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Stadt wirbt mit Präsentation um Ärzte

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Von: Holger Pegelow

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In Karben fehlen Ärzte. Das mahnt die Stadt bereits seit vielen Jahren an. Nun gibt es neue Ideen, um Mediziner anzulocken.

Wer einmal den Bedarf an Hausärzten errechnen möchte, für den hat Bürgermeister Guido Rahn eine Zahl: Demnach soll es einen Hausarztsitz für 1670 Einwohner geben. Allerdings seien noch andere Faktoren wie etwa die Altersstruktur zu berücksichtigen. Aber: Die 1670 sind zumindest ein Anhaltspunkt. Demnach müssten in der ständig wachsenden Stadt 13 Hausärzte vorhanden sein. Tatsächlich sind der Stadt sieben Hausarztpraxen bekannt, acht Hausarztsitze sind laut Kassenärztlicher Vereinigung für Karben registriert.

Das ist natürlich eine Modellrechnung, denn dass die Soll- und Ist-Zahlen so weit auseinanderliegen, hat einfache Gründe. Die KV sieht die Arztversorgung nie für eine Stadt, sondern für den Bezirk. Und der reicht von Karben bis nach Bad Nauheim und umfasst weitgehend den westlichen Wetteraukreis. Schon seit Jahren macht die Landesvertretung der Kassenärzte deutlich, dass in der Region mit 90 Arztsitzen sogar eine Überversorgung vorhanden sei. Wie also bringt man diese unterschiedlichen Rechnungen so zusammen, dass für Karben weitere Ärzte bzw. ein Hausarzt »herausspringen«?

  Arzt fehlt - Achter Kassensitz unbesetzt

Im Moment scheint man gemeinsam auf einem möglicherweise gangbaren Weg zu sein. Man habe bei der KV schon »mehrere positive Gespräche« gehabt, sagt das Karbener Stadtoberhaupt. Aufgrund des Bevölkerungswachstums, das sowohl für Karben als auch für die gesamte Region erwartet wird, »spricht nichts gegen einen Sitz für Karben«, konnte Rahn jetzt nach dem letzten Gespräch bei der KV vor wenigen Tagen im Haupt- und Finanzausschuss mitteilen. Dies gelte umso mehr, als dass viele Hausärzte in Karben nur noch bedingt neue Patienten aufnehmen. Der Verweis auf Hausärzte in Friedberg oder Bad Nauheim mag zwar theoretisch nachvollziehbar sein, aber in der Praxis sei es gerade für ältere Bürger keine adäquate Alternative.

Jetzt konzentriert sich die Diskussion offenbar darauf, den einen freien – achten – Arztsitz zu besetzen. Hierbei kommt dem sogenannten Zulassungsausschuss entscheidende Bedeutung zu. Denn es ist nicht die KV, die die Arztsitze besetzt bzw. zuweist, sondern der Zulassungsausschuss.

Laut KV arbeitet der Ausschuss autonom. Er besteht aus je drei Vertretern der Ärzte und der Krankenkassen. Gegen Entscheidungen des Ausschusses ist ein Widerspruch möglich, über den der Berufungsausschuss entscheidet. Einen solchen Fall gab es im Januar 2016, als für die Karbener Hausarztpraxis Wedekind eine Stelle beantragt, aber zunächst abgelehnt worden war. Im Vorfeld einer Sitzung des von der KV angerufenen Berufungsausschusses gab es einen Kompromiss. Die Stelle wurde über den sogenannten »Sonderbedarf« zugeschlagen. Das bedeutet, hier gibt es einen besonders hohen Bedarf zur Versorgung der Bevölkerung.

Eigenwerbung für Karben

Parallel zu den Gesprächen hat die Stadt eine Image-Präsentation erstellen lassen. Sie sei für die KV Hessen gedacht und solle die Vorzüge der Stadt herausstellen.

Denn wenn die Stadt den Hausarztsitz erhält, muss sie bei den Ärzten darum werben, sich in Karben anzusiedeln und nicht beispielsweise in Bad Nauheim oder Friedberg. Rahn kündigt an, dass die Präsentation demnächst in der Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Infrastruktur vorgestellt werde. Der Ausschuss tagt wieder am Dienstag, 2. April, um 20 Uhr.

Möglicherweise steht eine Entscheidung darüber auch bevor. KV-Sprecher Karl Roth sagt auf Anfrage dieser Zeitung, der Zulassungsausschuss werde »zeitnah« eine Entscheidung treffen. Einen konkreten Termin wollte er nicht nennen, nicht einmal die Kalenderwoche, in der die Sitzung stattfindet. Bevor der Ausschuss entscheide, werde die KV aber um eine Stellungnahme gebeten. Was da genau drinsteht, wollte Roth gleichfalls nicht verraten. Nur so viel: »Wir haben durchaus verstanden, dass es mit der hausärztlichen Versorgung in Karben nicht zum Besten steht.«

CDU fordert Facharztzentrum

Die Kommunalpolitik befasst sich schon seit Jahren mit der Hausarztsituation in Karben. Kürzlich hat sie eine Präsentation erstellen lassen, die bei den Ärzten für den Standort Karben werben soll. Viele Mediziner wüssten nicht, dass direkt hinter der Frankfurter Stadtgrenze eine Unterversorgung bestehe. »Bad Nauheim und Friedberg sind einfach bekannter«, sagt Rahn. Die KV habe wegen des Bevölkerungszuwachses den Bezirk im Frühsommer 2018 für 1,5 Arztsitze neu geöffnet. Es gelte nun, diese nach Karben zu holen.Auch die CDU hat Überlegungen angestellt und fordert, in der Stadt eine Art Facharztzentrum einzurichten. pe

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Ein guter Standort für Ärzte

Von Holger Pegelow

Unter den Ärzten gilt Bad Nauheim als non plus ultra. Ein hoher Altersdurchschnitt, viele Behandlungsbedürftige, da ist für Patientennachschub gesorgt. Zudem sind viele Kollegen in der Nähe, die Bedingungen scheinen also bestens zu sein. Eine junge Stadt wie Karben hat dagegen vom Ruf her keine Chance. Dabei herrscht auch hier kein Patientenmangel. Die Bevölkerungszahl steigt ständig, außerdem sind rund ein Viertel der Menschen 60 Jahre und älter. Die Zahl der Hochbetagten und der Senioreneinrichtungen steigt gleichfalls. Das in ganz Hessen bekannt zu machen, hat sich die Präsentation der Stadt vorgenommen. Sie preist auch die Vorzüge der Stadt. Zusammen mit den Gesprächen bei der Kassenärztlichen Vereinigung scheint sie ein Erfolg versprechender Weg zu sein, zumindest noch einen weiteren Hausarzt anlocken zu können.Es ist auch gut, dass Bürgermeister Guido Rahn in dieser Angelegenheit so beharrlich ist und den für Ärzte guten Standort Karben immer wieder ins Gespräch bringt. Das kann für die medizinische Versorgung der Bürger durchaus entscheidend sein.

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