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Gar nicht so einfach ist der Versuch von Luca, mit der Rauschbrille auf dem Bobbycar die Hindernishütchen zu umkurven. Die Brille hat Drogenberater Lutz Illhardt (stehend) an die Schule mitgebracht.

Verkehrssicherheitstag: Ohne Drogen im Rausch

Karben (pe). Yanina versucht alles, um den Bobbycar sicher durch die rot-weißen Hütchen zu steuern, doch schon am dritten Hindernis scheitert sie. "Das könnte ein Fußgänger sein", sagt Lutz Illhardt. Einige der Schüler lachen, ganz ernst ist die Situation an diesem Morgen in der Sporthalle der Kurt-Schumacher-Schule (KSS) ja nicht.

Aber aus dem Spaß könnte leicht ernst werden. Wie schnell das gehen kann, erfahren die Schüler am eigenen Leib. Illhardt, der Drogen- und Suchtberater für Bad Vilbel und Karben, ist heute Morgen in die Schule gekommen, um die Oberstufenschüler am eigenen Leib spüren zu lassen, wie es ist, wenn sie unter Alkohol- oder Drogeneinfluss Auto fahren. "Versuchskaninchen" Yanina hat zu diesem Zweck eine sogenannte Rauschbrille aufgesetzt bekommen. Sie simuliert das Sehen unter Drogeneinfluss. Und ihr fällt es schwer, ihr kleines rotes Gefährt sicher ans Ziel zu steuern. Ihr Mitschüler Luca setzt eine Brille auf, die einen Alkoholrausch mit 1,3 Promille simuliert. Er muss ebenfalls fahren, hat genauso viel Mühe. Und Mitschülerin Ida muss mit einer 0,8-Promille-Brille versuchen, gerade auf einer Linie zu gehen, was ihr gar nicht leicht fällt. "Diese Rauschbrillen sind ganz neu und realitätsnah", betont Illhardt.

Vor die praktischen Übungen hatte er an diesem Morgen einen kleinen einführenden Vortrag über die Gefahren im Straßenverkehr gesetzt, wenn die Schüler unter Alkohol- und Drogeneinfluss fahren. Die Mädchen fragt er: "Ist das schön, wenn die Jungs betrunken sind?" Mit ernster Miene warnt Illhardt vor Wodka mit Energydrinks, die gerade bei Jugendlichen "in" sind. "Die sind echt problematisch."

In seinem letzten Drogenbericht spricht Illhardt davon, wie erschreckend der Alkoholkonsum bei Jugendlichen sei. Dort heißt es: "Die Zahl der Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen hat sich seit dem Jahr 2000 verdreifacht". Illhardt kennt die Praxis: "Die Jugendlichen wollen den Rausch", sagt er mit Blick auf die Statistik. Durchschnittlich finde der Erstkonsum von Alkohol mit 13,3 Jahren statt. Die Risikobereitschaft bei den 15- bis 16-Jährigen sei am höchsten. "Am liebsten trinken sie Wodka", weiß er. Das Trinken sei Mode, natürlich würden nicht alle abhängig, "aber da gibt es ein hohes Gefährdungspotenzial".

Genau davon spricht auch die Wetterauer Verkehrswacht, wenn sie einleitend zu diesem Verkehrssicherheitstag schreibt: "Junge Fahrer von 18 bis 25 Jahren sind beim Autofahren eine Hochrisikogruppe."

Nun darf deshalb nicht unterstellt werden, dass sich die Mehrheit der Schüler in diesem Zustand ans Steuer setzt. Mit Alkohol gebe es unter den Schülern "nur gelegentlich ein Problem", sagt der beauftragte Lehrer für Suchtprävention, Patrick Jordan. Aber er und die anderen Verantwortlichen wollen vorbeugen, schließlich haben drei Viertel der Schüler einen Führerschein. Deshalb hat Jordan diesen Verkehrssicherheitstag für junge Autofahrer an der KSS organisiert.

Die Verkehrswacht des Wetteraukreises hat dazu verschiedene Institutionen und Organisationen eingeladen. Mit von der Partie sind neben dem Drogen- und Suchtberater zum Beispiel die Verkehrswacht Hessen. In einem Überrollsimulator lernen die Schüler, wie sie sich nach einem Unfall selbst aus dem Fahrzeug retten können. Der ebenfalls mitgebrachte Gurtschlitten zeigt den Teilnehmern, wie heftig ein Aufprall bereits mit elf Stundenkilometern sein kann. In der Einheit "Fahrphysik" demonstrieren Toni Hafer und Heinz Euler, dass die Aufprallenergie bei 30 Stundenkilometern neunmal so hoch ist, wie im Gurtschlitten erlebt.

Werbung für BOB

Die Polizeibeamten Sill und Müller sind ebenfalls an die Schule gekommen, um über die Aktion BOB zu informieren. Sie verteilen den BOB-Anhänger an die Schüler, der signalisiert, dass der Fahrer des Autos kein Alkohol trinkt und dafür von vielen Gaststättenbesitzern mit einem alkoholfreien Freigetränk belohnt wird.

Breit ist das thematische Spektrum der über das Schulgelände verteilten Stationen: Auch die Notfallhilfe Wetterau ist mit von der Partie. Deren Vertreter sprechen mit den Schülern über die Traumata, die auf Unfallopfer wie Angehörige zukommen können. Ein Rechtsanwalt für Verkehrsrecht klärt über die rechtlichen Folgen beispielsweise einer Fahrerflucht auf.

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