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Brautkleider im Vintage-Stil sind in diesem Jahr modern. Elena Wolf präsentiert sie in ihrem Studio in Karben. Pandemiebedingt seien, was das Hochzeit feiern betrifft, sehr viele Mädchenträume geplatzt.

Heiraten in der Pandemie

Von Tränen und Träumen

  • vonChristine Fauerbach
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Hochzeiten werden abgesagt oder nur klein gefeiert, das spürt die Brautmodenbranche. Elena Wolf hat ein Brautmodenstudio in Karben. Sie berichtet von einer prekären Lage.

Karben . »Die Lage für die gesamte Hochzeits- und Eventbrache ist seit Ausbruch der Corona-Pandemie einschneidend. Hochzeitsfeiern finden in sehr kleinem Rahmen statt. Für solche Feiern mit maximal zehn Personen nimmt die Braut ihr Etuikleid aus dem Schrank oder ein sehr günstiges Modell«, erzählt Elena Wolf.

Hauptsaison für den Kauf eines Brautkleides ist im Winter. Bedingt durch Lieferzeiten für den Traum in Weiß, der je nach Modell und Hersteller bei sechs bis acht Monaten liegt, sei das so. »Der Winter war die Zeit des Lockdowns. Deshalb musste sich die Branche online neu erfinden. Wir haben Online-Modenschauen gemacht, hatten mehr als 50 000 Clicks.« Ein hochwertiges Brautkleid über »Click and Collect« zu verkaufen ist für die Inhaberin des Karbener Brautstudios schwierig. Dafür müsse sie eine Kaution verlangen.

Videotelefonat kein Ersatz für Anprobe

»Da wir jedes Modell nur in einer Größe dahaben, kann ein Videotelefonat keine Anprobe ersetzen.« Hochwertige Brautkleider sind Maßkonfektionen. Zum Glück seien Schneiderarbeiten in Hessen erlaubt. Deshalb können Bräute mit einer Begleitperson seit der zweiten Märzwoche ins Brautstudio kommen, um ihr Traumkleid anpassen zu lassen.

»Die Nachfrage ist bisher sehr verhalten, nicht vergleichbar mit einer normalen Situation«, sagt die Brautmoden-Expertin. »Im vergangenen und in diesem Jahr sind bei uns nicht nur Freudentränen geflossen, denn unter Corona-Bedingungen sind viele Mädchenträume geplatzt.« Das berühre sie sehr, da sie über Monate hin einen engen Kontakt zu ihren Kundinnen aufbaut.

Hinzukommen Exizentsorgen. »Wir müssen jedes Kleid kaufen, gehen in Vorkasse. Ich möchte kein Geld vom Staat, sondern die Möglichkeit, mein eigenes Geld zu verdienen. Man gerät unverschuldet in Not. Der Staat denkt nur an die Fixkosten fürs Geschäft«, bedauert sie. »Doch, was ist mit meinem Lebensunterhalt, meiner Miete, der Krankenversicherung und so fort«, fragt Elena Wolf. Die angespannte Lage belaste nicht nur finanziell, sondern auch psychisch allein schon durch die lange Dauer.

Elena Wolf hat das Brautstudio in Karben wenige Monate vor Beginn der Pandemie von Gitta Zaiger übernommen. »Wichtig ist, dass wir wieder ein Stück Normalität in unserem Alltag bekommen, planen können. Bisher gibt es keine klare Linie. Wir müssen alle lernen mit dem Virus zu leben«, sagt sie und deutet auf die Brautkleider in ihrem Studio.

Fließende, schlichte Kleider sind gefragt

Angesagt sind in diesem Jahr bei Brautkleidern fließende, schlichte Kleider im Boho- und Vintage-Stil. »Gefragt ist eine moderne Anmutung weniger der klassische Stil.« Beinschlitze wie auch Transparenz in der Corsage sind »in«. Bei den Schleiern reicht die Bandbreite von kurz über 7/8-Länge bis zu lang. »Schleier sind vor allem für den offiziellen Teil gefragt. Bräute bevorzugen Kleider im Boho- und Vintage-Stil, weil sie Party machen und in ihrem Traumkleid feiern wollen.«

Bei jungen Bräuten ist aber auch immer noch der Prinzessinnen-Look gefragt. Zudem greifen einige Bräute auch zu schicken Zweiteilern. Bei den Farben des Brautkleides ist eindeutiger Favorit Ivory. Neben den elfenbeinfarbenen Kleidern und Zweiteilern sind auch solche in transparent oder rosafarbenen Tönen modern. »Diese Farben bringen die Spitze besser als weiß zur Geltung.«

Um sich ihren Traum in Weiß, Ivory oder einem Plushton, in klassischem, Prinzessinnen-, Boho- oder Vintage-Stil zu verwirklichen fahren Bräute durch ganz Deutschland. »Wir haben einen richtigen Brauttourismus. Für ihr Traumbrautkleid reisen Bräute durch die ganze Republik. Müssen wir in Hessen wieder unsere Geschäfte schließen, dann verlieren wir unsere Kundinnen«, bedauert Wolf. »Die kaufen dann ihr Traumkleid in einem anderen Bundesland mit geringerer Inzidenz.«

Als noch in schwarz geheiratet wurde

Eheschließungen sind seit der Antike bekannt. Weiße Brautkleider kommen in Europa erst im 17. Jahrhundert in Mode. Eine der prominentesten Vorreiterinnen für helle Brautkleider war Maria de Medici. Sie ließ sich 1600 für ihre Hochzeit mit dem französischen König Heinrich IV ein eierschalenfarbenes Seidenkleid, das mit goldenen Ornamenten bestickt war, schneidern. Von da an wurde es im Adel üblich helle, cremefarbene beziehungs-weise weiße Brautkleider zu tragen. Erst seit den 1920er Jahren wurde das Tragen eines weißen Brautkleides auch in der Mittelschicht üblich. Vorher wurde zur Hochzeit das beste sprich feinste Kleid, meist ein schwarzes Kleid oder die typische Tracht der Region, in der geheiratet wurde, getragen. cf

Eheschließungen sind seit der Antike bekannt. Weiße Brautkleider kommen in Europa erst im 17. Jahrhundert in Mode. Eine der prominentesten Vorreiterinnen für helle Brautkleider war Maria de Medici. Sie ließ sich 1600 für ihre Hochzeit mit dem französischen König Heinrich IV ein eierschalenfarbenes Seidenkleid, das mit goldenen Ornamenten bestickt war, schneidern. Von da an wurde es im Adel üblich helle, cremefarbene beziehungs-weise weiße Brautkleider zu tragen. Erst seit den 1920er Jahren wurde das Tragen eines weißen Brautkleides auch in der Mittelschicht üblich. Vorher wurde zur Hochzeit das beste sprich feinste Kleid, meist ein schwarzes Kleid oder die typische Tracht der Region, in der geheiratet wurde, getragen. cf

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