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Das ist der neue katholische Pfarrer für die Gemeinden in Karben und im benachbarten Heldenbergen. Stefan Oberst wechselt von Bingen am Rhein an die Nidda.

Nach Missbrauchsvorwürfen

Stefan Oberst wird neuer Pfarrer in Karben

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Der Pfarrer, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen ermittelt, wird nicht wieder zurückkehren: Stefan Oberst wird neuer Pfarrer.

Zu Pfingsten sind die Katholiken in Karben durch die Nachricht schockiert worden, dass gegen den beliebten Pfarrer Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen. Das Bistum Mainz hatte den 64-Jährigen daraufhin "bis zur Klärung der Vorwürfe vorläufig beurlaubt", wie es in der offiziellen Erklärung hieß.

Seitens der Staatsanwaltschaft Frankfurt heißt es auf Anfrage jetzt, dass "der Sachstand unverändert" sei. "Die Ermittlungen dauern an. Wann es zu einem Verfahrensabschluss kommen und wie dieser aussehen wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden", so Oberstaatsanwältin Nadja Niesen.

Das Bistum scheint darauf nicht mehr warten zu wollen und hat eine wichtige Personalentscheidung getroffen. Stefan Oberst werde zum 1. September mit einer 75 Prozent-Stelle als Pfarrvikar in die Pfarreien Heldenbergen "Mariä Verkündigung", Karben "St. Bonifatius" und Kloppenheim "Johannes Nepomuk" wechseln.

Korfmann wird Leiter

Leitender Pfarrer werde Thomas Korfmann, der zu seiner bisherigen Beauftragung in Heldenbergen die Pfarradministration in Karben und Kloppenheim übernehmen werde. Der Heldenberger Pfarrer Korfmann ist bereits sofort nach der Beurlaubung Schirmers mit den priesterlichen Aufgaben in den katholischen Gemeinen Karbens beauftragt worden. Offenbar hat das Bistum damit auch die Gelegenheit genutzt, die Pfarrbezirke gleich zusammenzulegen. Denn aufgrund sinkender Mitgliederzahlen soll die Zahl der Pfarrstellen reduziert werden, was nur durch eine Zusammenlegung von Kirchengemeinden funktioniert (siehe Kasten).

Stefan Oberst wechselt von Bingen am Rhein nach Karben und Heldenbergen. Wie der Seniorenbeauftragte der katholischen Gemeinden, Willi Malcharczik, sagt, würden sich Korfmann und Oberst vom Augustiner-Gymnasium in Friedberg her kennen, das beide besucht hätten.

Oberst stammt auch aus dem Rhein-Main-Gebiet. Er wurde am 27. Dezember 1976 in Frankfurt/Main geboren. Am 10. Juli 2004 ist er im Mainzer Dom zum Priester geweiht worden. Nach Kaplansstellen in Lorsch, Neckarsteinach und Hirschhorn sowie in der Pfarrgruppe "Katholische Kirche im Eisbachtal" wurde er im Jahr 2009 Pfarrer in Worms-Herrnsheim, später Leiter der Pfarrgruppe Herrnsheim/Abenheim. Seit 2015 ist Stefan Oberst Pfarrvikar in der Pfarrgruppe Bingen-Süd, informiert das Bistum auf Anfrage dieser Zeitung.

Zusammenlegung noch nicht endgültig

Aus Mainz wird allerdings betont, dass die Zusammenlegung von Karben und Heldenbergen noch nicht endgültig sei. Bischof Peter Kohlgraf habe für das Bistum Mainz einen Pastoralen Weg initiiert, "einen Weg der theologischen und strukturellen Erneuerung der Diözese". Dazu sei die Zusammenlegung ein Schritt auf diesem Weg. "Allerdings bedeutet dies noch keine Vorfestlegung auf die zukünftige neue Zuordnung, da zurzeit in den Dekanaten des Bistums Vorschläge erarbeitet werden, die bis 2021 konkret werden sollen."

Oberst tritt zum 1. September seine neue Stelle an. Er soll zu einem späteren Zeitpunkt in einem Festgottesdienst offiziell eingeführt werden.

Zahl der Pfarreien wird mehr als halbiert

Die strukturelle Veränderungen im Bistum zielen nach einer offiziellen Erklärung darauf ab, "dass die lokalen Gemeinden Orte des christlichen Lebens im Bistum Mainz bleiben". Die Pfarreien, die sich aus mehreren lokalen Gemeinden zusammensetzen, sollen in erster Linie Verwaltungseinheiten sein. Bis 2021 soll in einer ersten Phase in den Dekanaten ein Konzept erarbeitet werden. Von 2021 bis spätestens 2030 sollen in einer zweiten Phase die derzeit 134 Pastoralen Einheiten (Pfarrgruppen und Pfarreienverbünde) nach und nach zu rund 50 Pfarreien zusammengeführt werden.

Damit reagiert das Bistum auf die künftige Entwicklung: Demnach werde sich die Anzahl von Katholiken von aktuell 730 000 auf rund 650 000 reduzierten.

Die strukturelle Veränderungen im Bistum zielen nach einer offiziellen Erklärung darauf ab, "dass die lokalen Gemeinden Orte des christlichen Lebens im Bistum Mainz bleiben". Die Pfarreien, die sich aus mehreren lokalen Gemeinden zusammensetzen, sollen in erster Linie Verwaltungseinheiten sein. Bis 2021 soll in einer ersten Phase in den Dekanaten ein Konzept erarbeitet werden. Von 2021 bis spätestens 2030 sollen in einer zweiten Phase die derzeit 134 Pastoralen Einheiten (Pfarrgruppen und Pfarreienverbünde) nach und nach zu rund 50 Pfarreien zusammengeführt werden.

Damit reagiert das Bistum auf die künftige Entwicklung: Demnach werde sich die Anzahl von Katholiken von aktuell 730 000 auf rund 650 000 reduzierten. 

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