Anton zieht Krampen aus den alten Holzpaletten heraus. Martin Sammet ist begeistert, wie gut das klappt.
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Anton zieht Krampen aus den alten Holzpaletten heraus. Martin Sammet ist begeistert, wie gut das klappt.

Kunstprojekt

Warum Paletten zu Kunst werden

  • vonAnne-Rose Dostalek
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Kunst geht ganz einfach. Das haben Jugendliche im Karbener Jukuz dieser Tage erleben können. Und weil das so ist, ist das Projekt aus Bundesmitteln gefördert worden,damit jeder teilnehmen kann.

Unübersehbar sind die fünf weißen überdimensionalen Buchstaben "JUKUZ", die auf der Wiese des Jugendkulturzentrums stehen. Ein Hauch von Hollywood umweht sie, denn sie erinnern an den berühmten Schriftzug. Gebaut haben sie Kinder und Jugendliche als Teil des fünftägigen Herbstferien-Kunstprojektes "Hollywood-Hills im Jukuz". Nur die Sitzbänke fehlen noch, aber sie sind schon in Arbeit und werden noch angebracht , damit aus den Riesen-Buchstaben Gebrauchsmöbel und Hingucker auf der Grillwiese werden.

"Am liebsten habe ich gehämmert", sagt Anton und kann sich gar nicht von dem großen Hammer trennen, den er herum schleppt. Der Zehnjährige hat aber auch mit der Kneifzange und dem Zimmermannshammer fleißig Drahtkrampen aus alten Holzpaletten gezogen. "Mindestens 50 Stück", schätzt er und zeigt, wie es geht.

Denn die gebrauchten Paletten waren das Rohmaterial, aus denen die Buchstaben gebaut wurden. Auf der Wiese schwingen Celine (9), Jasmin(8) und Melinda (10) den Pinsel, um den letzten Holzbuchstaben einen weißen Anstrich zu verpassen. Etwas Farbe haben Celines Kinn, Nase und Stirn abbekommen. "Das ist neueste Kunst für mein Gesicht", sagt das Mädchen und grinst spitzbübisch. Ihre Freundinnen lachen. Sie haben schützende Handschuhe an, aber auch Farbklekse an ihren Shirts.

Routine mit Hammer und Zange

Unter aufgestellten Zelten , die vor dem Regen schützen, sieht es nach Arbeit aus. An einer Ecke stapeln sich Holzbretter, die noch verarbeitet werden sollen. Mittendrin steht ein selbstgebauter und lila angemalter Container aus Holz, der einmal eine Mülltonne beherbergen soll. Auf den Bänken und in den Werkzeugkisten liegen Holzsägen und Hämmer, Akkuschrauber und Kneifzangen.

Alles Handwerkszeug, das eine Woche lang rege in Gebrauch war, denn die zwölf Mädchen und Jungen haben damit alte Holzpaletten auseinandergenommen und aus den Brettern etwas Neues gebaut: Ein riesiges J, ein U, ein K, noch ein U und ein Z. Die Buchstaben ergeben zusammen den Schriftzug JUKUZ in Form des bekannten Hollywood-Schriftzuges

"Es ist toll, was die Kinder geschafft haben. Zu Anfang hatte ich Sorgen, ob das Vorhaben nicht zu riesig für sie ist", sagt Teamer Jan Hartmann, der gemeinsam mit Daniela Herbst und Martin Sammet das Kunstprojekt vorbereitet und betreut hat.

Schon im Sommer hatten sie zwei Wochen lang mit Holz gearbeitet, den Kindern und Jugendlichen die grundlegenden Techniken erklärt, ihnen Sägen, Hammer und Schrauber in die Hände gedrückt. Alltagsgegenstände wie Schatzkisten, Insektenhotels oder Lampen wurden hergestellt.

Sogar kleine Möbelstücke entstanden. Jetzt in der Herbstferienwoche waren fast alle Kinder und Jugendliche wieder mit dabei plus einige Neulinge. "Alle haben mitgearbeitet, gesägt, gemalt oder gehämmert und gemerkt, was ihnen liegt und was nicht", sagt Hartmann.

Sie hätten auch erfahren, wie lange es dauern kann, etwas mit den Händen herzustellen. Auf diese Weise würden Kinder eine ganz andere Beziehung zu den Gegenständen erhalten, weil sie sie von Anfang an selber herstellten. Wichtig sei ihnen außerdem gewesen zu zeigen, dass aus gebrauchten Gegenständen wie den alten Holzpaletten etwas Neues und Schönes entstehen kann.

Ausstellung ist für November geplant

"Kunst-Upcycling" heißt der Workshop deswegen auch. Eine Ausstellung und ein Fest ist zum Abschluss des Kunstprojektes am von Freitag, 13., bis Sonntag, 15. November in der Kulturscheune geplant.

Und für alle Karbener Kinder und Jugendlichen startet am heutigen Dienstag, 13. Oktober, die 5. Kunstchallenge, bei der jede Menge fantasievolle Aufgaben zu lösen sind. Entweder gemeinsam im Jukuz mit Material, das sie dort erhalten, oder auch zu Hause. Voraussetzung, um mitmachen zu können, ist eine online Anmeldung über die Homepage des Jukuz.

Fördermittel machen’s möglich

Das Projekt "Kunst Upcycling" im Karbener Jugendkulturzentrum wird als Teil des Projekts von "Kultur macht stark - Bündnisse für Bildung" vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Es zielt auf benachteiligte Jugendliche im ländlichen Raum ab und ermöglicht ihnen eine kostenlose Teilnahme am außerschulischen Kunstprojekt. In Karben haben das Jugendkulturzentrum in Kooperation mit dem BBK Frankfurt e.V. (Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler) das Projekt organisiert. Die Teamer Jan Hartmann, Daniela Herbst und Martin Sammet der Herbstferienaktion "Hollywood Hills im Jukuz" sind bildenden Künstler , die von der Ateliergemeinschaft kunstgARTen Friedberg kommen. dos

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