Zwischen die Kundinnenplätze, die weniger als 1,50 Meter voneinander entfernt sind, stellt die Firma Satis & Fy im Klein-Karbener Friseursalon von Tanja Kißner Trennwände. Eine Unterhaltung ist dann wohl eher nicht mehr möglich.	 FOTOS: HOLGER PEGELOW
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Zwischen die Kundinnenplätze, die weniger als 1,50 Meter voneinander entfernt sind, stellt die Firma Satis & Fy im Klein-Karbener Friseursalon von Tanja Kißner Trennwände. Eine Unterhaltung ist dann wohl eher nicht mehr möglich. FOTOS: HOLGER PEGELOW

Montag Wiedereröffnung

Trennwände und Masken im Friseursalon

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Nach sechswöchiger Schließung dürfen ab Montag die Friseure wieder öffnen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Es wird sich viel ändern, etwa bei »Schönes Haar und Mehr« von Tanja Kißner in Karben.

N ein, eine Arztpraxis betreten wir nicht an diesem Donnerstag. Aber es hat den Anschein, denn im Empfangsbereich stehen zwei Frauen mit Mundschutz. Eine von ihnen ist Tanja Kißner, die Inhaberin des Friseursalons »Schönes Haar und Mehr« in Klein-Karben. »Den müssen wir jetzt immer tragen«, sagt sie und öffnet die Tür.

Wer den großen Salon in der Raiffeisenstraße betritt, muss sich zunächst die Hände desinfizieren. »Auch das gehört zum neuen Hygienekonzept, das wir umsetzen müssen«, sagt Kißner.

Hygienekonzept wird befolgt

Nach sechswöchiger, behördlich angeordneter Zwangspause, darf die Friseurmeisterin wie andere auch ihr Geschäft wieder öffnen. Die vergangenen sechs Wochen waren eine schwierige Zeit. Am 21. März musste sie in die Zwangspause gehen. Die Schließung der Friseur- und Kosmetiksalons gehörte neben vielen anderen zu den Maßnahmen, um die Corona-Pandemie einzudämmen. »Ich musste alle meine Angestellten in Kurzarbeit schicken«, blickt sie auf die Zeit zurück. Die März-Löhne habe sie noch voll bezahlt, aber für den April habe das Arbeitsamt die 60 beziehungsweise 67 Prozent übernommen. Auch die staatlichen Finanzhilfen hätten gut funktioniert, die Anträge seien »schnell durchgegangen«.

Dann war erst mal geschlossen, lediglich an zwei Stunden pro Tag war die Chefin im Laden, um zu organisieren. »Wir haben alle Kunden per E-Mail oder Telefon wegen ihrer Termine in dieser Zeit kontaktiert und ihnen mitgeteilt, dass sie einen neuen Termin erhalten, sobald wir wieder öffnen dürfen.« Ebenfalls habe sie mit ihrem Lieferanten für die Produkte, der Firma Wella, häufig in Kontakt gestanden. »Die waren sehr kooperativ und haben die offenen Rechnungen gestundet.«

Vor 14 Tagen kam dann die Nachricht, dass die Salons ab 4. Mai wieder öffnen dürfen. Konkretere Informationen zu den Bedingungen habe sie vom Zentralverband der deutschen Friseure, vom Gesundheitsamt und von der Berufsgenossenschaft erhalten, sagt Kißner. Aus den Hinweisen und Informationen habe sich ein Hygienekonzept ergeben. Es sehe beispielsweise vor, dass Kunden und Friseure ab Montag Mundschutz tragen müssten. Zudem müsse zwischen den Kunden ein Mindestabstand von 1,50 Metern hergestellt werden. »Hier habe ich vorher vier Plätze gehabt, künftig nur noch zwei«, zeigt Kißner auf eine Stuhlreihe in der Damenabteilung. Dort wie auch zwischen anderen Plätzen sind vor dem langen Wochenende noch mobile Trennwände installiert worden. Hier waren Mitarbeiter des Eventdienstleisters und Messebauers Satis & Fy tätig. »Die Trennwände habe ich dort hinbauen lassen, wo ich den Mindestabstand nicht herstellen kann.«

