ndm_sch_NEUBrummton_3_jw_4c
+
Das dürfte der Brummton-Erzeuger im Rendeler Umspannwerk sein, der Trafo mit dem Baujahr 1972.

Umspannwerk

Weiterhin Diskussion um Brummton

  • VonJürgen W. Niehoff
    schließen

Die Emotionen um den weithin hörbaren Brummton vom Umspannwerk in Rendeler Gemarkung werden immer größer. Die Anwohner in Karben, Schöneck und Oberdorfelden sind wütend.

D ie Äußerung eines Rendeler Anwohners: »Seien Sie froh, dass es hier auf dem Gelände ihres Umspannwerks nichts Brennbares gibt, sonst hätte es hier schon längst gebrannt« zeigt die Verzweiflung und die Ohnmacht der Bürger rund um das Umspannwerk des niederländischen Energieunternehmens Tennet. Auf Initiative des CDU-Landtagsabgeordneten Max Schad haben sich zu einem ersten Meinungsaustausch Vertreter des Unternehmens Tennets mit rund 40 Bürger, unter ihnen auch die Schönecker Bürgermeisterin Conny Rück (SPD), am Eingang des umstrittenen Umspannwerks am Rande von Rendel getroffen.

Seit Jahren wehren sich Bürger aus den umliegenden Orten Oberdorfelden, Niederdorfelden und Rendel gegen den weithin vernehmbaren Brummton, der sie Nacht für Nacht um den Schlaf bringt. »Im Sommer müssen wir mit geschlossenen Fenstern schlafen, und trotzdem ist das Brummen noch zu hören«, stellt der Oberdorfeldener Karl-Heinz Gruner genervt fest. Er hatte sich als erster, und zwar bereits am 24. Dezember 2018 an die Firmenleitung gewandt und dringend um Abhilfe gebeten. Daraufhin wurde seitens Tennets der mögliche Verursacher, ein Trafo Baujahr 1972, inspiziert und das Lüfterrad ausgetauscht, berichtet Alexander Heppding. Er ist der Betriebsleiter des Rendeler Umspannwerkes.

Lärmmessungen ohne Auffälligkeit

Im März 2019 erfolgte dann schon der erste Anruf aus dem Schönecker Rathaus mit der Bitte, auf nochmalige Überprüfung der Anlage wegen des lauten Brummtons, der immer noch zu hören war. Es folgten weitere Beschwerden von Bürgern aus dem Umkreis, doch keine führte zum gewünschten Erfolg. Erst als der Oberdorfeldener Ortsvorsteher Sascha Brey sich an den CDU-Landtagsabgeordneten Schad wandte und der auch die örtliche Presse mit ins Boot nahm, kam Bewegung in die Angelegenheit. Beim Regierungspräsidium Darmstadt erreichte Schad eine erste Schallschutzmessung. Die erfolgte am 11. Juni dieses Jahres. Aber erfolglos. »Wir waren in dieser Nacht am Werkstor, und es war mucksmäuschenstill« erinnert sich das Ehepaar Zimmermann, ebenfalls aus Oberdorfelden. Es kamen Gerüchte auf, dass Tennet in der Nacht, als die Schallschutzmessung erfolgte, den besagten Trafo abgestellt habe. Doch das bestritten die Mitarbeiter des Umspannwerkes vehement. »Es gibt ein Belastungsprotokoll, aus dem hervorgeht, dass der Trafo auch während der Messung gelaufen ist«, versucht der Mitarbeiter von Tennet Matthias Wantia die Gemüter zu beruhigen. Doch die fordern an diesem Nachmittag endlich eine greifbare Lösung. Und zwar aus gutem Grund, denn nach der erfolglosen ersten Messung im Juni setzte der Landtagsabgeordnete Schad durch, dass eine zweite durchgeführt wurde, und zwar Mitte August. »Die hat aber nur eineinhalb Stunden gedauert. Und so eine Messung ist nicht aussagekräftig«, meint eine durchaus sachverständig klingende Bürgerin. Wenn eine Messung einen Sachverhalt wirklich belegbar darstellen soll, dann muss sie über Tage, ja sogar über Monate gehen, so die Bürgerin. Auch sie fordert einen verlässlichen Lösungsvorschlag.

Zunächst versuchen die Tennet Mitarbeiter sich noch herauszureden: »Wir betreiben ja nicht nur hier in Karben ein Umspannwerk, sondern haben solche Stationen über ganz Deutschland verteilt, und es gibt nirgends solche Probleme«. Auch legen nun zwei Schallgutmessungen vor, die zu keinerlei Beanstandung geführt haben, da nur 23 Dezibel gemessen worden seien. Erlaubt seien nachts aber 35 Dezibel. Sicherlich habe der Trafo in Rendel inzwischen ein Alter erreicht, bei dem man an Erneuerung denken müsse. Doch dabei müsse man dann auch die derzeit noch laufenden Planungen berücksichtigen, die notwendig seien, weil rund um Frankfurt viele Rechenzentren geplant seien, eins davon auch in Karben, und die hätten einen enormen Energiebedarf.

Den Vorschlag aus der Bürgerschaft, den Trafo so lange doch mit einer Hülle zu versehen, wiesen die Tennet-Mitarbeiter als zu teuer (geschätzte 200 000 Euro) zurück.

Tennet-Erklärung bis Ende September

Nach langer und emotional geführter Diskussion einigte man sich darauf, dass Tennet bis Ende September der Schönecker Bürgermeisterin eine offizielle Mitteilung über die weitere Vorgehensweise zugehen lassen wird. Die Mitteilung soll Aussagen zu einem aussagekräftigen Schallgutachten genauso enthalten wie über den Austausch des Trafos und über die Möglichkeit, zwischenzeitlich eine Schallschutzvorrichtung um den alten Trafo errichten zu lassen. Dieser Vereinbarung stimmten beide Seiten nach kurzer Beratung zu.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare