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Immer mehr Störche brüten in der Wetterau - sie sorgen auch für Stromausfälle

  • VonChristine Fauerbach
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Immer mehr Weißstörche ziehen in der Wetterau ihre Jungen groß. In Gronau brüten neun Paare, von Gronau bis Burg-Gräfenrode sind es 18.

Das ist ein schöner Erfolg für alle, die sich jahrelang für den großen Wiesenvogel einsetzten. Zu ihnen gehören neben Professor Prinzinger und zahlreichen NABU- und BUND-Mitgliedern auch Privatleute wie der Gronauer Storchenvater Klaus Hermann. Störche wurden 1984 und 1994 zum »Vogel des Jahres« ernannt. »Er war damals extrem gefährdet, heute ist er es nicht mehr«, freut sich Biologie Prinzinger. Zu den Gefährdungsursachen zählten der Verlust des Lebensraumes durch Gewässerausbau, die Entwässerung von Feuchtgrünland und intensive Landwirtschaft, aber auch elektrische Freileitungen und gefährlich konstruierte Strommasten, der Verlust von geeigneten Rastgebieten entlang der Zug- routen sowie Dürre oder die Bejagung in den Überwinterungsgebieten.

In Afrika landet der Storch nicht selten im Kochtopf. Bei uns hingegen sind viele stolz und freuen sich, wenn Störche in ihrem Dorf nisten. Vogelschützer haben allein auf den Gronauer Wiesen im und rund ums Naturschutzgebiet Altensee gleichzeitig 28 Störche durch das Gras schreiten und nach Beute Ausschau halten sehen. Auf dem Speiseplan von Weißstörchen stehen Regenwürmer, Insekten, Froschlurche, Kröten, Mäuse, Ratten, junge Kaninchen, Fische, Erd- und Eidechsen, Schlangen, Aas sowie Krabben und Fische.

Störche in der Wetterau: Einige sehen Zunahme kritisch

Seltener fressen Störche Eier und Nestlinge anderer, auf dem Boden brütender Vögel wie Wiesenbrüter. Störche sind nicht auf bestimmte Nahrung spezialisiert. Sie richten sich nach dem Angebot in ihren Brutgebieten. Weißstörche benötigen täglich rund ein Siebtel ihres Körpergewichts an Nahrung, was durchschnittlich etwa 500 Gramm entspricht. Kritisch gesehen werde inzwischen von einigen Tier- und Naturschützern die Zunahme der Brutpaare in der Wetterau.

Haben Freiwillige in den letzten Jahren jeweils rund 1280 Erdkröten zwischen Gronau und rendel eingesammelt und sie in Eimern sicher zum Ablaichen beispielsweise vom Mühlgraben zum Alten See über die Straße getragen, waren es in diesem Jahr nur noch knapp 300. Es gibt Nabu-Mitglieder, die argumentierten, dass es wieder genügend Storchennester gebe und keine weiteren künstlichen Horste mehr gebraucht werden. »Der Streit geht quer durch den Nabu«, sagt Prinzinger. Er macht neben den Störchen als Ursache für den Rückgang der Erdkrötenpopulation auch die Trockenheit verantwortlich.

Weißstörche brüten von Anfang April bis Anfang August auf Hausdächern, Kaminen, Türmen, Strommasten, Bäumen sowie auf Masten mit Wagenrädern als Nestgrundlage. Bis zu 50 Paare brüten in einer Kolonie.

Störche in der Wetterau: Störche bleiben ihrem Horst treu 

Allein auf einem Strommast am Niddaradweg in Gronau in der Nähe des Gronauer Hofes haben Störche sechs Nester gebaut, von denen drei zurzeit belegt sind. »Störche bleiben ihrem Horst über Jahrzehnte treu. Sie gehören zu den wenigen Vögeln, deren Nestbau nie abgeschlossen wird, und die auch weiterbauen, wenn sie bereits brüten«, sagt Prinzinger. Dadurch sind die Kinderstuben oft meterhoch, wenn der Mensch nicht eingreift.

So wie kürzlich in Gronau, als vier Mitarbeiter der Firma »Avacon Netz« Äste von Horsten auf Hochspannungsmasten entfernten. »Zwischen dem Umspannungswerk Frankfurt-Nord und Friedberg-Dorheim stehen 138 Masten. In der letzten Aprilwoche kam es durch Störche zu vier Stromausfällen«, sagt Prinzinger. Er hat kürzlich zwei Störche obduziert, die Opfer eines Stromschlages wurden. »Ich schaue mir seinen Gesundheitszustand an, stelle die Tosdesursache wie Verbrennungen, Herschlag, sein Geschlecht und was er gefressen hat fest. Die Magensäure des Storches verdaut alles, bis auf Insektenchitin und Gras.«

Störche in der Wetterau: Immer mehr Störche bleiben im Weinter in nördlicheren Gebieten 

Vom Zugvogel zum Standvogel: Immer mehr Weißstörche ziehen im Winterhalbjahr nicht mehr nach Afrika, sondern bleiben weiter nördlich. So bleiben etwa nach Westen ziehende Weißstörche in der inzwischen nicht mehr so kalten Jahreszeit auf der Iberischen Halbinsel, wo sie auf Mülldeponien und in Reisfeldern genügend Nahrung finden. Durch die kürzere, weniger kräftezehrende Route sinkt unter anderem die Wintersterblichkeit, was eine Zunahme der Population begünstigt. »Bei uns gibt es kaum noch eine natürliche Selektion, da es an Greifvögeln fehlt«, sagt Professor Roland Prinzinger vom Karbener Nabu. 

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