Kranke Bäume wurden gefällt und verbrannt, damit sich die Krankheit "Feuerbrand" nicht ausbreiten kann. FOTO: PV
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Kranke Bäume wurden gefällt und verbrannt, damit sich die Krankheit "Feuerbrand" nicht ausbreiten kann. FOTO: PV

Streuobstwiesen: Pflegen und Pflanzen

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Karben(pm). "Feucht und kalt war es morgens um 8 Uhr auf der Streuobstwiese in Karben", berichtet Anke Behrens von der Interessengemeinschaft Streuobst (IG). Dick eingepackt, den wärmenden Tee griffbereit und die Arbeitsgeräte auch, hätten die Aktiven kürzlich die Arbeitseinsätze auf den Wiesen im Herbst gestartet. "Hintergrund dieses Einsatzes ist der Schutz und die Pflege der vom Verein gepachteten Streuobstwiesen rund um Karben", heißt es in der Mitteilung der IG.

20 Jahre Vernachlässigung

Die Streuobstwiesen seien in den vergangenen 20 Jahren in ihrer Pflege vernachlässigt worden. Sie seien als Ausgleichsflächen der Stadt für Neubaugebiete und andere Eingriffe in die Natur angelegt worden. "Streuobstwiesen sind immerhin das Biotop für Artenvielfalt in Deutschland nach dem Wattenmeer." Auch sei bei der Anlage der Wiesen nicht ideal gepflanzt worden. "Zum einen sind die Bäume oft zu tief und zu dicht gepflanzt", erklären die Experten der IG. "Erreichen die Bäume - grade die staatlich geförderten Hochstämme - erst einmal eine gewisse Größe, wachsen sie teilweise ineinander und nehmen sich Licht und Wasser." Auch seien damals die falschen Sorten angelegt worden. "Kommen die alten Sorten wie beispielsweise Clapp’s Liebling bei den Birnen oder der Borsdorfer bei den Äpfeln noch mit Krankheiten und Wetterkapriolen zurecht, so sind die neuen Sorten doch meistens überfordert und werden leicht krank und sterben ab", teilt die IG mit.

An der Stelle sei es Aufgabe des Menschen einzugreifen. Es gelte kranke Bäume, die beispielsweise von Feuerbrand befallen seien zu entfernen und sie auch zu vernichten. "Feuerbrand ist sehr ansteckend und breitet sich durch Wind, Regen und auch Insekten aus. Den Winter verbringen die Bakterien meistens in der erkrankten Rinde befallener Bäume und übertragen so die Krankheit", informiert Anke Behrens. Aufgabe sei es die gesunden Bäume der Streuobstwiese zu schützen.

Daher seien kürzlich auf der Streuobstwiese kranke Bäume gefällt worden, auch die Wurzeln seien ausgebaggert worden. "Denn auch Wurzeln können befallen sein." Schnittgut und Wurzeln seien sofort verbrannt worden.

Nicht jeder Baum, der abgestorben ist, sei krank. Die Aktiven hätten genau hingeschaut. "Denn auf einer Streuobstwiese hat auch ein alter toter Baum noch seine Verwendung für allerlei Insekten und Vögel."

Es seien umgehende neue Bäume gesetzt worden. "Mit ausreichend großem Pflanzloch, guter Erde, nicht zu tief, mit Stammanstrich, Verbissschutz und Pfahlanbindung", zählt die IG auf. Denn je früher gute Grundlagen gelegt würden, umso größer die Chance, dass sie gut gedeihen.

Coronabedingt fallen die regelmäßigen Treffen der IG aus. Informationen zu den Streuobst-Fachleuten gibt es per E-Mail unter: info@ig-streuobst.de.

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