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Testen gehört dazu: Tanja Köhn nimmt bei Feuerwehrmann Dennis Hogen vor der Übung in Burg-Gräfenrode einen Abstrich. Nur mit einem negativen Schnelltest kann der Übungsabend für die Helfer beginnen.

Corona-Pandemie

Wetterauer Feuerwehren und Corona-Regeln: „Irgendwann hat keiner mehr verstanden“

  • VonJürgen Schenk
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Der lange Corona-Lockdown hat viel verändert. Weniger Einsätze gab es für die Karbener Feuerwehren in der Wetterau aber nicht. Doch das hatte durchaus Vorteile.

Karben – Im Feuerwehrgerätehaus am Karl-Hess-Platz in Burg-Gräfenrode und an allen anderen Karbener Stützpunkten wird seit Ende Mai wieder geübt. Die Aktiven der Feuerwehren bevölkern wieder abseits von Einsätzen die Gerätehäuser. Allerdings läuft der Routinebetrieb derzeit noch eingeschränkt. Eine Dienstanweisung mit den entsprechenden Hygienemaßnahmen hatte Stadtbrandinspektor Christian Becker an die Stadtteilfeuerwehren ausgegeben.

Ganz einfach sei das Erstellen der Dienstpläne nicht gewesen, räumt er ein. Es müssten jetzt nämlich zusätzliche Punkte berücksichtigt werden, damit die Übungen Corona konform ablaufen könnten.

Karbener Feuerwehrleute vom Wetteraukreis als Testpersonal geschult

»Jede Gruppe darf höchstens aus sechs Personen plus einem Ausbilder bestehen«, erklärt Becker. »Die wichtigste Neuerung sind aber standardmäßige Corona-Tests, die vor jeder Zusammenkunft vorgenommen werden müssen«, sagt Becker. Dazu wurden vier Karbener Feuerwehrleute vom Wetteraukreis als Testpersonal geschult. Ihre Einsatzpläne mussten dann mit den Übungsterminen in den Stadtteilen abgestimmt werden. »Auf diese Weise können wir gewährleisten, dass immer jemand zum Testen vor Ort ist.«

Die benötigten Antigen-Schnelltests stellt das Land Hessen zur Verfügung. Aber auch um die Beschaffung der Schutzausrüstung zum Testen müsse sich immer jemand kümmern, erklärt der Stadtbrandinspektor.

Feuerwehr in der Wetterau übt Sichern von verunglückten Fahrzeugen

An diesem Abend wird in Burg-Gräfenrode geübt. Hier geht es um technische Hilfeleistung, speziell um das Sichern von verunglückten Fahrzeugen. Dabei geht es für die Feuerwehrmänner Andreas Schwarz, Michael Knauf und Dennis Hogen unter der Anleitung von Wehrführer Hendrik Strehl ums Entladen und Sortieren von wichtigen Utensilien aus dem Einsatzfahrzeug. Ein neuer Ablauf wird einstudiert, bei dem die Gerätschaften in drei Kategorien unterteilt auf einer Matte ausgelegt werden.

»Das bringt den Vorteil, dass bei künftigen Einsätzen nicht nur wir, sondern auch die anderen Stadtteilfeuerwehren genau wissen, wo was liegt«, erklärt Strehl den Sortierungsmodus. Anschließend trainieren die Männer noch den Umgang mit dem hydraulischen Abstützsystem »Stab-Fast«, das ebenfalls neu bei der Karbener Feuerwehr eingeführt wurde.

Unmut bei Wetterauer Feuerwehr: Warum durften Vereine trainieren, sie aber nicht?

Dass diese Form des praktischen Übens viel besser als jeder Onlinekurs ist, weiß Christian Becker natürlich nur zu gut. Zuletzt sei es bei den Einsatzkräften zum Unmut gekommen, sagt er. »Irgendwann hat keiner mehr verstanden, warum zum Beispiel Fußballvereine trainieren durften und Leute, die das Leben anderer retten, nicht. Die Motivation hat darunter nicht gelitten, alle sind sehr professionell mit der schwierigen Situation umgegangen.«

Unterm Strich scheint die Lage bei den Karbener Brandschützern noch günstig auszusehen. Und das könnte, kurioserweise, an der Häufigkeit der Einsätze liegen. Denn dadurch bleiben die Helferinnen und Helfer in der Routine. In kleineren Dörfern, wo die örtliche Feuerwehr eher selten zu Einsätzen ausrücken muss, dürfte das anders aussehen, vermutet Becker. Außerdem sei die Hälfte des aktiven Feuerwehr-Personals in Karben inzwischen mindestens einmal geimpft.

Ausgefallene Jugendarbeit ein Problem für Feuerwehr in der Wetterau

Tanja Köhn von der Freiwilligen Feuerwehr Petterweil ist eine der Feuerwehraktiven, die die Schulung beim Kreis zum Corona-Testen absolviert hat. Die Schulung habe, ähnlich wie ein Erste-Hilfe-Kurs, einen Tag gedauert. »Planmäßig teste ich jetzt entweder in Burg-Gräfenrode, Rendel oder Petterweil«, sagt sie. »Einen positiven Corona-Test hatten wir zum Glück bis jetzt noch nicht«, sagt sie. Postitive Tests müssten umgehend dem Gesundheitsamt des Wetteraukreises gemeldet werden. »Aber auch alle negativen Ergebnisse werden aufgehoben.«

Ein Problem in den zurückliegenden Monaten sei die fehlende Jugendarbeit gewesen, hat Stadtbrandinspektor Christian Becker erkannt. Nun aber hat er für alle Kinder und Jugendlichen bei der Karbener Feuerwehr eine gute Nachricht: Seit Montag können wieder Übungen stattfinden. Zum Ablauf der Schutzmaßnahmen sagt er: »Da der Nachwuchs sowieso schon in der Schule getestet wird, brauchen wir weitere Schnelltests nur noch von den Jugendwarten und Betreuern. Das übernimmt dankenswerterweise das Rote Kreuz.« jsl

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