Gemeinsam setzen sich (von links) Bettina Müller, Frank Grommeck, Natalie Pawlik, Stefan Neugebauer und Lisa Gnad für den Erhalt der Conti-Arbeitsplätze ein. FOTO: PRIVAT
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Gemeinsam setzen sich (von links) Bettina Müller, Frank Grommeck, Natalie Pawlik, Stefan Neugebauer und Lisa Gnad für den Erhalt der Conti-Arbeitsplätze ein. FOTO: PRIVAT

Weiter Druck aufs Conti-Management

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Karben(pm). Die Schließung des Continental-AutomotiveWerks in Karben führt zu weiterem Protest und Solidaritätsbekundungen. Kürzlich trafen sich die SPD-Politikerinnen Lisa Gnadl, Bettina Müller und Natalie Pawlik mit Betriebsratsvorsitzendem Frank Grommeck und seinem Stellvertreter Stefan Neugebauer. Unterdessen haben katholische und evangelische Kirchen zu einer regional übergreifenden Zusammenarbeit eine "Rote Karte" entworfen. Sie ist an den Aufsichtsrat und das Management von Continental gerichtet. Die Roten Karten werden verteilt, um gegen den rücksichtslosen Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen, den mangelnden Respekt gegenüber den Beschäftigten und das unverantwortliche Profitstreben des Konzerns zu protestieren, heißt es in einer Mitteilung der Kirchen

Verantwortlich für die Aktion zeichnen sich auch das Aktionsbündnis in Babenhausen sowie die Kirchen im Vorderern Odenwald und Dieburg sowie die Katholische Betriebsseelsorge Südhessen. Auch im Werk Babenhausen plant der Konzern Stellen abzubauen.

Die Rote Karte werde in hoher Auflage gedruckt, um damit vielen Menschen die Chance zu geben, sich an der Kritik der Schließungsentscheidung zu beteiligen. Adressiert ist die Rote Karte an den geschäftsführenden Vorstand der Continental A. "Wir wollen mit der ›Roten Karte‹ den Protest gegen den radikalen Abbau von Arbeitsplätzen, deren Verlagerung in Billig-lohn-Länder und die Schließung modernster, profitabler Werke direkt in die Konzernzentrale senden", sagt Wolfgang Dittrich, Referent im Dekanat Wetterau.

"Das Vorgehen des Conti-Managements ist hochgradig unsozial und verantwortungslos. Es missachtet Arbeitnehmerrecht und vereitelt, dass in der Krisenzeit staatlicherseits vieles getan wird, um Arbeitsplätze zu sichern", ergänzt Richard Kunkel von der Katholischen Betriebsseelsorge Oberhessen. Die Karten gibt es in jeder Kirchengemeinde oder unter www.wetterau-evangelisch.de.

Ziel des Gesprächs der SPD-Vertreterinnen mit dem Betriebsrat sei es gewesen, sich über die aktuelle Situation im Unternehmen, die Beschäftigungssicherung und die Gestaltung der Übergangsphase in Karben auszutauschen, heißt es in einer Mitteilung der Wetterauer SPD-Vorsitzenden Lisa Gnadl.

Kritik an radikaler Entscheidung

"Wir Sozialdemokraten haben kein Verständnis für die radikale Entscheidung der Continental-Konzernleitung, das Automotive-Werk in Karben zu schließen. Die Mitarbeiter haben unsere volle Solidarität", sagt sie.

Für die Mitarbeiter sei die Entscheidung ein "Schlag ins Gesicht", fasste der Betriebsratsvorsitzende Frank Grommeck die Stimmung im Werk zusammen. "Die Konzernleitung hat die Leistung der Angestellten, die erst vergangenes Jahr mehrfach ausgezeichnet wurde, völlig ignoriert. Es wurde nicht einmal versucht, gemeinsam nach alternativen Zukunftskonzepten zu suchen", beklagt Grommeck. "Als Betriebsrat werden wir die Werkschließung nicht tatenlos akzeptieren, sowohl die ökonomischen als auch die sozialen Argumente sprechen für uns."

Während die bisherigen Entscheidungen fast ohne Einbindung der Belegschaft getroffen worden seien, befinde sich der Betrieb derzeit im Zustand der Betriebsänderung. Nach dem deutschen Betriebsverfassungsgesetz beschreibt dieser Zustand einen schwerwiegenden Eingriff der Unternehmensführung, in die Betriebsabläufe und den Betriebsbestand. Für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erwüchsen daraus zahlreiche Mitbestimmungsrechte durch den Betriebsrat. Diese Rechte will der Betriebsrat in Karben nutzen.

"Wir als SPD arbeiten in der Bundesregierung auf Hochtouren, um die Auswirkungen der Krise abzudämpfen und die Wirtschaft zu stabilisieren", sagt Bundestagsabgeordnete Bettina Müller. Der Staat übernehme derzeit viel Verantwortung durch Hilfsprogramme und das ausgedehnte Kurzarbeitergeld. "Es ist unverständlich, wie ein traditioneller Konzern wie Continental, der auch hohe Förderung und umfangreiche Unterstützung seitens des Bundes in den vergangenen Jahrzehnten erhalten hat, so vorgehen kann und die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft mit Füßen tritt."

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