Hier geht es los: Unternehmer Bruno Kling vor dem denkmalgeschützten Pförtnerhäuschen des Taunusbrunnens, das er ab Frühjahr nächsten Jahres sanieren möchte.
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Hier geht es los: Unternehmer Bruno Kling vor dem denkmalgeschützten Pförtnerhäuschen des Taunusbrunnens, das er ab Frühjahr nächsten Jahres sanieren möchte.

Taunusbrunnen-Areal: Pförtnerhaus wird zuerst saniert

Karben (pe). Als die Gebrüder Kling vor über zwei Jahren das riesige Areal des historischen Taunusbrunnens samt der größten teils unter Denkmalschutz stehenden Gebäude von der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft der Stadt kauften, kündigten sie ehrgeizige Ziele an.

Schon im Frühjahr/Sommer 2013 sollten die ersten Arbeiten stattfinden, doch das Projekt geriet ins Stocken. »Im Moment darf dort gar nichts passieren, weil festgestellt wurde, dass das Areal im sogenannten Außenbereich liegt.« Das sei quasi wie eine Veränderungssperre, sagen Bruno und Norbert Kling in einem Gespräch mit der WZ. Und deshalb müssen sie zunächst einmal einen Bebauungsplan aufstellen. Diese Arbeiten sollen jetzt begonnen werden; sie können ein bis zwei Jahre dauern. Doch bis die Formalitäten erledigt und durch alle Gremien sind, müssen die Eigentümer nicht warten. Mit dem Denkmalamt des Wetteraukreises, »mit denen wir in guten Gesprächen sind«, sei man überein gekommen, dass ab kommendem Frühjahr mit der Sanierung des alten Pförtnerhäuschens begonnen werde. Es soll zu einem Einfamilien-Wohnhaus umgebaut werden.

Doch auch wenn auf dem Gelände bisher nichts geschehen ist: Im Hintergrund werden fleißig Pläne gemacht. So kaufen die Brüder Kling von der Stadt noch einen Geländestreifen unterhalb des eigentlichen Taunusbrunnen-Areals. Magistrat und Stadtparlament hätten dem Kauf bereits zugestimmt, die Protokollierung des Kaufvertrages stehe unmittelbar bevor. Geplant ist auf dem rund 8900 Quadratmeter großen Areal die Errichtung von etwa acht Stadthäusern, wobei der Baustil des nahen Taunusbrunnens aufgegriffen werden soll. Das Friedberger Architekturbüro Frielinghaus hat dafür bereits erste Skizzen erstellt. Geplant sind demnach in aufgelockerter Bauweise bis zu dreigeschossige Häuser mit Eigentumswohnungen und einer Tiefgarage. »Damit das Blech unter die Erde kommt«, wie Norbert Kling betont.

»Herzensangelegenheit«

Kern der Gesamtanlage ist jedoch das eigentliche Taunusbrunnengelände. Die Sanierung sei für sie eine »Herzensangelegenheit«, wie sie mehrfach in dem Gespräch sagen. Schließlich sind die beiden gebürtigen Kloppenheimer schon als kleine Jungen dort gewesen. Ihr Vater Otto Kling hatte den damaligen Taununsbrunnen eine Zeitlang geführt.

Bis auf die alte Torpedo-Halle, in der ab 1938 zu Weltkriegszeiten die Zünder für die V2-Raketen produziert wurden, und den Anbau an das Elektrohäuschen stehen alle Gebäude unter Denkmalschutz, müssen demzufolge also erhalten, dürfen nicht abgerissen werden. »Ein Abriss und Neubau wäre kaufmännisch wesentlich günstiger«, sagt Bruno Kling später bei der Besichtigung des Geländes. Doch werde man das alte Pförtnerhäuschen erhalten, total entkernen und komplett sanieren. »In etwa einem Jahr kann dort eine Familie einziehen. Dann haben wir gleich die Kontrolle für dieses Gelände.« Immer wieder sei es nämlich zu Einbrüchen und Sachbeschädigungen gekommen, man habe einen Wachdienst mit der Kontrolle des Geländes beauftragt.

Nach dem Pförtnerhäuschen kämen dann nach und nach die anderen Gebäude dran. Dafür gebe es viele Ideen, sowohl von ihm als auch von den Architekten, sagt Bruno Kling. Zurzeit kristallisiert sich für das ehemalige Verwaltungsgebäude, das mit seiner Holzverschalung im oberen Stockwerk ein wenig an die Häuser in der Schweiz erinnert, für das Erdgeschoss eine eher gastronomische Nutzung heraus. Man wolle einen Eingangsbereich, »eine Art Plaza-Situation«, schaffen, erklären die Gebrüder Kling. Die Friedberger Architekten haben dazu bereits eine Skizze erstellt, wie es einst in diesem Bereich des Brunnen-Areals aussehen könnte. Steht man an diesem Platz und dreht sich um, schaut man heute auf das Elektrohäuschen. Das verklinkerte Quadrat steht gleichfalls unter Denkmalschutz. Bruno Kling hat die Idee, zu beiden Seiten verglaste Wohnhäuser zu errichten. »Das heutige Elektrohaus könnte als Treppenhaus umgebaut werden.«

Loftbüros in Halle?

Einiges Kopfzerbrechen dürften Eigentümern und Architekten noch das auf dem Areal stehende ehemalige Fabrikgebäude bereiten. Eine frühe Idee war, es als eine Art Veranstaltungsort zu nutzen. Er habe mit Eigentümern von solchen Einrichtungen in Frankfurt gesprochen, die ihm aber davon abgeraten hätten. Größere Veranstaltungen, die notwendig wären, um das Ganze wirtschaftlich zu betreiben, würde er nicht nach Karben holen können. »Frankfurt hat da einen ganz anderen Namen.« So habe er die Idee wieder verworfen, gesteht Bruno Kling. Möglich wären aber sogenannte Loftbüros, wo sich Wohnen und Arbeiten vereinen ließen. »Ich habe mir mittlerweile einen ganzen Stapel Bücher über Lofthäuser besorgt«, sagt er. Zunächst wolle er sich in die Materie einlesen und dann entscheiden. Man hört aus seinen Schilderungen aber heraus, dass ihm die Idee gefällt.

Grünflächen bleiben erhalten

Bleiben noch die Grünflächen: Die sollen »weitgehend erhalten« werden. Zur Bahnlinie hin auf jeden Fall, ebenso werde man das 4700 Quadratmeter große Wäldchen zum Jugendkulturzentrum hin voll erhalten. »Da werden wir nur ein wenig aufräumen«, kündigt Kling an. Auch auf dem Grundstück, das die Brüder nun von der Stadt erworben haben, um darauf die Stadthäuser zu errichten, sollen etliche Bäume stehenbleiben. Und auf die Allee, die man hinauffährt zum höher gelegenen Taunusbrunnengelände, lässt Kling sowieso nichts kommen: »Die Platanen bleiben stehen, und wir machen aus der Straße eine richtig tolle Zufahrt.«

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