1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Karben

Zu viel Plastik im Kompost

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Auch in dieser Biotonne in Klein-Karben ist eine Plastiktüte (r.)
Auch in dieser Biotonne in Klein-Karben ist eine Plastiktüte (r.) © Holger Pegelow

Karben (pe). Die Klein-Karbenerin sammelt ihren Biomüll gerne in Plastiktüten. »Dann ist der Mülleimer nicht so verdreckt.« Eine Nachbarin von ihr behilft sich mit speziellen Tüten aus dem Einzelhandel. »Die verrotten dann«, erklärt sie. Doch die beiden Frauen handeln falsch, denn weder Plastiktüten noch verrottbare Tüten gehören in den Biomüll, sagen die Stadt und der Wetterauer Abfallwirtschaftsbetrieb.

Im vergangenen Jahr hatte es kreisweit eine größere Kontrolle der Bioabfälle gegeben, die aus den Städten und Gemeinden zur Kompostierungsanlage nach Ilbenstadt gefahren werden. »Wir haben erhebliche Anteile an Plastikmüll in den Biotonnen festgestellt«, sagt Betriebsleiter Dr. Jürgen Roth vom Abfallwirtschaftsbetrieb Wetterau (AWB) gegenüber der WZ. Dort hat man versucht, die für den Abfuhr des Biomülls zuständigen Städte dazu zu bringen, ihre Bürger darauf hinzuweisen, dass alle Arten von Plastik nicht in die Biotonne gehört. Das hat die Stadt jetzt getan.

Mit den Grundbesitzabgabe-Bescheiden hat die Stadt entsprechende Schreiben verschickt. Dort hat man im zuständigen Fachbereich festgestellt, »dass extrem viel Plastikmüll im Biomüll landet«. Deshalb heißt es in dem Schreiben, die Kunststoffe im Plastikabfall bereiteten Probleme. Herkömmliches Plastik genauso wie die neuen, biologisch abbaubaren Kunststoffe. »Alle müssen aufwendig aussortiert werden.« Dadurch entstünden Kosten, die die Gebühren für den Bioabfall in die Höhe treiben.

Offenbar sind die Karbener beim Biomüll recht undiszipliniert. In den Fuhren, die in Ilbenstadt in der Kompostierungsanlage ankamen, habe man bis zu 100 Plastiktüten gefunden«, hat Betriebsleiter Roth zählen lassen. Und Birgit Simon vom Abfallwirtschaftsbetrieb ergänzt: »Da war alles dabei: Einkaufstüten von Aldi und weiteren Discountern, verschimmeltes Brot in der Cellophanverpackung und auch jede Menge der neuen kompostierbaren Tüten.«

Die biete der Einzelhandel in immer größer Zahl an, hat man in der Karbener Fachabteilung erkannt. Deshalb landen sie auch vermehrt in der Biotonne.

Nachteil dieser Tüten: Laut Umweltbundesamt finde keine rechtzeitige Verrottung statt, und es gebe keinerlei Nutzen für die Umwelt. Außerdem stellte sich heraus, dass die Beutel nicht nur aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, sondern auch aus Öl und anderen fossilen Rohstoffen.

Doch die Stadt zählt in ihrem Schreiben an die Eigentümer noch Weiteres auf, was nicht in den Biomüll gehört, dort aber trotzdem hingelangt. Verkaufsschalen für Fleisch beispielsweise, aber auch Trinkbecher und mehr. Ebenso verdorbene Wurst in Folie, Joghurt mitsamt Becher und vieles mehr »verschmutzen« den Biomüll.

Bei der Kompostierung müsse der Kompost dann noch zweimal durch ein engmaschiges Sieb wandern, um frei von Kunststoffen zu sein, beschreibt man seitens der Stadt und des Abfallwirtschaftsbetriebes das Problem.

Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Wetteraukreises empfiehlt, den Bioabfall in Papiertüten zu sammeln oder die Küchenabfälle direkt in Zeitungspapier einzuwickeln. Dadurch werden Fliegen von den Bioabfällen ferngehalten und auch gegen Madenbildung vorgebeugt. Außerdem bindet das Papier die Flüssigkeiten, sodass die Biotonne nicht so stark verschmutzt. Die Stadt Karben schließt sich der Meinung des AWB an und bittet die Bürger sorgfältig darauf zu achten, was in der Biotonne landet.

Weitere Informationen zum Bioabfall und zu anderen Themen der Abfallentsorgung gibt es bei der Abfallwirtschaft Wetterau unter Telefon 0 60 31/90 66 11 oder bei der Stadt Karben 0 60 39/48 12 06.

Auch interessant

Kommentare