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Übungen sollen authentisch sein: Geschminkte Verletzte sind am Einsatzort zu sehen. Erstmals seit drei Jahren stellen sich die DRK-Helfer wieder einer 24-Stunden-Übung. Die Pandemie hat den Zeitplan für den alle zwei Jahre vorgesehenen Übungsmarathon durcheinandergewirbelt.

24-Stunden-Übung in Karben

Wie das Helfen geprobt wird

  • VonJürgen W. Niehoff
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Endlich wieder üben. Pandemiebedingt ist das auch beim Karbener Ortsverband des Roten Kreuzes lange nicht möglich gewesen. Zum Start ist nun eine 24-Stunden-Übung angesetzt gewesen.

24 Stunden Bereitschaft, in denen zu jeder Sekunde der Alarm ausgelöst und der Einsatz beginnen kann. Das kann fordernd sein. Neun ehrenamtliche Einsatzkräfte des Karbener Roten Kreuzes (DRK) haben sich am Wochenende der Aufgabe gestellt.

Niemand von ihnen wusste, was passieren würde - außer Bereitschaftsleiter Marco Wieja. Er hat die 24-Stunden-Übung geplant und organisiert. Der Beginn ist harmlos: Ein Besuch bei der Polizei in Bad Vilbel. Zurück in Karben ging’s um Organisatorisches. »Wir wechseln bei den Übungen die Einsatzleitung, damit im Ernstfall, wenn der Einsatzleiter einmal ausfallen sollte, sofort Ersatz da ist«, erklärt Melina Schuch.

Kartenkunde gehört auch dazu

Gegen Mittag ertönt erstmals das Alarmsignal. Es geht auf den Parkplatz am Sportplatz in Klein-Karben. Die Helfer räumen die nötigen Utensilien in die Einsatzfahrzeuge, um eine Betroffenensammelstelle zu errichten. »Zuerst das Zelt aufbauen«, lautet der erste Befehl. Binnen weniger Minuten ist es aufgestellt, sodass das im Übungsplan vorgesehene Verteilen des Essens beginnen kann. Rasch ist dieser erste Einsatz abgehakt. Es geht zurück zum Stützpunkt. Kartenkunde und das Orientieren nach Koordinaten werden geschult. »Die Schwierigkeiten eines Einsatzes beginnen meist mit dem Finden des Einsatzortes, weil die Ortsangaben oftmals zu ungenau mitgeteilt werden«, wissen die Rotkreuzler.

Während sie noch über theoretischen Fragen grübeln, haben sich hinterm Bürgerzentrum vier Statisten eingefunden, die sich Wunden auf die Haut gemalt haben. Die Regieanweisungen sind eindeutig: »Ich soll am Rathaus vorbeigegangen sein, als es einen Knall gab und ich durch die Luft geschleudert wurde«, erklärt Silke. Eine andere Statistin hat Verbrennungen an den Armen. Ein weiterer Statist sei von einem Wespenschwarm attakiert worden. Folge: Kreislaufzusammenbruch. Gleich zweimal können die Statisten ihren Einsatz proben, weil kurz vor Erscheinen des Übungstrosses ein echter Notarztwagen am Bürgerzentrum vorbeisaust und sie etwas verwirrt.

»Finden die uns etwa nicht oder sind wir hier falsch«, fragen sie sich. Der Zweifel währt nicht lang, dann ertönen wieder Martinshörner und dieses Mal sind es die Übenden.

Für Katharina Gräf ist es der erste Einsatz als Leiterin der Gruppe. Sie ist etwas aufgeregt. »Das ist doch etwas anders, wenn man Verantwortung für die Gruppe hat und alles genau beobachtet wird«, sagt sie. Beim Eintreffen der Rettungsfahrzeuge teilt sie die Helfer in Gruppen ein. Die einen kümmern sich um die Verletzten, die anderen errichten ein Zelt, wo die Verletzten behandelt werden.

»Wir sind alles ausgebildete Sanitätshelfer oder Sanitätsassistenten und können schon einmal erste Hilfe leisten«, sagt Gräf. Während in dem Zelt noch untersucht und verbunden wird, schrillt dieses Mal die echte Alarmglocke über Funk. »Abbruch und schnell einpacken. Wir müssen in die Zentrale. In Butzbach ist ein Hubschrauber abgestürzt. Wir sollen uns bereithalten«, ruft der Einsatzleiter Marco Wieja, Damit ist diese Übung vorzeitig beendet, der Ernstfall hat Vorrang.

Lob für den 24-Stunden-Einsatz

Da die Karbener nicht nach Butzbach ausrücken müssen, kann die 24-Stunden-Übung fortgesetzt werden. Am Abend dann der nächste geplante Einsatz: Massenunfall in einer Roggauer Gaststätte mit fünf Verletzten, von denen einer in den Wald geflüchtet ist.

Am Sonntagmorgen heißt es dann: Aufräumen und Fahrzeuge säubern. Einsatzleiter Wieja lobt seine Truppe: »Wir können stolz auf unsere Helfer sein. Es hat alles wunderbar geklappt und es müssen für die Zukunft auch nur ganz wenige Kleinigkeiten geändert werden.«

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