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Sucht-Bericht südliche Wetterau: Alkohol nicht mehr auf Platz 1

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Jahrelang hat Alkohol die Suchtstatistik angeführt. Nun ist er von Cannabis verdrängt worden. Der Berater für Suchthilfe und Suchtprävention für Bad Vilbel und Karben hat festgestellt, dass der Cannabis-Konsum unter Jugendlichen weiter steigt.

Das junge Mädchen war erst 14 Jahre und vergnügte sich mit anderen auf dem Bad Vilbeler Markt. Dort kontrolliert Lutz Illhardt, der Drogen- und Suchtberater für die südliche Wetterau, schon seit Jahren zusammen mit der Stadtpolizei. Sie wollen Druck auf die Jugendlichen ausüben, damit sie weniger Alkohol und Drogen konsumieren. Eines Abends trafen sie auf die 14-Jährige. "Wir haben sie angesprochen, aber sie hat ganz normal geantwortet. Wir haben ihr nichts angesehen", berichtet Illhardt. Dennoch ließ man sie ins Röhrchen blasen: 1,7 Promille zeigte die Skala an. "Es war erschreckend, dass man ihr das nicht angemerkt hat." Sie habe darum gebeten, ihren Eltern nichts zu sagen. "Daran haben wir uns nicht gehalten, wir haben sehr wohl mit den Eltern gesprochen", betont Illhardt.

Kontrollen auf Volksfesten fruchten

Die Kontrollen auf Volksfesten wie dem Bad Vilbeler Markt gehören inzwischen zum Standardprogramm des Beraters. Jedes Jahr geht er zum größten Volksfest, zum Karbener Weihnachtsmarkt, zum Klein-Kärber Markt und etlichen Kerbveranstaltungen. Warum man gerade die Jugendlichen im Auge hat, erklärt Illhardt in seinem jetzt vorgelegten Jahresbericht. "Durchschnittlich findet der Erstkonsum von Alkohol mit 13,3 Jahren statt. Die Zahl der Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen hat sich seit dem Jahr 2000 verdreifacht. Die Risikobereitschaft bei den 15- und 16-Jährigen ist am größten."

Die Kontrollen scheinen indes Wirkung gezeigt zu haben. Denn im Berichtsjahr habe er keine nennenswerten Vorfälle festgestellt. Der Alkoholkonsum bei den Minderjährigen sei 2017 "nicht auffällig" gewesen. Harter Alkohol wie Wodka, sei "nur vereinzelt eingezogen" worden. Allgemein seien die Jugendschutzkontrollen von den Volksfestbesuchern positiv aufgenommen worden.

Mit Rauschbrille Auswirkungen deutlich machen

Die Kontrollen sind nur ein Teil von Illhardts Tätigkeit. Ein anderer sind die Vorträge in Schulen in Bad Vilbel und Karben. In Zusammenarbeit mit der Fachstelle Prävention an Schulen, der Verkehrswacht, der Feuerwehr, den Rettungsdiensten, Notärzten und der Polizei werde das Projekt "Alkohol und Drogen im Straßenverkehr" in Schulen erfolgreich angeboten. Die Suchtberatung informiere über die Wirkungen von Drogen und Alkohol im Straßenverkehr. Mit einigen Übungen könnten die Schüler mit Hilfe einer Rauschbrille die Auswirkungen berauschender Substanzen auf die optische Wahrnehmung testen.

"Die Hälfte meiner Arbeitszeit ist Prävention, die andere Hälfte Beratung", sagt der 60-Jährige, der gemeinsam von den beiden Städten Bad Vilbel und Karben bezahlt wird. Die rund 80 000 Euro teilen sich die Städte, der Kreis zahlt – zum Bedauern der Verantwortlichen – einen seit langem konstanten Betrag von 5000 Euro.

Mit seinen 38,5 Stunden pro Woche leistet Illhardt erhebliche Beratungsarbeit. 164 Menschen hat er 2017 beraten, davon waren 136 selbst von einer Suchtproblematik betroffen, 28 gehörten zum sozialen Umfeld. Die hauptsächlichen Probleme waren mit 35 Prozent der Alkohol und mit 48 Prozent Cannabis. Insgesamt 96 Leute hatten laut Bericht "Probleme im Zusammenhang mit dem Konsum illegaler Drogen", heißt es im Bericht. 58 Personen seien mit Alkoholproblemen beraten worden. Bereits im Jahresbericht 2016 hatte er festgestellt, dass vor allem unter Jugendlichen der Konsum von Cannabis zunehme.

Die Statistik weist auch Erfolge auf: 46 Prozent der Beratenen waren nachher abstinent, bei 35 Prozent hatte sich deren Zustand gebessert. Nur bei vier Prozent habe sich etwas verschlechtert. Bei 15 Prozent blieb der Zustand unverändert. Damit kann Illhardt eine Erfolgsquote von knapp 80 Prozent aufweisen.

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Städte wollen mehr Geld vom Kreis

Von den Verantwortlichen der Städte wird Illhardts Arbeitsbericht positiv bewertet. "Das sind sehr erfreuliche Ergebnisse", sagen Karbens Bürgermeister Guido Rahn und Vilbels Sozialdezernentin Heike Freund-Hahn. Man wisse, dass das Geld für den Suchtberater "gut angelegt" sei. Allerdings will der Karbener Bürgermeister mit dem Wetteraukreis über einen höheren Kostenanteil verhandeln. Mit Bad Vilbel sei er sich einig: "Wir wollen eine Drittelfinanzierung erreichen. Ein Drittel Bad Vilbel, ein Drittel Karben, ein Drittel der Kreis." Denn Rahn meint: "Was wir hier unten machen, ist eigentlich Aufgabe des Kreises." (pe)

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