Weniger Plätze im Salon

Insgesamt seien nun vier Plätze weniger im Salon. »Das macht natürlich auch eine Umplanung erforderlich, denn wir können jetzt statt vorher 14 Kunden nur noch acht gleichzeitig bedienen.« Die Vorschrift der Behörden ist klar: pro 20 Quadratmeter ein Kunde. Kißner ist froh, dass sie in der Raiffeisenstraße 160 Quadratmeter zur Verfügung hat. Die fehlenden Plätze will sie mit einer regelmäßigen Montagsöffnung ausgleichen.

Neu wird auch sein, dass die Friseurinnen ihren Kunden die Haare nur noch mit Handschuhen waschen dürfen. »Das Schneiden machen wir aber ohne Handschuhe.« Eine Beratung Face-to-Face finde nicht mehr statt, »wir dürfen bei der Beratung nur noch hinter unseren Kunden stehen«. Ausfallen werden auch Kosmetikhandlungen, wie etwa Zupfen von Augenbrauen, Gesichtsmassage und vieles mehr.

Der Umhang müsse den Kunden ab dem Hals abwärts künftig komplett bedecken. »Und nachher muss jeder Platz wieder mit Seifenwasser gereinigt werden.« Einmal pro Tag müsse zudem desinfiziert werden. Auch im Empfangsbereich sind zwei Plastiktrennwände installiert worden. »Der Spuckschutz schützt unsere Mitarbeiterin an der Kasse.« So wie die Jahre zuvor wird es auch im Kassen- und Empfangsbereich nicht mehr zugehen. »Ich werde eine Mitarbeiterin fest abstellen, die nur kassiert und Termine vereinbart.« Ausfallen werden ab Montag ebenso andere, von vielen Kunden lieb gewonnene Serviceleistungen, wie etwa Kaffee und Mineralwasser servieren, und Zeitschriften dürften im Wartebereich künftig nicht mehr ausgelegt werden. »Als Ausgleich überlegen wir uns, ob wir den Kunden E-Books zur Verfügung stellen. Die lassen sich leicht wieder desinfizieren.«

Das wohlige Gefühl bei den Friseuren wird also weitgehend auf der Strecke bleiben. Die Hygienevorschriften machen vieles, was selbstverständlich war, hinfällig. Und die zusätzlichen Hygienemaßnahmen kosten Geld. Tanja Kißner hat schon einmal 1000 OP-Mundschutze gekauft. »Wir werden um eine Preisanpassung nicht herumkommen. Das werden alle Friseure so machen.«

»Mit solchen Wänden sind wir flexibel«, sagt Pejman Kahlily. Er ist Head of Fabrication beim Karbener Eventdienstleister und Messebauer Satis & Fy. Weil es aktuell weder Messen noch kulturelle Veranstaltungen gibt, bietet das Unternehmen aus der Groß-Karbener Dögelmühle einen ganz anderen Service an. Es öffnet seinen großen Mietbestand an mobilen Trennwandsystemen auch für Unternehmen, die damit für den geforderten Abstand und die Sicherheit in ihren Büroräumen sorgen können.

Im Salon von Tanja Kißner haben Kahlily und seine Kollegen Fabian Geiß und Murat Körük gerade diverse Trennwände aufgebaut. Schmalere, 50 Zentimeter breit und zwei Meter hoch, zwischen den drei Waschplätzen im Damenbereich, zwei weitere von einem Meter Breite dort, wo Haare geschnitten, gefärbt und gefönt werden.

Diese Wände, sagt Pejman Kahlily, habe seine Firma seit sieben Jahren im Bestand. Sie seien somit nachhaltig und zudem mit Folien in passenden Farben beim Kunden beklebbar. Im Klein-Karbener Friseursalon sind sie silbern überklebt.

»Wir bieten den Service in ganz Hessen an«, sagt der Ideengeber. An diesem Tag bringt Satis & Fy auch noch die passenden Aufkleber mit Salonlogo und dem Hinweis auf den Abstand auf dem Boden an. pe

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