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Hier ein »wilder«, grüner und bunter Naturgarten.

»Steingärten müssen nicht sein«

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Karben (pm). Schottergärten seien ein aktuelles Thema - auch bei den politischen Parteien, die sich zurzeit zur Kommunalwahl stellen. Dr. Jürgen Becker und Professor Roland Prinzinger vom NABU (Naturschutzbund) haben zu diesem Thema eine Pressemitteilung verfasst:

Sie fragen: »Sind Ihnen beim Spazierengehen schon mal die immer noch zunehmenden Schotterlandschaften in den Vorgärten aufgefallen?« Der Trend, lebendige Grünflächen in sterile Schotter- oder Betonflächen und in Metallzäune mit Steinen gefüllte Gabionenwände umzuwandeln, sei trotz vielfacher Kritik nicht gebrochen. Mit farbenfrohen, echten, das heißt pflanzenreichen, Gärten hätten solche »Gärten des Grauens« nichts zu tun. Hier dürfe »höchstens mal ein Alibi-Pflänzchen aus den toten Steinschüttungen ragen«. Zur Auflockerung diene höchstens ein zurechtgestutztes Formgehölz. Zur Not tue es auch eine Steinskulptur.

Nicht wirklich pflegeleicht

»Ob solche ökologischen Wüsten schön sind, ist eine Frage des Geschmacks. Friedhöfe zeigen sich meist lebendiger«, meinen Becker und Prinzinger. Die Schotterbeete seien nun mal besonders pflegeleicht, heiße es oft zur entschuldigenden Begründung.

Wenn eine solche Schotterfläche angelegt werde, solle ein Unkrautvlies jeglichen Aufwuchs unterdrücken. Es lasse sich aber auf Dauer nicht verhindern, dass über Laub und Samenflug organisches Material eingetragen wird. So entstehe mit der Zeit ein Nährboden für Wildkräuter, Moose und Flechten. »Die Natur will sich die Fläche zurückerobern.«

Die vermeintliche Pflegeleichtigkeit sei somit nur von kurzer Dauer. Wolle man das ursprünglich pflanzenfreie Bild erhalten, müsse man also ständig jäten oder sogar mit Herbiziden arbeiten, was dann nicht selten geschehe. Das habe aber in Wohngebieten nichts zu suchen.

Nicht umsonst würden aktuell in zunehmendem Maße flache Hochhausdächer (auch in Frankfurt) grün bepflanzt. Eine natürliche Pflanzung sei nicht nur schön, sondern spende auch Verdunstungskühle sowie Schatten im Sommer und binde Feinstaub. »Ganz zu schweigen vom ökologischen Nutzen für zahlreiche Bodenlebewesen und Bienen, Schmetterlinge oder Vögel, die auf das blühende Grün angewiesen sind. Und sehen bepflanzte Vorgärten nicht einfach auch viel schöner aus?«, fragen die beiden Naturschützer. Gott sei Dank finde man in Karben davon noch eine große Zahl. »Schauen Sie sich um und vergleichen Sie. Und scheuen Sie sich nicht, beide Gartenformen mit Kritik und Lob zu belegen! Beides hilft«, fordern Becker und Prinzinger die Karbenerinnen und Karbener auf.

In vielen Kommunen deutschlandweit hätten die Verwaltungen folgerichtig schon längst entsprechende Vorgaben in ihren Bebauungsplänen festgeschrieben. Das sei also rechtlich möglich.

Verordnung gefordert

Das betreffe auch die Berücksichtigung der versiegelten Flächen bei der Abwasserabgabe, die auch für Altbauten eingeführt werden könne. »Hoffen wir, dass die Einsicht der Politiker in diese Problematik endlich auch in entsprechenden Verordnungen ihren Niederschlag findet. Die Auslobung eines Preises für ökologisch wertvolle Gärten ist ein begrüßenswerter Anfang und belohnt Gartenbesitzer, die etwas für die Natur und die Ästhetik der Städte beitragen«, so der NABU.

Nicht zuletzt sei es nicht nachvollziehbar, dass mit großem Aufwand überall Blühstreifen angelegt werden und gleichzeitig in der Stadt Grünflächen zu Steinwüsten verkommen. Irgendwo und irgendwann ende auch das »Gestaltungsrecht« der Grundstückseigentümer.

Hier ein »pflegeleichter« Steingarten.

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