An der Demonstration vorm Karbener Continental Automotiv Werk haben sich die Wetterauer SPD-Verantwortlichen beteiligt. Nun fordern sie die Landesregierung auf, sich intensiver um den Erhalt der Arbeitsplätze zu bemühen. FOTOS: PRIVAT
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An der Demonstration vorm Karbener Continental Automotiv Werk haben sich die Wetterauer SPD-Verantwortlichen beteiligt. Nun fordern sie die Landesregierung auf, sich intensiver um den Erhalt der Arbeitsplätze zu bemühen. FOTOS: PRIVAT

Drohende Werkschließung

Weitere Unterstützung für Conti

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Der Zuspruch für die Mitarbeiter, des von der Schließung bedrohten Continental Automotive Werks wächst. Die evangelische Kirche verabschiedet eine Resolution. Die SPD kritisiert die Landesregierung.

Karben(pm). Die Synode des evangelischen Dekanats Wetterau hat einstimmig eine Resolution beschlossen und sichert Unterstützung und Solidarität im Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze zu. Und auch die Wetterauer SPD bekundet Solidarität mit den Conti-Beschäftigten.

Vor zwei Wochen hat die Continental Konzernleitung bekannt gegeben, dass massiv Stellen abgebaut werden sollen. Der Standort von Karben mit rund 1100 Arbeitsplätzen ist davon betroffen. Bis 2024 solle das Werk, in dem Fahrerassistenz-Systeme für die Autoindustrie gefertigt werden, geschlossen werden.

Das sei eine bittere Nachricht für alle Beschäftigten und die Stadt, heißt es in einer Mitteilung des Dekanats. Die evangelische Kirche fordert das Management des Continental-Konzerns auf, die radikale Entscheidung zu überdenken und gemeinsam mit den Beschäftigten eine Lösung für den Erhalt der Karbener Arbeitsplätze zu erarbeiten. Alle Synodalen stimmten geschlossen für die Resolution. "Ein starkes Zeichen aus der Wetterau", sagte der Karbener Pfarrer Eckart Dautenheimer.

Nach Aussagen des Betriebsrats sei das Werk im Hinblick auf eine Digitalisierung modern aufgestellt und in der Lage Produkte für andere Branchen zu fertigen. Das Werk gelte innerhalb des Continental-Konzerns als gewinnbringend. In der Vergangenheit haben die Beschäftigten zur Standortsicherung bereits einen Lohnverzicht geübt.

Beschäftigte haben schon verzichtet

"Der Verdacht liegt nahe, dass die gegenwärtige Krise in der Automobilindustrie von der Konzernleitung genutzt wird, um einen profitablen Firmenzweig nach Osteuropa zu verlegen, und so noch höhere Profite zu erreichen", sagt Wolfgang Dittrich, Referent für gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat, der den Antrag eingebracht hatte. "Zu Recht ist das Entsetzen bei den Beschäftigten und deren Familien über die radikale Entscheidung des Managements groß", sagt er weiter. "Die Beschäftigten sehen sich in ihrer Existenz bedroht, obwohl sie Verzicht geübt und gute Arbeit geleistet haben, ohne dass sie die Chance erhalten, sich mit Ideen und Konzepten einbringen zu können."

Neben den Beschäftigten und deren Familien sei auch die Stadt Karben von der Entscheidung der Konzernleitung betroffen. "Die Konzernleitung hat auch gegenüber der Stadt eine soziale Verantwortung, der sie mit ihrer Entscheidung nicht gerecht wird, wenn sie einen gut aufgestellten Standort wie das Werk in Karben schließt."

Die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Krise der Wirtschaft bringe viele Unternehmen in Schwierigkeiten, staatlicherseits werde viel getan, um die Firmen beim Erhalt von Arbeitsplätzen zu unterstützen.

"Es ist umso kritischer zu sehen, wenn ein großer Konzern nicht alle Chancen nutzt, um gut aufgestellte Standorte und Arbeitsplätze mit kreativen Ideen zu sichern und anscheinend nicht gewillt ist, gemeinsam mit den Beschäftigten nach Lösungen zu suchen", sagt Dittrich. "Gerade jetzt sind alle gesellschaftlichen Kräfte aufgerufen, alles zu tun um Arbeitsplätze und damit Existenzen zu sichern."

Die Wetterauer SPD kritisiert unterdessen die schwarz-grüne Landesregierung, sich nicht genug um den Erhalt der Arbeitsplätze zu kümmern. "Enttäuschend sind die Antworten der Landesregierung auf unsere Fragen aus dem Wirtschaftsausschuss des Landtags", sagt die Wetterauer SPD-Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl. Wirtschaftsminister Al-Wazir habe sich noch nicht einmal selbst die Mühe gemacht, sich an die Konzernleitung zu wenden, ganz zu schweigen vom Ministerpräsidenten, bedauert sie.

Intelligent Umstrukturieren

Klar sei, dass der Transformationsprozess in der Automobilbranche und damit auch bei den Zulieferern zahlreiche Arbeitsplätze kosten werde, aber solchen Veränderungen dürfe man nicht mit radikalen Maßnahmen, wie etwa Werksschließungen und drastischem Arbeitsplatzabbau begegnen. Um einen wirklichen Weg in die Zukunft aufzuzeigen, seien intelligente Umstrukturierungen, gezielte Weiterbildungen, sozialplanbegleitende Vorruhestands- und ähnliche Regelungen notwendig und zielführend, argumentiert die SPD.

Vor allem aber, müssten die Angestellten in den Prozess eingebunden werden und nicht an ihnen vorbei entschieden werden.

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