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Prof. Peter Prinz-Grimm (r.) mit einer geologischen Karte.

Über die Ursprünge der Sprudelquellen

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Karben (pm). 25 Personen, Mitglieder der NABU Ortsgruppe Karben und Gäste, unternahmen eine geologische Exkursion in die Umgebung von Burg-Gräfenrode. Unter der Führung des Geologen Prof. Dr. Peter Prinz-Grimm wurde das Interesse vor allem auf die Landschaftsgeschichte gelenkt, aber auch auf die tertiären Kalk- und Sandsteine des direkten Untergrundes.

Das Tertiär, das dritte Erdzeitalter als Teil der Erdneuzeit, begann vor etwa 65 Millionen Jahren und endete vor etwa 2,5 Millionen Jahren, wie Dr. Hans Hansen in seiner Pressemitteilung über die Exkursion schreibt.

»Schwächezone« der Erdkruste

Die Wanderung um Burg-Gräfenrode begann am südlichen Teil des Sportplatzes. Nach dem Überqueren der Landstraße von Groß-Karben führte der Weg zunächst in südöstlicher Richtung über die Sandkaute und dann in östlicher Richtung zur Kaicher Höhe hinauf. Von hier aus hat man einen herrlichen Rundblick über die südliche Wetterau vom Taunus bis in den Vogelsberg und im Süden bis zum Spessart und dem Odenwald. Unterwegs machte Prof. Prinz-Grimm gelegentlich Halt und erklärte anhand einer geologischen Karte die Gegend. Die Landschaft zwischen den umliegenden Gebirgen ist relativ flach, durchsetzt mit einigen Hügelketten. Der Untergrund jedoch ist außerordentlich vielgestaltig. Die Wetterau gehört geologisch zu der Fortsetzung des Oberrheingrabens, einer »Schwächezone« der Erdkruste, die seit dem Tertiär einsinkt und von den Randgebirgen durch Schutt und Geröll wieder aufgefüllt wird. Unter den tertiären Sedimenten liegen ältere Sedimente aus dem Rotliegenden, einer Formation des Erdaltertums, die aber hier nicht zu Tage treten. Sie sind in Steinbrüchen (Bad Vilbel, Naumburg) aufgeschlossen und werden in Bohrungen angetroffen. Der Name Rotliegend kommt aus dem Bergbau. Aus erzführenden Schichten, dem Mansfelder Kupferschiefer, wurden Buntmetalle erschmolzen. Die unterlagernden roten Sandsteine und Konglomerate sind weitgehend erzfrei. Sie wurden von den Bergleuten das »rote, tote Liegende« genannt. Die Stränge des Rotliegenden haben zusammen mit tiefreichenden Gesteinsverwerfungen große Bedeutung für die Bäderkultur in der Wetterau. Sie ziehen sich von Bad Nauheim über Rosbach, Karben, Bad Vilbel bis Bad Homburg, alles wichtige Sprudelquellen und zum Teil Kurbäder in der Region.

Ab der Erdneuzeit gehören auch einige Basaltströme und Basaltgerölle aus dem Vogelsberg zu den Ablagerungen in der Wetterau. Im Quartär - während der Eiszeiten - decken schließlich dicke Löss-Schichten die Oberfläche ab. Diese sind für die hohe Fruchtbarkeit der Äcker in der Wetterau verantwortlich.

Das in der Oberfläche flache Hügelland in der Wetterau ist in der Vergangenheit in tieferen Schichten immer wieder durch geologische Kräfte umgestaltet worden. Durch Erdbrüche, Absenkungen, Ablagerungen, Überformungen, Erosion und Wasserläufe bildeten sich unter anderem Schichtstufen und Flussterrassen, die heute noch an der Oberfläche zu erkennen sind.

Geschichtsträchtige Friedhofsmauer

Der Rückweg führte die Exkursionsteilnehmer zunächst in Richtung des Rauwalds, in dessen Umgebung rostbraune Sandsteine die jüngeren Sedimente des Tertiärs in der Gemarkung bilden. Erst nach deren Ablagerung begann die vulkanische Aktivität des Vogelsberges vor etwa 17 Millionen Jahren. Mit Blick Richtung Ilbenstadt erkennt man die Reste eines Basaltstromes, der sich einst quer durch die Wetterau bis zum Main ergoss.

Zurück in »Roggau« ist die Natursteinmauer um den Friedhof sehenswert. Sie ist sowohl aus Sandsteinen des Rotliegenden bei der Naumburg als auch aus fossilreichen tertiären Kalksteinen errichtet, die einst östlich von Burg-Gräfenrode gebrochen wurden. Der letzte Haltepunkt westlich von Burg-Gräfenrode liegt auf einer Verebnungsfläche, die von der Ur-Nidda in der vorletzten Eiszeit als Schotterfläche hinterlassen wurde. Diese Fläche mit ihren Fluss-Kieseln kann man auf einer Höhe von 127 Metern von Ilbenstadt bis Rendel erkennen.

Die Exkursionsteilnehmer erfahren viel darüber, wie die Landschaft der Wetterau entstand.

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