Fünf Punkte erhalten diejenigen, die bestimmte Ziele auf ihrem Weg durch "Bad Vilbels landschaftliche Vielfalt" erreichen. Noch mehr Punkte sammelt man, wenn man die integrierten Fragen richtig beantwortet.
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Fünf Punkte erhalten diejenigen, die bestimmte Ziele auf ihrem Weg durch »Bad Vilbels landschaftliche Vielfalt« erreichen. Noch mehr Punkte sammelt man, wenn man die integrierten Fragen richtig beantwortet.

Durch Gronau und Umgebung

Wetterauer Natur digital entdecken: Karbener IT-Azubis entwickeln App

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Sich in der Natur zu orientieren und mehr über sie zu erfahren, ist das Anliegen einer App. Sie wurde von IT-Auszubildenden des Berufsbildungswerk Südhessen (BBW) in Karben entwickelt.

Morgens an einem Werktag auf der Nidda-Brücke im verlängerten Stockwiesenweg in Gronau. Es herrscht ein reger Radverkehr, Spaziergänger und Joggerinnen kommen vorbei. Die Sonne scheint, es weht ein leichtes Lüftchen. Rechterhand ein Blick auf den Bereich, wo die Nidder in die Nidda mündet. Ein Storch dreht nahe dem riesigen Strommasten eine Runde und landet dann auf einem der drei Nester in luftiger Höhe.

Ein kleiner Spaziergang führt am Gronauer Hof vorbei in eine große Wiesenlandschaft. Natur pur am Rande der Stadt. Wie erholsam! Ein Vogel ruft laut aus dem Unterholz unweit des Weges. Wenn man jetzt nur wüsste, wer da so durchdringend ruft. Des Rätsels Lösung wäre einfach gewesen, hätte man die Actionbound-App der Naturfreunde Hessen und der Landesregierung auf seinem Smartphone gehabt. Eine solche App ist von IT-Auszubildenden des Berufsbildungswerks Südhessen (BBW) in Karben entwickelt worden. Sie enthält auch Audio-Sequenzen mit typischen Vogelstimmen aus dieser Region.

Karbener IT-Azubis entwickeln App: Jugend für Natur begeistern

Mit dieser App lässt sich die Natur digital entdecken. »Wir wollen damit Jugendliche ansprechen und für die Natur begeistern«, nennen Bernhard Witzlau, Verantwortlicher für die IT-Ausbildung beim BBW Südhessen, und Rainer Gilbert, Projektleiter Natura Trails in Hessen 2.0 die Absicht des Projektes.

Dafür haben die Azubis aus Karben ihr Büro verlassen und waren in der heimischen Natur unterwegs. IT-Azubi Svenja Schneider: »Es war cool, an der App mitzuarbeiten. Wir sind die Strecke abgelaufen, haben die Wegepunkte festgelegt, uns Fragen überlegt und die Anwendung dann auch getestet.«

Begleitet wurden die Jugendlichen von ihrer Ausbilderin Serpil Rinke und BBW-Pädagogin Andrea Egly. »Projekte wie der Actionbound sind toll für uns - die Azubis können ihr Wissen praktisch anwenden und lernen Neues kennen. Und wenn jetzt auch noch andere Jugendliche davon profitieren, ist das umso besser«, freuen sich die beiden.

Sie haben die App entwickelt (von links): Benjamin Schöpf, Kevin Kopp und Bernd Witzlau, Abteilungsleiter, Svenja Schneider, Heike Englisch und Andrea Egly.

Möglich wurde das Ganze erst durch die Zusammenarbeit mit den Naturfreunden Hessen, genauer gesagt mit dem Projektleiter Natura Trails in Hessen, Rainer Gilbert. Er hat mit dem Prinzip »von Jugendlichen für Jugendliche« gute Erfahrungen gemacht. Mit finanzieller Unterstützung des hessischen Umweltministeriums sind hessenweit zehn Natura Trails ausgewiesen worden, welche die heimische Landschaft erlebbar machen und gleichzeitig zu einem bewussten Aufenthalt in der Natur anregen wollen. Eines dieser Trails ist in Bad Vilbeler Gemarkung. Auf 14,5 Kilometern können Naturliebhaber zwischen dem Bad Vilbeler Südbahnhof und Gronau die Natur erwandern.

Die nun vorgestellte App bringt den jungen Leuten ein Teilstück dieser idyllischen Natur näher. Zunächst einmal sollte man sich die App mit dem Titel »Actionbound« herunterladen und dann einen QR-Code scannen. Los geht es vor Ort an der Brücke über die Nidda, unweit der Stelle, an der die Nidder in die Nidda mündet. Bei einem kleinen Test ist schon hier die erste Frage, denn die interaktive Handy-Rallye (Bound) besteht aus Informationen und einen kleinen Quiz.

Karbener IT-Azubis entwickeln App: 100 Punkte für die Nachtigall

Die viereinhalb Kilometer lange Strecke, die in gut einer dreiviertel Stunde bewältigt werden kann, führt ab der Brücke entlang eines Teiles des Wetterauer Vogelschutzgebietes. Es geht zunächst am Gronauer Hof vorbei, links und rechts auf den Feldern grasen Kühe. Zwischen Getreidefeldern führt der Weg fast geradeaus zu einer Feldholzinsel. Dort wird nicht nur erläutert, was das Charakteristische daran ist, sondern auch gefragt, welchen Vogel man hier ständig rufen hört.

Die jungen IT-Azubis des Berufsbildungswerks haben sich hier noch etwas Pfiffiges einfallen lassen: Ruft der Vogel einmal nicht, kann man auf den Start-Knopf drücken und hört die Stimme digital. Dann kann man ganz schnell die Nachtigall ankreuzen und erhält 100 Punkte. Es gibt ohnehin viele Punkte, etwa wenn man in der Natur bestimmte Ziele erreicht hat und die Fragen richtig beantwortet hat. Etwa auch die nach den Streuobstsorten, die in der Gemarkung zwischen Gronau und Rendel wachsen.

Wer an einem schönen Tag in der südlichen Wetterau ein wenig länger verharrt, braucht auch länger als die angegebene dreiviertel Stunde. In der Tat sollte man sich Zeit nehmen und nicht nur Punkte sammeln. Mit offenen Augen und Ohren »Bad Vilbels landschaftliche Vielfalt«, so der Untertitel dieser App, zu genießen, bereichert diese Zeit in der Natur noch mehr.

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