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Froh, dass es im Literaturforum wieder weiter geht sind (von links): Barbara Metz, Karin Schrey, Almut Rose, Annette Wibowo und Rosie Cordsen-Enslin.

Von Goethe, Eremiten und Heirats-Annoncen

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Karben (pm). Das Literaturforum Karben hat am vergangenen Samstag der Corona-Zeit »ein fulminantes Sommerfest abgerungen«, wie Vorsitzender Dieter Körber schreibt. Unter einem luftigen Zeltbaldachin im Hof des »KUHtelier« in Groß-Karben sei ein reichhaltiges Programm im steten Wechsel von Literatur und swingendem Jazz geboten worden. Trotz 3-G-Regeln und zeitweisen Regens hatten sich mehr als 70 Besucher eingefunden.

Die Band »Jazz for Friends« habe ein furioses musikalisches Programm bereits eine Stunde vor dem offiziellen Beginn des Programms geboten.

Vorsitzender Körber begrüßte die Besucherinnen und Besucher und übernahm die Moderation. Er erinnerte an das elfjährige Bestehen des Vereins und stellte für 2022 zum zwölften Geburtstag eine Feier in Aussicht, wenn auch die Stadt Karben ihren 52. Geburtstag feiere.

Band »Jazz for Friends« unterhält

Die Band »Jazz for Friends« eröffnete das Programm mit »In a mellow tone«. Es folgte Hans Kärcher mit dem ersten literarischen Beitrag. Er stellte Johann Wolfgang von Goethe nicht als großen Dichter, sondern als Juristen vor. In einem Rechtsstreit Nieder-Erlenbach gegen Dortelweil hat Goethe als junger Advokat Nieder-Erlenbach vertreten. Aus den juristischen Schriftsätzen würde deutlich, »dass Goethe gut daran tat zur Dichtkunst überzuwechseln«, wie Hans Kärcher meinte Es folgte Rosie Cordsen-Enslin, sie stellte den britisch-schweizerischen Autor Alain de Botton vor und widmete sich seinem Essay über Gustav Flaubert. Die Band brachte Entspannung mit »Black Orpheus«.

Dieter Körber führte in das Leben und Sterben des außergewöhnlichen Sprachmeisters Hermann Burger ein. Barbara Metz las mit gekonntem Engagement und pointiert Burgers wundervoll skurrile Erzählung »Der Eremitenkongress«. Die Eremiten aus der gesamten Schweiz treffen sich einmal in hundert Jahren zum Kongress. Es herrscht absolutes Sprechverbot während des Kongresses. Die Eremiten bedienen sich mittels Fahnen, die gehoben und gesenkt werden, des Morsesystems. Ödön von Horváths Roman »Jugend ohne Gott« wurde in bewegender Weise von Almut Rose vorgestellt. Mit den schwungvollen Klängen von »I can’t give you« ging es in die Pause. Während dieser wurden heiße Würstchen, Frikadellen und Salate serviert. Mit »Summertime« begann der zweite Programmteil.

Heiteres von Robert Gernhardt

Körber las Martin Suters Erzählung »Weihnachten mit Winterberg«. Eine Satire auf das Bemühen einer neu eingestellten Führungskraft, unbedingt bei der betrieblichen Weihnachtsfeier eine Verbindung zum höchsten Führungskader herzustellen. Leider geht es schief, der Neuling antichambriert aus Versehen, ausgerechnet bei einem unbedeutenden Angestellten.

Das Programm wurde mit Kurt Tucholsky fortgesetzt. Die kleine Geschichte »In der Hotelhalle« beschäftigt sich mit dem Psychologieren, das in der Weimarer Republik gerade Mode geworden war. Es geht um Wertung und Bewertung. Annette Wibowo las voller Begeisterung Tucholskys Geschichtchen.

Robert Gernhardt durfte nicht fehlen. Rosi Kärcher ließ die Besucher teilhaben an ihrer Begeisterung für die heiteren Gedichte Gernhardts. Nach einer kurzen Kaffeepause las Helmut Regenfuß eindringlich Gustav Meyrinks fantastische satirische Geschichte »Der heiße Soldat«. Nach einem von Almut Rose heiter vorgetragenem Pseudo-Goethe-Gedicht gab es zum Abschluss einen Sketch von Karl Valentin. Mit Elan lasen Barbara Metz und Dieter Körber »Die Heirats-Annonce«.

Am Ende des Sommerfests dankte Körber allen Mitwirkenden, Speisen-Spenderinnen und den Besuchern. Die Akteure wurden nach dreieinhalb Stunden Programm mit reichlichem Applaus belohnt.

Dieter Körber Vorsitzender

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