Marianne Leonhardt regelt den Einlass am Tor. Im Hintergrund sieht man die Autoschlange, die sich vor dem Karbener Wertstoffhof gebildet hat.
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Marianne Leonhardt regelt den Einlass am Tor. Im Hintergrund sieht man die Autoschlange, die sich vor dem Karbener Wertstoffhof gebildet hat.

Wertstoffhöfe wiedereröffnet

Wetterauer Recyclinghöfe öffnen wieder: Der Dreck muss endlich weg

  • vonJürgen Schenk
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Seit Mitte März waren die Recyclinghöfe wegen Corona geschlossen. Jetzt sind sie wieder geöffnet. Doch die Kundschaft in Bad Vilbel und Karben muss sich auf veränderte Öffnungszeiten und strikte Hygienemaßnahmen einstellen.

Der Dreck muss weg - so denken wohl viele Bürgerinnen und Bürger. Abfälle, die sich in den vergangenen Wochen nach dem Frühjahrsputz in Haus und Garten angehäuft haben, sollen direkt in die Container wandern. Als Konsequenz bedeutet das einen selten gesehenen Stau im Karbener Industriegebiet. Von der Einfahrt des Wertstoffhofes bildet sich rasch eine lange Fahrzeugschlange in der Dieselstraße zurück. Deren Ende befindet sich zeitweise auf der Höhe des Baumarktes.

Mehr als drei Fahrzeuge darf Mitarbeiterin Marianne Leonhardt nicht gleichzeitig auf den Hof lassen. Das ist eine Vorgabe, auf die sie am Tor zu achten hat. So extrem sei es noch nie gewesen. Auch wenn im regulären Betrieb samstags manchmal bis zu 450 Autos kämen, meint sie. Freundlich fragt sie in jedem ankommenden Fahrzeug nach der Ladung und bittet um etwas Geduld. Ihre Freundlichkeit wird in der Regel erwidert. Einige Leute muss sie jedoch abweisen. Denn die Abfallentsorgung ist jetzt nur mit dem Auto, nicht aber zu Fuß, gestattet. Hineingelassen wird nur, wer eine Mund- und Nasenbedeckung trägt. Schals und Tücher tun es auch. Das Einhalten der geltenden Abstandsregeln scheint kein Problem zu sein. Auf dem Gelände sind drei weitere städtische Mitarbeiter damit beschäftigt, einen geregelten Ablauf zu gewährleisten.

Wetterauer Recyclinghöfe öffnen wieder: Manche entsorgen Müll im Wald

»Wir tun alles zum bestmöglichsten Schutz von Kunden und Mitarbeitern«, versichert Gerald Leps von der Stadtverwaltung Karben. »Grundsätzlich gilt: So viel wie notwendig, aber nur so wenig wie möglich. Bargeldloses Bezahlen wird noch in dieser Woche möglich sein. Um den Abstand einzuhalten, muss die Anzahl der Leute an den Containern reguliert werden. Im Normalbetrieb stellt das kein Problem dar. Jetzt geht es nicht anders.« Als Ärgernis bezeichnet er jene Zeitgenossen, die während der Schließung ihren Müll einfach vors Tor oder am Trimmpfad im Wald abgelegt hätten.

Harald Wilke ist Rentner und verdient sich bei der Stadt Karben etwas als Mini-Jobber dazu. Seine Tätigkeit auf dem Recyclinghof sieht er derzeit mit einem mulmigen Gefühl. Was er damit meint, ist klar. Trotzdem kann er den Ansturm der Leute verstehen. »Nachdem alle in der letzten Zeit aus Langeweile dreimal oder mehr Keller und Wohnung aufgeräumt haben, muss der Abfall auch irgendwo hin.«

Einen Tag später zeigt sich am Wertstoffhof in Bad Vilbel ein etwas anderes Bild. Von einem Verkehrsstau ist nichts zu sehen. Die Zahl der Müllanlieferer bleibt übersichtlich. Gut möglich, dass es an der frühen Öffnung am Vormittag liegt. Das Sicherheitskonzept ist aber ähnlich streng wie in Karben: Zeitgleich dürfen nur fünf Fahrzeuge auf den Hof, zwei Personen sind erlaubt, aber keine Kinder. Fünf städtische Mitarbeiter überprüfen, dass der Müll in die richtigen Container geworfen wird. Helfen, so wie sie es vor Corona getan haben, sollen sie aber nicht mehr.

Wetterauer Recyclinghöfe öffnen wieder: "Mitarbeiterschutz ist uns sehr wichtig"

»Das müssen die Leute jetzt selbst machen«, erklärt der Fachdienstleiter Abfallwirtschaft und Grünflächenpflege bei der Stadt Bad Vilbel, Sören Bußmann. »Der Mitarbeiterschutz ist uns sehr wichtig. Beim gemeinsamen Ausladen und Entsorgen kann man nun mal keinen Mindestabstand einhalten.« Man müsse jetzt generell die Entwicklungen im Auge behalten. Die Öffnungszeiten seien angepasst worden. Einen Wertstoffhof könne man nicht für längere Zeit schließen. »Trotzdem kann es jederzeit zu Veränderungen kommen. Es ist unsere erste Pandemie, ein Corona-Handbuch habe ich leider nicht auf dem Schreibtisch liegen«, sagt Bußmann. Auf Nachfrage bestätigt er außerdem, dass es in den vergangenen Wochen auch im Bad Vilbeler Wald zu mehr Vermüllung gekommen sei. Hauptsächlich Grünschnitt und Sperrmüll seien widerrechtlich entsorgt worden.

Gerhard Lehnert kommt die Wiedereröffnung des Wertstoffhofes gerade recht. Durch einen Umzug innerhalb Bad Vilbels stauen sich bei ihm die Kartons an. Drei Fuhren seien nötig, um das Platzproblem zu Hause zu entspannen. »Der Umzug ließ sich nicht verschieben. Ich habe Hurra geschrien, als ich von der Öffnung des Wertstoffhofes in der Zeitung las«, erzählt er.

Wetterauer Recyclinghöfe öffnen wieder: Die Öffnungszeiten

In Karben und Bad Vilbel gelten jetzt veränderte Öffnungszeiten. Der Recyclinghof in Karben hat seit 21. April dienstags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 15 Uhr geöffnet. In Bad Vilbel gelten seit 22. April folgende Zeiten: Kalenderwochen 17 bis 19: Mittwoch und Samstag von 8 bis 17 Uhr, Kalenderwochen 20 bis 22: Mittwoch und Samstag von 8 bis 16 Uhr. Ab der KW 23 soll zu den regulären Öffnungszeiten zurückgekehrt werden: Mittwoch von 13 bis 18 Uhr, Samstag von 8 bis 14 Uhr. Die Gebührensatzungen bleiben unverändert. 

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