Hier liegt eine der dicken Buchen im Groß-Karbener Teil des Stadtwaldes, die gefällt werden musste. Sie war von Schädlingen durchzogen und nicht mehr standsicher. Die große Trockenheit hat auch ihr zu schaffen gemacht. 	FOTOS: HOLGER PEGELOW/ARCHIV
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Hier liegt eine der dicken Buchen im Groß-Karbener Teil des Stadtwaldes, die gefällt werden musste. Sie war von Schädlingen durchzogen und nicht mehr standsicher. Die große Trockenheit hat auch ihr zu schaffen gemacht. FOTOS: HOLGER PEGELOW/ARCHIV

Trockenheit und Schädlinge

Stadtwaldbäume trocknen aus

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Schon seit Langem ist klar, dass es im Karbener Wald massive Schäden an den Bäumen gibt. Die SPD verlangt Nachpflanzungen und einen Waldschadensbericht. Nach einem Vortrag von Forstamtsleiter Bernd Reißmann vor Stadtverordneten ist klar: Es gibt dringenden Handlungsbedarf.

W er vom Parkplatz des Trimmpfades aus die Kreisstraße nach Heldenbergen überquert und dann durch den Wald in Richtung Groß-Karben läuft und dabei ein wenig genauer hinschaut, kann schadhafte Bäume unschwer erkennen. An den Wegesrändern liegen dicke Buchen, deren Rinde aufgeplatzt ist und deren Stämme von Löchern zerfressen und Gängen durchzogen sind. Hier haben Buchenschädlinge den massiven Bäumen derart zugesetzt, dass sie gefällt werden mussten. Weiter im Innern des Waldes liegen umgefallene Fichten.

Drei SPD-Anträge zum Wald

An einigen Stellen nahe dem Trimmpfad sind gesägte Baumstämme zu größeren Haufen aufgetürmt. Das Holz sieht so aus, dass man sich unweigerlich fragt, welcher Schreiner es nehmen würde, um etwa ein Möbelstück zu zimmern.

Keine Frage, auch für den Laien ist erkennbar, dass der Wald leidet. Die trockenen Sommer und die frostfreien Winter haben ihm zugesetzt. Das war auch den Mitgliedern der SPD-Fraktion aufgefallen, sodass sie Anfang des Jahres gleich drei Anträge zum Wald formulierten. In den Februar-Sitzungen der Gremien wurde eine Entscheidung darüber vertagt, bis ein Experte des Forstamtes Nidda zunächst einmal systematisch die Probleme des Waldes geschildert haben würde. Aufgrund der Corona-Pause der Gremien vergingen einige Monate. Jetzt wurde das Thema wieder aufgegriffen. Bernd Reißmann, Leiter des Forstamtes Nidda, war nach Karben gekommen, um die Lage des Forstbezirks und des Stadtwaldes darzustellen. Dass der Karbener Wald weniger Wirtschaftswald als Erholungswald ist, lässt sich an den von ihm vorgestellten Zahlen ablesen: Betrugen die Einnahmen aus dem Holzverkauf im Jahr 2009 noch 238 000 Euro, ging dieser Wert im Jahr 2018 auf rund 71 000 Euro zurück. Den gesamten Marktwert gab er mit rund zwei Millionen Euro an.

Breiten Raum nahm in seinem Vortrag der Klimawandel und dessen Auswirkungen auf den Wald ein. Die Forstexperten gehen von einer Erderwärmung bis zum Jahr 2070 von zwei bis fünf Grad Celsius aus. Es gebe wärmere Sommer, deutlich wärmere Winter und verlängerte Vegetationszeiten. Daneben beobachte man häufigere Witterungsextreme wie Dürren, Starkregen und Stürme. Das Ganze sei schon seit Längerem spürbar. »Seemännisch ausgedrückt könnte man sagen: Das Schiff hat schon abgelegt, und wir treiben aufs stürmische Meer«, sagte Reißmann laut der Vortragsfolie.

Durch Trockenheit gestresst

Derzeit betrügen die durchschnittlichen Temperaturen zwischen 1981 und dem Jahr 2010 15,4 Grad; eine Projektion bis 2070 ergebe eine Durchschnittstemperatur von 17,3 Grad. Die Niederschlagsmenge nehme von 350 auf 311 Millimeter ab. Wichtiger noch sei, dass die im Winter fallenden Niederschläge nicht mehr die Dürre in den Sommermonaten ausgleichen könnten. Die von Reißmann vorgestellte Wasserbilanz musste erschrecken: Von aktuell minus 102 Millimeter wird sie laut Projektion auf minus 257 Millimeter steigen.

Es wird also deutlich trockener. Die Forstfachleute fassen dies in einem Wort zusammen: Trockenstressgefährdung. Diese sei bei Fichten und Buchen am höchsten. Reißmann hob besonders die sehr trockenen Jahre 2018 und 2019 hervor. »Die Schäden sind gravierend, aber die Masse des Waldes steht noch«, sagte er den Stadtverordneten.

Auch Bürgermeister Guido Rahn (CDU) wies darauf hin, dass es aufgrund der Trockenheit der Vorjahre und des Borkenkäfers »erhebliche Schäden im Baumbestand« gebe. Daher müsse Hessen Forst handeln, zumal die Stadt für eventuelle Schäden durch umstürzende Bäume verantwortlich sei. »Wir stehen mit Hessen Forst im Austausch zwecks notwendiger Nachpflanzungen, zumal dies auch jedes Jahr ein Thema im Waldwirtschaftsplan ist.«

Zudem habe die Stadt bereits fast zehn Prozent des Stadtwaldes aus der Bewirtschaftung herausgenommen. »In diesen Bereichen erfolgt kein Einschlag zur Holznutzung, sondern nur zur Wegesicherung.« Im restlichen Stadtwald halte sich Hessen Forst streng an die gesetzlichen Vorgaben, es werde grundsätzlich nachhaltig gewirtschaftet. Das bedeute: »Es wird weniger eingeschlagen als nachwächst.«

Die SPD fordert eine »klimafreundliche Forstwirtschaft«, wie sie einen ihrer Anträge überschrieben hat. Der Magistrat solle dafür sorgen, dass »eine Vermarktung jeglicher Art des Karbener Waldes ausgeschlossen wird.« Zudem sei der Trimm-Dich-Pfad in einen Zustand zu versetzen, damit er ganzjährig genutzt werden kann. Wegen der erheblichen Schäden sollte der Wald nur noch als Erholungswald genutzt werden. Zumal die Veränderungen durch den Klimawandel ebenso nicht abzuschätzen seien wie der Erfolg von Nachpflanzungen von Bäumen. Zudem soll der Magistrat beauftragt werden, mit Hessen Forst Gespräche aufzunehmen, den Waldzustand im Hinblick auf Klimaschäden zu bewerten und konkrete Maßnahmen daraus ableiten. Die SPD verlangt kürzer getaktete Kontrollen der Bäume im Stadtwald, die sowohl seitens der Stadt als auch von Hessen Forst gemeinsam geleistet werden sollen.

Schließlich soll der Magistrat prüfen, ob eine kommunale Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden Bad Vilbel, Nidderau, Rosbach und Niddatal sinnvoll sei. Begründung: »Da der städtische Wald zu klein ist, um eine eigenständige Waldbewirtschaftung zu betreiben, ist eine kommunale Zusammenarbeit anzustreben«, formuliert Fraktionschef Thomas Görlich. pe

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