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Der Radweg ist eines seiner Lieblingsprojekte: Karlfred Heidelbach an der Stelle, wo der Radweg nach Ilbenstadt beginnt.

Vom Wahlhelfer zum Ortsvorsteher

  • vonJürgen Schenk
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Im Karbener Stadtteil Burg-Gräfenrode, im Volksmund Roggau genannt, wehte schon früher ein rauer Wind. Und daran war nicht allein die exponierte Lage des Ortes schuld. Zugezogene kamen nicht immer sofort in der Dorfgemeinschaft an. Selbst der heutige Ortsvorsteher weiß ein Lied davon zu singen. Doch aus der anfänglichen Distanz entstanden bald Freundschaften.

Als gebürtiger Rendeler hatte es Karlfred Heidelbach nicht leicht. Aber der Geselligkeit halber ließ er große Barrieren erst gar nicht entstehen. Viel lieber traf er sich mit den Roggauern in der Kneipe zum Kartenspielen. »Aufpassen musste ich nur, wenn ich am Gewinnen war und dann auch noch die Klappe aufriss«, erinnert er sich und lacht. »Anfangs war ich ja noch »kaan Hiesischer« (kein Hiesiger).«

1970 war Heidelbach der Liebe wegen nach Burg-Gräfenrode gezogen. In Rendel, wo sich seine familiären Wurzeln bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen lassen, ist er 1946 zur Welt gekommen. Dort kam er als junger Wahlhelfer auch zum ersten Mal mit der Kommunalpolitik in Berührung. Sein politisches Interesse und seine Überzeugungen machten ihn im Jahr 1997 schließlich selbst zum Ortsvorsteher.

Zuvor hatte er aber einen langen Weg zu gehen, der nicht frei von Hindernissen war. Ein solches Hindernis stellte die frühere Dominanz der SPD, sowohl in Burg-Gräfenrode als auch in ganz Karben, dar. Lange Zeit hatte die CDU einen schweren Stand. Trotzdem gründete Heidelbach 1981 zusammen mit anderen Parteifreunden den CDU-Ortsverein Burg-Gräfenrode. Man darf annehmen, dass diese Aktion im Ort auf wenig Gegenliebe stieß.

Mitglied in vielen Vereinen

Es dauerte sodann noch 16 Jahre, bis die Gewichte im Ortsbeirat neu verteilt wurden. Zünglein an der Waage spielten seinerzeit die Freien Wähler. Mit deren Unterstützung konnte Karlfred Heidelbach das Amt des Ortsvorstehers übernehmen. Der Umgang der Parteien miteinander sei aber jederzeit fair gewesen, hebt er hervor..

Viele Menschen kennen den 74-Jährigen durch seine zahlreichen Vereinsmitgliedschaften. Seine große Leidenschaft gehört dem Gesangverein Heimatliebe. Seit 2006 ist er dort 1. Vorsitzender. »Eigentlich bin ich in allen Vereinen, nur nicht in der SPD«, gibt er zum Besten. Für solche Sprüche ist er jederzeit zu haben. Doch hat man immer das Gefühl, ein Augenzwinkern dabei zu erkennen.

Richtig energisch und kämpferisch wird Heidelbach bei Angelegenheiten, die ihm sehr am Herzen liegen. Ein solches Thema in der jüngeren Vergangenheit war die Oberburg. Der Verkauf des Roggauer Wahrzeichens spaltet die Einwohner bis heute. »Ich habe mich dafür eingesetzt, dass die Oberburg bei der Stadt bleibt«, macht er noch einmal deutlich. »Leider ist das etwas in meiner Amtszeit, was nicht geklappt hat.«

Dafür hat eine ganze Reihe anderer Dinge geklappt. Ein Lieblingsprojekt des Ortsvorstehers war der Bau eines Radweges nach Ilbenstadt, der vor zwei Jahren verwirklicht wurde. Im Ort selbst hat die evangelische Kindertagesstätte in der Freihofstraße ein neues Domizil gefunden. Außerdem sorgen jetzt weitere Neubauten für mehr Wohnraum; ein solches Haus steht zum Beispiel am Kaicher Weg. In der näheren Zukunft steht die Errichtung eines Feuerwehrgerätehauses auf der Agenda. »Hilf, wenn du kannst« hat sich Karlfred Heidelbach vor vielen Jahren als Lebensmotto ins Stammbuch geschrieben.

Erneut Antritt zur Wahl

Und bei den Worten allein ist es nicht geblieben. In mehr als 50 Jahren spendete er fast 90 Liter Blut für seine Mitmenschen. Dafür wurde er vom DRK ausgezeichnet. Von den älteren Leuten wird der Ortsvorsteher öfters angesprochen und um Hilfe gebeten. So entstand kürzlich die Idee eines Roggauer »Impffahrdienstes« mit ihm als persönlichen Chauffeur.

Mit dem eigenen Wagen will Heidelbach Menschen zu den Impfzentren und von dort wieder zurück nach Roggau bringen. »Einige Leute aus dem Ort haben mich gezielt darauf angesprochen, ob ich sie fahren würde. Natürlich mache ich das gern«, sagt er.

Bei den Kommunalwahlen am 14. März stellt sich Karlfred Heidelbach zur Wiederwahl. Hinter ihm stehen junge Kandidaten für den Ortsbeirat in den Startlöchern. Denen wolle er mit unter die Arme greifen. »Junge Leute haben auch Ideen«, so Heidelbach. »Es fördert die Ortsgemeinschaft, wenn sie sich mit einbringen.«

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