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Anne Bär und ihr Schwiegervater Hans-Christian Bär zeigen an einem Beispiel das unterschiedliche Wachstum des Spargels in der Erde.

Spargel in Burg-Gräfenrode

Weißes Gold hat Verspätung

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Spargelfreunde müssen sich in diesem Jahr etwas länger gedulden. Große Mengen des beliebten Gemüses befinden sich nämlich noch immer im Boden und nicht auf dem Teller.

Wegen der relativ niedrigen Temperaturen sind auch die Spargelfelder der Familie Bär bei Burg-Gräfenrode noch mit Planen abgedeckt. Allerdings haben die bereits um Ostern angereisten Erntehelfer aus Rumänien stellenweise mit dem Spargelstechen begonnen. Der Hofladen ist am Dienstag »offiziell« in die Saison gestartet.

Anne Bär, die den Verkauf der selbst erzeugten Produkte und anderer Spezialitäten organisiert, weiß um die bestehende Nachfrage. »Immerhin sind wir in diesem Jahr etwa zehn Tage später dran als im Vorjahr«, sagt sie. »Im Hofladen gibt es aber jetzt schon genügend Spargel für die Kundschaft. Unser Verkaufsstand am Möbelhaus in Dortelweil wird am Freitag öffnen.«

Keine Lieferungen an Restaurants

Direktverbraucher gehören auch für die Familie Bär zum treuesten Kundenstamm. Jedoch machen sie nur einen Teil des Umsatzes aus. Der Spargel- und Erdbeerhof in »Roggau« pflegt außerdem geschäftliche Verbindungen mit dem Lebensmittelgroßmarkt und der Gastronomie. Doch gerade Lieferungen an regionale Restaurants und Kantinen können wegen deren Schließung derzeit überhaupt nicht stattfinden. Und Rewe als Abnehmer muss noch ein bisschen warten, bis die erste Spargelcharge von den Feldern »um die Ecke« ankommt.

»Es gibt einfach noch nichts zum Liefern«, stellt Senior-Landwirt Hans-Christian Bär fest und macht dafür die noch viel zu geringe Erntemenge verantwortlich. Auf einem Feld mit grünem Spargel zeigt er das ganze Dilemma. Hier und da lugen ein paar Pflanzenköpfchen aus der Erde. »Zu diesem Zeitpunkt Ende April müssten sie wenigstens 25 Zentimeter groß sein«, erklärt Bär. »Diese Pflanzen hier sehen aber seit fünf Tagen immer gleich aus, und die Köpfe sind eher gelblich als grün. Nachts ist es einfach noch zu kalt. Die perfekte Temperatur für den Spargelwuchs beträgt zehn bis zwölf Grad in der Erde.« In diesem Zusammenhang erläutert er auch die Funktion der Abdeckfolien: Mit der schwarzen Seite nach oben würden sie bei Sonneneinstrahlung für eine Erwärmung des Erdbodens sorgen. Und der Wetterauer Lößlehmboden mit seinem natürlichen Feuchtigkeitspuffer sei für den Spargelanbau ideal.

Wenn die Ernte im Mai richtig Fahrt aufnimmt, werden die eigens aus Rumänien eingeflogenen Hilfskräfte täglich wieder acht Stunden auf dem Feld arbeiten. Zu den jetzt zwölf Personen stoßen dann weitere auf Abruf hinzu. Die Spargelsaison dauert traditionell bis zum Johannistag (24. Juni). Parallel dazu beginnt in etwa zwei Wochen die Erdbeerpflückzeit, bei der die Familie Bär ebenfalls auf Stammkräfte zurückgreift.

Im vergangenen Jahr hatte es wegen der Grenzschließungen erhebliche Schwierigkeiten bei der Einreise nach Deutschland gegeben. Die kurzfristig für sie eingesprungenen Helfer aus dem Inland - Studenten und Kurzarbeiter - stießen bei der Arbeit oft an Grenzen. Die Bärs wissen sehr genau, dass Spargelstechen ein Knochenjob ist. Deswegen versuchen sie für die Rumänen ein gutes Arbeitsklima zu schaffen. Anne Bär erzählt von einer rumänischen Köchin, die man eingestellt habe, um für ihre Landsleute heimatliche Gerichte zuzubereiten. Wichtig sei, dass die Menschen in der jetzigen Situation in ihren Wohncontainern unter sich blieben. Dafür bekämen sie alles Gewünschte direkt an die Tür geliefert. Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen hätten oberste Priorität. »Wir kümmern uns auch darum, dass sie einmal wöchentlich einen Corona-Test machen können«, fügt die Junior-Chefin hinzu.

Auch im Verkauf setzen die Bärs auf das gleiche Team wie im Vorjahr. Dort sind vornehmlich Schülerinnen beschäftigt, die bei der Kundschaft mit Freundlichkeit und Kompetenz punkten können. »Das bringt uns allen einen Mehrwert«, finden die Bärs.

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