Landschaftsgestalterin Cynthia Nebel begleitet Ralf Berster bei einem Gang über den Rosenhang, der im Mai und Juni seine Blütenpracht entfaltet. Berster hat den Rosengarten vor Jahrzehnten angelegt, noch täglich schaut er jetzt zur Saison nach "seinen" Rosen.
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Landschaftsgestalterin Cynthia Nebel begleitet Ralf Berster bei einem Gang über den Rosenhang, der im Mai und Juni seine Blütenpracht entfaltet. Berster hat den Rosengarten vor Jahrzehnten angelegt, noch täglich schaut er jetzt zur Saison nach »seinen« Rosen.

Blühende Attraktion

Stadt Karben übernimmt Pflege für Rosenhang

  • vonAnne-Rose Dostalek
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Der Karbener Rosenhang ist mehr als ein idyllisches Plätzchen. Er ist eine Attraktion. Künftig will die Stadt die Pflege übernehmen.

Dass der Rosenhang zu so einer Attraktion geworden ist, dass er sogar in dem aktuellen Garten- und Parkführer der Kulturregion RheinMain aufgenommen wurde, hat er erstens seinem Schöpfer, dem Karbener Ralf Berster (86) zu verdanken. Zweitens aber auch der Stadt Karben, die ihm 1993 das Grundstück zur Bepflanzung zur Verfügung gestellt hatte und jetzt die Pflege des Rosenhanges übernommen hat.

Bisher hat sich Rosenliebhaber Berster mehr als ein Vierteljahrhundert ehrenamtlich um das Rosenparadies mit seinen 500 bis 600 Sträuchern gekümmert. »Das war aus Altersgründen für ihn und den ehrenamtlichen Freundeskreis nicht mehr länger zu stemmen«, sagt Landschaftsgestalterin Cynthia Nebel, die nun im Auftrag der Stadt die Pflege koordiniert und gärtnerische Arbeiten beauftragt. »Die Kosten bewegen sich auf wenige Tausend Euro im Jahr, der Gegenwert ist die Erhaltung einer weitestgehend naturbelassen Fläche mit Hunderten alter Rosenarten und somit ein Gewinn für die Stadt und ihre Bürger«, sagt Bürgermeister Guido Rahn. In diesem Sinn wird Cynthia Nebel nur behutsam eingreifen, um den Charakter des Rosenhanges zu bewahren.

Rosenhang Karben: Behutsame Pflege für die Attraktion 

»Wenn man den Rosenhang sich selber überlässt, würde ein Urwald daraus werden«, erklärt sie. Jetzt übernimmt die Gartenbaufirma Schmidt die gärtnerischen Arbeiten, die Nebel beauftragt. Sie erstellt einen Pflegeplan fürs Jahr, wägt ab, wo und wann eingegriffen wird, ein Rückschnitt von Rosenbüschen erfolgen muss oder Sichtachsen freigehalten werden müssen. Wuchert ein Busch zu kräftig, müssen Zweige hochgebunden werden, damit die Nachbarrosen Luft und Licht bekommen. Die Graswege müssen gemäht oder freigeschnitten werden, damit für Besucher das Wegesystem und die Rosenschilder kenntlich bleiben.

»Die Pflege ist in guten Händen«, sagt Ralf Berster zufreiden. Nach wie vor besucht der Senior fast täglich seine Rosen. An seiner Seite ist an diesem Nachmittag Cynthia Nebel, die aufmerksam die Rosen betrachtet , fotografiert und sich notiert, wo sich ein junger Ahorn oder ein anderes Gewächs zwischen Rosenbüschen breit macht. Drei Birken habe man in diesem Jahr beseitigen müssen, weil sie wegen der Trockenheit der vergangenen Sommer eingegangen seien. Glücklich sind beide über die drei neuen Sitzbänke im Rosenhang. Mit ihren dekorativen gusseisernen Seitenteilen passen sie gut zum romantischen Flair. Sie stammen aus dem Fundus der Stadt und wurden auf Nebels Wunsch vom Bauhof überarbeitetet und im Rosenhang aufgestellt.

Rosenhang Karben: Viele Gäste im Hang auch ohne das Fest

Das für Ende Mai geplante Rosenfest - in Karben eine Institution und im Kalender der Rosenfreunde eine feste Größe - musste in diesem Jahr coronabedingt ausfallen. »Jammerschade«, seufzt Nebel, denn es sei perfekt durchgeplant gewesen. Auch ohne dieses Fest haben viele Besucher den Weg zum Rosenhang gefunden, um sich an der Blütenpracht zwischen Mitte Mai und den ersten Juniwochen zu erfreuen.

Wer das Glück hat, Ralf Berster dort zu treffen, der kann sich von ihm die eine oder andere Geschichte erzählen lassen. Gleich am Anfang des Hauptweges trifft man etwa auf die »Rosa Sancta«, die sich aus einem unscheinbaren Wildrosensproß zu einem kräftigen Busch mit einfachen weißen Blüten und intensivfarbigen gelben Staubgefäßen entwickelt hat. Die Rose hat ihren Ursprung in Äthiopien, wo sie auf koptischen Friedhöfen gefunden wurde. Die vielen Alba- und Damaszenerrosen, Gallica- und Bourbonrosen, die Centifolia- oder Portlandrosen sind Züchtungen über Jahrhunderte oder auch zufällige »Fundstücke« aus unterschiedlichen Ländern , ob nun England oder Frankreich, Italien, Deutschland oder Irland. Sie tragen oft höfische Namen, heißen nach Städten oder einem Ereignis.

Wer mit Berster durch den Rosenhang schlendert, erfährt auch die ein oder andere Geschichte, die sich hinter den Pflanzen verbirgt.

Die Visite beim rosablühenden »Raubritter« (Kordes, 1936) hebt sich Berster gerne bis zum Schluss auf und erzählt schmunzelnd, wie der Rosenbusch zu seinem Namen kam. Der bekannte Elmshorner Züchter Wilhelm Kordes hatte einst in der Nazizeit politisiert und in Geselligkeit über die »Raubritter« geschimpft. Als er deswegen vorgeladen wurde, behauptete er, er habe nur von seiner neuesten Rosenzüchtung gesprochen, die gerade in den Markt eingeführt werden. Sie trug fortan den Namen »Raubritter«.

Rosenhang Karben: Erste Rosen vor 27 Jahren gepflanzt

Der Rosenhang Karben ist zu allen Jahreszeiten frei zugänglich. Die ersten Rosensträucher pflanzte Ralf Berster vor 27 Jahren. Er legte nach und nach eine Sammlung historischer Wild-und Strauchrosen an. In Rosemarie Kärcher-Schack von der Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur fand er eine Mitstreiterin, die half, mit dem Freundeskreis Rosenhang Karben, aus dem »Geheimtipp« Rosenhang eine über Karben hinaus bekannte Attraktion für Freunde historischer Rosen zu machen. Im Jubiläumsjahr 2013 erschien die Publikation »Rosenhang Karben«, im Morlant Verlag 2013, in dem unter anderem die Rosenliste und das Wegeystem veröffentlicht sind. Im Jubiläumsjahr wurden auch die Rosenschilder angebracht. Sie geben Auskunft über Name, Klassifikation, Züchter und Jahr der Einführung. Die Standorte sind zu ermitteln über den Mittelweg und seinen Bodenplatten, auf denen in römischen Zahlen die Pflanzstreifen eingraviert sind. Der Eingang zum Rosenhang ist gegenüber des Waldfriedhofs Klein-Karben. 

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