Die Feuerwehr wird bei Starkegen oft zu Hilfe gerufen, um vollgelaufene Keller auszupumpen. So geschehen in Karben am 15. September, als die Pumpen der Karbener Kläranlage ausgefallen sind und 84 Keller unter Wasser standen. (Archivfoto)
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Die Feuerwehr wird bei Starkegen oft zu Hilfe gerufen, um vollgelaufene Keller auszupumpen. So geschehen in Karben am 15. September, als die Pumpen der Karbener Kläranlage ausgefallen sind und 84 Keller unter Wasser standen. (Archivfoto)

Starkregen

Hochwasser und Starkregen: Wie gut ist Karben vorbereitet?

  • VonJürgen W. Niehoff
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Am Dienstagabend gab es im Bürgerzentrum eine Sondersitzung des Planungs- und Infrastrukturausschusses des Karbener Stadtparlaments zum Thema Hochwasserschutz und Starkregenereignisse.

Karben – Etwa 25 Liter Regenwasser pro Quadratmeter kamen am 15. September zwischen 18 und 22 Uhr über Karben nieder. Meteorologisch handelte es sich dabei sogar nicht einmal um eine außergewöhnliche Regenmenge. Dennoch reichte die Menge aus, um in den Straßen rund um den Hessenring und Am Breul Dutzende Keller volllaufen zu lassen.

Über zwei Stunden hatte sich das Regenwasser in diesem Bereich ansammeln können, weil an diesem Nachmittag auf einen Schlag alle vier Regenwasserpumpen in der Kläranlage durch Kurzschluss ausgefallen waren. Grund ist die Umstellung der Kläranlage auf Digitaltechnik. »Eine Verkettung unglücklicher Umstände«, nannte es damals der Leiter der Stadtwerke, Michael Quentin. Denn normalerweise hätten schon zwei Pumpen ausgereicht, um die Wassermengen an dem Nachmittag zu bewältigen.

Sondersitzung in Karben: Starkregen-Risikoanalyse beauftragt – Starkregen nicht vorhersehbar

Doch weder die Aussage des Stadtwerkechefs noch die Entschuldigung des Bürgermeisters reichten den politischen Parteien - sie wollten Genaueres zu möglichen Vorkehrungen oder Hochwasserkonzepten seitens der Stadt wissen. Am Dienstagabend fand eine Sondersitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Infrastruktur im Bürgerzentrum statt. Trotz der großen Aufregung direkt nach dem Ereignis in Groß- und Klein-Karben, aber auch wegen der Katastrophen an Ahr und Erft hatten außer den Ausschussmitgliedern lediglich zwölf Bürger den Weg in den großen Saal des Bürgerzentrums gefunden.

Dort klärten die zuständigen Fachbereichsleiter, Michael Quentin, Manuel Peña und Sylke Radetzky, die Anwesenden erst einmal über den Unterschied zwischen einem Hochwasserereignis und einem Starkregenereignis auf. Ein Hochwasser sei aufgrund verschiedener Meldestufen entlang der Flüsse und Bäche voraussehbar, und die entsprechenden Maßnahmen könnten frühzeitig eingeleitet werden. Anders sei es bei Starkregenereignissen. Die kämen »unangemeldet und plötzlich«.

Dazu käme, dass bei Starkregen das Wasser auch aus den Außenbereichen, also den Äckern, in das städtische Abwassersystem fließe und dieses so zeitweise überlaste. Weil dieses Problem in der Vergangenheit immer öfter aufgetaucht sei, habe man bereits entlang der Nidda Retentionsflächen geschaffen, die dem Hochwasser die Möglichkeit geben, sich auszubreiten. Außerdem sei die Deichhöhe im Innenstadtbereich zwischen dem ASB- und dem KSV-Gelände um 50 Zentimeter über der von den Behörden für ein 100-jähriges Hochwasserereignis vorgeschriebenen Höhe errichtet worden. Darüber hinaus sei im Tannenweg und Selzerbachweg in Klein-Karben eine Absetzmulde sowie Überlaufschwellen und Querdeiche errichtet worden, die verhindern sollen, dass die Wassermengen aus dem Außenbereich sofort in das städtische Kanalsystem fließen. Ebenso wurden die Gräben vertieft und dafür gesorgt, dass sie ungehindert in die Nidda ablaufen können. Dies geschah aus der Erkenntnis, dass bei dem Hochwasser 2003 der Wiesenbachgraben nicht in die Nidda ablaufen konnte und deshalb das Wohngebiet Hessenring und die TG-Turnhalle überflutet hatte.

Stadtwerke treffen Vorbereitungen in möglichen Hochwassergebieten der Wetterau

Es sind aber nicht nur unvorhergesehene Wassermassen, die den Stadtwerken Probleme bereiten, sondern auch Kanalverstopfungen durch Fremdkörper, durch Rohrbruch oder - wie im vorliegenden Fall - durch Ausfall eines oder mehrerer Pumpwerke. Doch die Stadtwerke warten laut Information an diesem Abend nicht nur ab, sondern sie bauen auch vor. So werden Bauanträge in möglichen Hochwassergebieten, die vom Land Hessen in einer gesonderten Landkarte ausgewiesen sind, entweder gar nicht mehr erteilt oder unter sehr strengen Auflagen. Auch das Kanalsystem sei danach ausgelegt, und zwar, wie vorgeschrieben, ausreichend für ein durchschnittliches Dreijahresregenereignis.

»Die Vorkehrungen für ein 50- oder 100-jähriges Hochwasserereignis sind gar nicht zahlbar und würden die Gebühren für die Verbraucher stark in die Höhe treiben«, sagte Quentin. Trotzdem habe die Stadt eine Starkregen-Risikoanalyse in Auftrag gegeben. Zudem soll statt einer »einfachen« Fließpfadkarte ein ingenieurhydrologisches Gutachten in Auftrag gegeben werden. Darüber hinaus seien aber alle Haus- und Grundstückseigentümer aufgefordert, Vorsorge für ihre Immobilien zu treffen, beispielsweise durch den Einbau einer Rückschlagklappe im Abwasserbereich, die das Zurückströmen aus dem Kanalsystem ins Haus verhindern soll.

4000 gefüllte Sandsäcke für den Notfall in Karben (Wetterau) vorbereitet

Für den Fachbereich Brand- und Katastrophenschutz wies dann Manuel Peña daraufhin, dass es im Katastrophenfall rechtzeitige Warnungen über Warn-Apps auf den Handys gebe und auch über sieben Sirenen im Stadtgebiet. Die städtische Feuerwehr sei auf jeden Fall mit 4000 gefüllten Sandsäcken, einer eigenen Sandsackfüllmaschine und diversen Pumpen bestens ausgerüstet.

Da die Ausführungen der Abteilungen der Stadtverwaltung sehr umfassend waren, gab es kaum Nachfragen seitens der Parteien. Die SPD zog deshalb auch ihren Antrag zum Hochwasserschutz zurück. Die anderen Fraktionen sahen ihre Anfragen als beantwortet an.

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