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Investor Bruno Kling (r.) hat die alte Torpedohalle zunächst saniert und an den Kaufmann Robert Becker verpachtet. Die Restarbeiten laufen. Ab dem kommenden Jahr sollen dort Oldtimerfahrzeuge, vorwiegend von Porsche, verkauft werden.

Taunusbrunnen

Wetterau: Oldtimer-Autohaus soll kommen

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Auch wenn man es wegen des Baus der neuen Stadthäuser nicht sieht: Die Arbeiten an den historischen Gebäuden des Karbener Taunusbrunnens gehen zügig voran. Investor Bruno Kling hat die alte Torpedohalle so gut wie fertiggestellt. Verpachtet ist sie auch.

W er derzeit auf das riesige Gelände des Taunusbrunnens zwischen Brunnenstraße und Bahnlinie geht, sollte besser Gummistiefel anziehen. Denn das Gelände ist nach den vielen Niederschlägen der vergangenen beiden Wochen ausgesprochen matschig. Schon die Auffahrt zum Gelände gestaltet sich nicht ganz unproblematisch: Nachdem die Investoren die über 100 Meter langen Kanäle zwischen Straße und Pförtnerhaus saniert haben, fehlt noch eine Asphaltdecke. Wäre die jetzt gebaut worden, wäre das eine richtige Fehlinvestition geworden. Denn sowohl durch den Bau der Stadthäuser als auch die Sanierungsarbeiten an den historischen Brunnenhäusern sind auf dem Gelände jede Menge Lastwagen und Autos diverser Dienstleister unterwegs. Es herrscht Hochbetrieb auf den beiden Baustellen. Man hat sogar Mühe, einen freien Platz für das Auto zu finden. Am ehemaligen Verwaltungsgebäude klappt es. Den restlichen Weg muss man zu Fuß zurücklegen, denn das Ziel, die alte Torpedohalle, liegt am Ende des Geländes, parallel zur Bahn, kurz vor der Landesstraße.

Wetterau: Mutter Kling baute Zünder - Bald Oldtimer-Autohaus

In der Halle selber betritt man quasi wieder festen Boden. Hier sind die Arbeiten schon weit gediehen. Dort wartet Investor Bruno Kling. "Diese Halle steht nicht unter Denkmalschutz wie die meisten anderen Gebäude des Taunusbrunnens", sagt Kling. "Aber wir haben sie trotzdem saniert, weil unser Herz ein wenig an den alten Gebäuden hängt", betont er.

Schon als Kinder hätten er und sein Bruder auf dem Gelände gespielt. Und es gibt noch, wenn man so will, eine weitere Verbindung zur Familie. "Meine Mutter hat hier in dieser Halle die Zünder für die V2-Rakete zusammengebaut", sagt Bruno Kling. "Sie war damals wie viele zwangsverpflichtet worden und muste gegen Ende des Zweiten Weltkrieges hier arbeiten." In Karben ist dieses Gebäude als alte Torpedohalle bekannt. Anders als die danebenliegende dreischiffige Halle steht sie allerdings nicht in der Denkmalliste des Landes Hessen.

Dennoch haben die Brüder Kling sie saniert und sie in eine Halle mit modernem Industrielook verwandelt, wie er sagt. "Diese Halle hat Charme, und wir wollten sie deshalb erhalten." Und so ging man "in gutem Einvernehmen mit dem Denkmalamt" an die behutsame Sanierung. Die alten Holzfenster wurden gegen neue ausgetauscht, das Dach wie früher wiederhergestellt, aber komplett mit neuer Isolierung versehen. Auch die Verschalung innen in der Halle wurde originalgetreu erhalten. Die alten Holzbalken seien lediglich geölt, einige wenige ausgetauscht worden. Von den tragenden Balken in der Hallenmitte wurde der alte Putz abgeklopft. Ein neues, gegenüber dem alten breiteres Tor wurde eingebaut. Im hinteren Teil der Halle wurde ein hölzerner Parkettboden verlegt.

KarbenUnterirdisches Gangsystem

Als Bruno Kling das alles erzählt, steht Robert Becker daneben und strahlt. Denn der Kaufmann hat die 600 Quadratmeter große ehemalige Torpedohalle von Kling gepachtet. Dort will er ein Oldtimer-Autohaus eröffnen und kleine Events veranstalten. Wie er sagt, arbeite er seit 14 Jahren im Autohandelsgewerbe. Sein Handwerk habe er bei Porsche gelernt. Als der Wunsch nach Selbstständigkeit aufgekommen sei, habe er über einen gemeinsamen Freund Bruno Kling kennengelernt. "Wir waren uns auf Anhieb sympathisch", sagen beide unisono.

Da der Investor von Anfang an vorhatte, auf dem Gelände eine Art Oldtimer-Schau zu veranstalten, kam ihm Becker gerade recht. So wurde man sich einig, und Robert Becker hat die Halle für vier Jahre fest gemietet. "Ich werde dort Oldtimerfahrzeuge deutscher Marken anbieten, schwerpunktmäßig natürlich Porsche." Außerdem wolle er kleine Events durchführen, wie etwa Gin- oder Whiskey-Tasting oder kleine Weinproben, fiebert der 34-Jährige dem Beginn entgegen.

Bis es losgeht, wird es aber 2020. Kling informiert, dass die Restaurierung der Halle zu 95 Prozent beendet sei. Allerdings sei an den Außenanlagen noch einiges zu tun, damit die Zufahrten und Zugänge gewährleistet seien.

Zum Schluss zeigt Kling noch etwas, was man bei den Sanierungsarbeiten zufällig entdeckt habe. Ein unterirdisches Gangsystem. "Da habe ich komplett Licht reinlegen lassen." Was man damit machen wolle, stehe noch nicht fest. Einen Zugang hat es sowohl von der Halle aus als auch von außen. Zunächst einmal könne einen Teil der neue Pächter nutzen. "Vielleicht als Weinlager für seine Kunden", schmunzelt Kling.

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