Die Erdbeersaison beginnt. Unter den Folientunneln konnte das Team von Marcus Bär vom Spargel- und Erdbeerhof in Burg-Gräfenrode die ersten süßen Früchte ernten.
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Die Erdbeersaison beginnt. Unter den Folientunneln konnte das Team von Marcus Bär vom Spargel- und Erdbeerhof in Burg-Gräfenrode die ersten süßen Früchte ernten.

Spargel und Erdbeeren

Wetterauer Erntesaison gestartet: Froh über eingespieltes Ernte-Team

  • vonJana Kötter
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Ernten trotz Corona-Epidemie? In diesem Jahr ist es alles andere als selbstverständlich. Der Roggauer Spargel- und Erdbeerhof Bär hat genau das geschafft - nach turbulenten Wochen.

Melissa Ambron hat an diesem Nachmittag alle Hände voll zu tun. Quasi im Minutentakt fahren die Radler auf dem Spargelhof Bär vor und bestellen bei der Studentin - nachdem sie an den leuchtend gelben Abstandsmarkierungen im Freien gewartet haben und einzeln in den Hofladen eingetreten sind - ihren Spargel. Dass die Verkäuferin sie anlächelt, sehen die Kunden nicht: Denn Melissa Ambron trägt, während sie bedient und den Spargel flott im Nebenraum schält, stets einen Mundschutz.

Keine Frage: Das Coronavirus und die damit verbundenen Einschränkungen für Handel und Reisen machen sich auch auf dem Spargel- und Erdbeerhof in Burg-Gräfenrode bemerkbar. »Für uns war sehr lange unklar, wie die Spargelernte ablaufen kann und ob unsere langjährigen Spargelhelfer überhaupt kommen können«, erklärt Marcus Bär. Gemeinsam mit seiner Frau und seinen Eltern, die die Organisation der Ernte als 70- und 80-Jährige im Hintergrund begleiten, musste er - eigentlich als Banker in Frankfurt tätig - in dieser »Corona-Saison« allerhand logistisches Geschick beweisen.

Mundschutz und Handschuhe gehören für Studentin Melissa Ambron, die für den Spargelverkauf im Hofladen zuständig ist, zur Ausstattung.

Zur Zeit der Corona-bedingten Grenzschließungen waren einige der langjährigen Erntehelfer schon auf dem Hof, erzählt Bär. Der Großteil der Stammkräfte aber stand in der rumänischen Heimat noch in den Startlöchern. »Wir mussten also erst einmal alle Flüge stornieren.« Was folgte, waren turbulente Tage und Wochen: Zunächst stand das Telefon nicht still, weil sich aufgrund der Hilferufe von Landwirten in ganz Deutschland viele potenzielle Helfer nach Medienberichten meldeten - einige Ehrenamtliche, vor allem aber Menschen in Kurzarbeit. Für Bär war das ein tolles Zeichen der Hilfsbereitschaft, aber nur in Grenzen eine Lösung. »Wir können die Ernte nicht allein mit neuen, ungelernten Kräften stemmen«, erklärt er. Eine gewisse Produktivität müsse gegeben sein - und dafür sei ein eingespieltes Team eben die erste Wahl.

Wetterauer Erntesaison gestartet: Erntehelfer wohnen im Containerdorf

Als die Politik dann reagierte und die Einreise von Erntehelfern unter Bedingungen wieder möglich machte, hatte die Familie mit der Planung alle Hände voll zu tun. Aktuell fliegen Charterflüge für Erntehelfer an sechs deutschen Flughäfen ein, erklärt Bär. Der von Karben aus nächstgelegene sei Frankfurt-Hahn - die erste Ankunft jedoch sei wegen der extrem runtergefahrenen Verbindungen in Baden-Baden gewesen. »Also sind wir mit einem Eberwein-Bus los und haben unser Team dort abgeholt.«

Heute ist bei der gerade begonnenen Spargelernte eine gute Mischung tätig: Rund ein Dutzend Ernthelfer aus Rumänien ist bereits in das »Containerdorf« am Hof eingezogen, ein paar neue, lokale Kräfte unterstützen, gemeinsam mit studentischen Hilfskräften wie Melissa. Wenn in rund 14 Tagen die Erdbeerernte auf dem Freiland beginnt - bislang tragen allein die Pflanzen in den »Erdbeertunneln« schon saftig rote Früchte -, werden rund 20 weitere rumänische Kräfte vor Ort sein, hofft Bär.

Dabei sind auch nach der Ankunft am Hof noch allerhand Vorgaben zu bedenken: In den Wohncontainern darf nur die Hälfte der Betten belegt werden, natürlich sind auch hier die überall zu beachtenden Abstands- und Hygienemaßnahmen einzuhalten. In der Kommissionierungshalle, wo zu Hochzeiten fünf bis sechs Mitarbeiter Spargel schälen und verpacken, ist zwar ausreichend Platz dafür vorhanden - vorsichtshalber gilt jedoch schon heute eine Mundschutzpflicht. Und: Nach ihrer Ankunft müssen die Erntehelfer zunächst 14 Tage in Quarantäne, zusätzlich zu den an den Flughäfen durchgeführten Gesundheits-Checks.

Wetterauer Erntesaison gestartet: Spargelpreise sinken im Laufe der Saison

Die Kosten für die Spargelernte liegen wegen dieser neuen Vorgaben und logistischen Herausforderungen höher als sonst, erklärt Bär - dass dies aber auf den Kunden umgelegt werden muss, sehe er aktuell nicht. Die heute höheren Preise seien lediglich der Tatsache geschuldet, dass die Saison gerade erst gestartet sei, gibt er zu bedenken. Im Laufe der Spargelsaison würden diese erfahrungsgemäß wieder etwas sinken. Nicht jedoch die Nachfrage, hofft Bär:

»Unsere Stammkunden sind da und halten uns die Treue«, freut er sich. Bei vielen beobachte er gerade in Zeiten der globalen Corona-Krise auch ein neues Bewusstsein für die heimische Produktion. Just in diesem Moment kommen schon die nächsten Radfahrer auf dem Hof an.

Wetterauer Erntesaison gestartet: Verkauf auch am Stand in Dortelweil

Der Hofladen des Spargel- und Erdbeerhofs Bär ist weiter für Kunden geöffnet: montags bis freitags jeweils von 9 bis 13 und 15 bis 18.30 Uhr, samstags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 9 bis 12 Uhr. Wollen Kunden Kontaktzeiten minimieren, können sie ihre Bestellung im Vorfeld unter Telefon 0 60 34/38 83 aufgeben und dann fertig gepackt in einem Nebenraum abholen. Neu ist ein Verkaufsstand am Möbelhaus Porta, Industriestraße 2 in Dortelweil. 

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