierten Dialogforum mit Senioren, Ortsvorsteher und Bürgermeister ist es gelungen, das Projekt umzusetzen.

Spenden-Marathon

Wie das Müze Demokratie stärkt

  • vonChristine Fauerbach
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Es geht um Geld und Demokratie. Beim Spendenmarathon bewerben sich Mütterzentren um einen Fördertopf von der Hertie-Stiftung. Das Karbener Müze macht auch mit.

In Deutschland gibt es 400 Mütterzentren. Jetzt hat der Bundesverband der Mütterzentren sie aufgerufen sich am Crowdfunding-Wettbewerb zu beteiligen, um den Demokratiefonds der Hertie-Stiftung zu gewinnen. »Es müssen 10 000 Euro an Spenden aufgebracht werden, um auf den ersten Platz zu kommen, der mit 35 000 Euro ausgeblobt ist«, erklärt Gabriele Ratazzi-Stoll vom Karbener Mütter- und FamilienZentrum (Müze). Die 35 000 Euro gibt es zusätzlich für ein Mütterzentrum zusätzlich zu den eingeworbenen 10 000 Euro. Bedient werden insgesamt 20 Projekte.

Für die Karbener Verantwortlichen war schnell klar, dass sie sich an dem Spendenmarathon beteiligen. Er läuft zugunsten von »Dialogtischen in Mütterzentren«. Mit diesen sollen die niederschwelligen offenen Treffs der Mütterzentren ergänzt werden.

»Mütterzenten sind Orte der Begegnung, Beteiligung und des freiwilligen Engagements«, erklären die Karbener Aktiven. Im Mittelpunkt aller Zentren würden die Bedürfnisse, Interessen und Lebenslagen von Frauen, Müttern und Familien stehen.

»Der Bundesverband unterstützt die Mütterzentren mit meist kostenfreien Fortbildungen wie beispielsweise für die Gastgeberinnen der offenen Treffs und Lobbyarbeit«, sagt Gabriele Ratazzi-Stoll, Vorsitzende des Müze in Burg-Gräfenrode. »Mit der Spendenaktion will der Bundesverband Geld einwerben, um Moderationsschulungen für Beteiligungsprozesse zu erhalten«, ergänzt Inge Messidat, die den offenen Treff leitet. Ziel des Spendenmarathons sei die Förderung von Bürgerbeteiligung und Demokratie vor Ort.

Zentren stärken gelebte Demokratie

»Alle Mütterzentren sind basisdemokratisch aufgestellt. Alle Angebote, Initiativen, Projekte, Dienstleistungen und Foren, kommen allen zugute. Die Angebote entwickeln sich bedarfsgerecht, angepasst an die Struktur der jeweiligen Nachbarschaft«, erklärt Ratazzi-Stoll. »Wir bieten auch Foren an, sie werden bei uns aber kaum wahrgenommen. Die Nachfrage hängt von der Lage der Mütterzentren und ihren Gästen ab«, weiß sie.

Zu den Themen eines moderierten Dialogtisches gehöre beispielsweise Menschen mit Migrationshintergrund Gehör zu verschaffen. In Karben hat das Müze im vergangenen Herbst erfolgreich ein Treffen mit Karbenern, die älter als 80 Jahre alt sind, Teilnehmern des Seniorencafés, dem Ortsvorsteher und Bürgermeister moderiert. Ziel war es einen Treppenlift zu bekommen, damit alle Gäste einen barrierefreien Zugang ins Müze erhalten.

»Zu den Zielen der Dialogtische gehört es Familien beim Mitmachen zu stärken und es Kindern zu ermöglichen, direkte Demokratie zu erleben, wenn sie ihre Projekte mit uns umsetzen.«

Zu den Themen in Karben gehört Partizipation und Nachhaltigkeit, die durch Corona ausgebremst wurden. Mittels des Dialogtisches könnte man in Karben beispielsweise einen Stadtplan gestalten, in dem Orte gekennzeichnet sind, wo es unverpackt Lebensmittel oder Tauschmöglichkeiten gibt. Die Ideen und Fragen der Teilnehmer wird Gastgeberin Inge Messidat moderieren und aufgreifen. »Jeder, der etwas auf dem Herzen hat, wird hier gehört. Wir regen Hilfe zur Selbsthilfe an«, sagt Ratazzi-Stoll.

Mit Rücklagen durch die Pandemie

Um finanziell in der Pandemie bestehen zu können, greife das Müze auf Rücklagen zurück. »Unsere 30 Kursleiter sind Honorarkräfte, die Mitarbeiter im Café sind Ehrenamtliche mit Aufwandsentschädigung, zwei Angestellte erhalten Kurzarbeitergeld, sechs Kräfte im Mini-Kindergarten werden mit Projektmitteln, öffentlichen Zuwendungen und den Gebühren der Eltern bezahlt.« Sollte das Karbener Müze eins der 20 Projekte gewinnen, dann würde das Geld zur Finanzierung von Schulungen genutzt und um die Idee für einen zentraleren Standort umzusetzen, verwendet.

Unterstützen können Gönner und Freunde das Müze derzeit durch die Aktion »nimm eins, zahl zwei«. Zurzeit können die Spender allerdings nur sagen, ob sie einen Kaffee, eine Waffel oder ein Mittagessen nehmen würden, aber zwei bezahlen.

Dialogtische als Spenden-Zugpferd

Dialogtische in Mütterzentren - Menschen begeistern für Demokratie und Beteiligung, das ist das Motto, unter dem das Karbener Müze für die Teilnahme am Crowdfunding-Wettbewerb, der noch bis 19. Mai läuft, wirbt. Mit 50 anderen Organisationen kämpft der Bundesverband der Mütterzentren dabei um den Demokratiefonds der Hertie-Stiftung. Wer die Mütterzentren unterstützen will, kann bis zum 19. Mai die Seite ww.startnext.com/ dialogtische besuchen. Hier kann man symbolische Dankeschöns kaufen und spenden, auch gegen Spendenquittung. cf

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