Nächtliche Ruhestörung: Auf der Suche nach Fressen schmeißen Waschbären gerne mal Mülltonnen um und plündern Obstbäume. SYMBOLFOTO: DPA
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Nächtliche Ruhestörung: Auf der Suche nach Fressen schmeißen Waschbären gerne mal Mülltonnen um und plündern Obstbäume. SYMBOLFOTO: DPA

Zwei Tiere in Rendel gesichtet

Waschbären in Karben auf dem Vormarsch?

  • vonGeorgia Lori
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Während sich der Waschbär (Procyon lotor) in einigen Bundesländern explosionsartig vermehrt hat, ist das Vorkommen in der Wetterau relativ gering. In Rendel wurden kürzlich zwei gesichtet.

D er Waschbär hat sein Verbreitungsgebiet deutschlandweit in sieben Jahren nahezu verdoppelt. "Ein- bis zweimal haben wir im Revier zwischen Rendel und Gronau einen Waschbären gesichtet. Allerdings ist das Vorkommen bei uns sehr gering", sagt Monika Sehle-Sohn vom Vorstand des Jagdclubs Sankt Hubertus in Bad Vilbel. Der Waschbär sei nicht sehr standorttreu, doch eine Überpopulation wie etwa in Kassel mit hohen Bestandsdichten gebe es bei uns noch nicht.

Von den beiden aktuell gesichteten Tieren in Rendel habe sie bisher noch keine Hinweise aus der Bevölkerung erhalten. Auch Förster Helmut Link hat aktuell keine Hinweise über gesichtete Waschbären erhalten, weist allerdings darauf hin, dass die Tiere in ganz Hessen weitverbreitet sind. Laut Statistik des Landesjagdverbandes in Fulda wurden im vergangenen Jahr 29 000 Waschbären geschossen. Aktuell ist Link in seiner Eigenschaft als Förster mit Schadholzproblematiken vor dem Hintergrund des Klimawandels beschäftigt und "da ist mir der Waschbär relativ egal", sagt er.

Nach der neuen Jagdverordnung, die im April 2016 in Kraft getreten ist, steht der Waschbär vom 1. März bis 31. Juli unter Schonzeit. Für viele Hausbesitzer, ist das eine Ka-tastrophe.

Sebastian Mager, Vorsitzender der Klein-Karbener Jagdgenossenschaft, weist auf ein sehr geringes Vorkommen an Waschbären in Klein-Karben hin. Er spricht von Einzeltieren, aber keinen großen Beständen.

Konträr dazu berichtet Rüdiger Weißensee, seit April Jagdpächter in Rendel und seit 25 Jahren Jagdpächter in Klein-Karben, über andere Beobachtungen. Ein Waschbär sei sehr schwer zu schießen, es müsse mit Fallenjagd gearbeitet werden. Die Fallen seien sehr kostenintensiv. Weißensee tippt, dass er mit den Fallen in Rendel 50 bis 60 Waschbären fängt. "Das Prinzip ist, dass wenn Sie einen Waschbären sehen, 100 im Revier sind", sagt Weißensee. Die Population sei zu hoch. Die Tiere vermehrten sich wie Ratten und seien nicht unter Kontrolle zu bekommen. Ein Waschbär sei zwar "ein schöner Bär", doch nur so lange, wie man sein eigenes Eigentum nicht zerstört bekomme. Um einen artgerechten, vernünftigen Bestand zu bekommen, müsse der Waschbär bejagt und artgerecht getötet werden.

Schonzeit erschwert Zurückdrängung

Jungwaschbären dürften das ganze Jahr bejagt werden und Altwaschbären ab 1. August. Im Revier fresse er die kompletten Gelege und fange sogar Küken. Auch reife Äpfel, Birnen und Pflaumen seien vor Waschbären nicht sicher. Die Population nehme beständig zu, da Waschbären keine natürlichen Fressfeinde haben. Laut Deutschem Jagdverband wurden Waschbären im Jahr 1934 zur "Bereicherung" der heimischen Tierwelt ausgesetzt und standen die folgenden 20 Jahre unter Naturschutz.

Erst Mitte des 20. Jahrhunderts geriet das Tier in Deutschland in die Kritik. Hessen nahm ihn als erstes Bundesland ins Jagdrecht auf. Seit 1990 steigt die Jagdstrecke merklich an. Bedingt durch die Schonzeit wird die Bejagung und eine Zurückdrängung der Art erschwert.

Das Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD) dokumentiert das Ausmaß der Verbreitung des Waschbären. Im Vergleich zu 2006 meldeten im Jahr 2013 fast doppelt so viele Reviere ein Vorkommen des Kleinbären. Deutschlandweit ist fast jedes zweite Revier von Waschbären besetzt, im Kerngebiet Brandenburg, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen liegt die Zahl mit 71 Prozent sogar noch deutlich höher.

Sebastian Mager ist Vorsitzender der Klein-Karbener Jagdgenossenschaft. Mit Waschbären ist er indirekt schon einmal in Kontakt gekommen. In Horden, sagt er, könnten sie zu einer echten Plage werden. Außerdem spricht Mager über die Gefahr des Tieres.

Welche Schäden richten Waschbären an?

Sie richten große Schäden bei Obstbäumen an, weil sie die Früchte leer räumen sowie Schäden in Privathaushalten. In Dachstühlen reißen sie das Dämmmaterial von den Decken und verbeißen Kabel. Der Waschbär als Allesfresser ist auch ein Räuber von Jungtieren und räumt Nester von Singvögeln aus.

Sind Waschbären für Menschen gefährlich?

Die Tiere haben zwar scharfe Zähne und Krallen, aber beim Kontakt mit Menschen flüchten sie in der Regel.

Sind Sie selbst schon einmal in Kontakt mit einem Waschbären gekommen?

Nur indirekt. Ich bin mal spätabends an Gärten in Nordhessen vorbeigefahren und habe gesehen, wie Waschbären einen Obstbaum leer geräumt hat. Das ist sehr laut. Eine Horde kann zu einer echten Plage werden. geo

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