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Bürgermeister Guido Rahn (links) und Stadtbrandinspektor Christian Becker (rechts) überreichen Omar Yaghmour und Jörn Schönfeld (2. v. r.) ihr Ehrenticket.

Stadt dankt mutigen Lebensrettern

  • VonRedaktion
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Karben (pm). Es ist der 17. Juni 2021, einer der ersten heißen Hochsommertage. Der Klatschmohn schmückt die Felder, und die Hitze liegt drückend über Karben. Erst am Abend trauen sich die Menschen wieder ins Freie und säumen das Niddaufer, gehen spazieren und genießen einen kühlen Drink am Wasser.

Doch für fünf Karbener wird der Abendspaziergang eine unerwartete Wendung nehmen: Als sie eine hilflose Person in der Nidda treiben sehen, greifen sie selbstlos ein. Es ist gegen 21 Uhr, als David Dettingmeijer gemeinsam mit seiner Frau Eva über die Fußgängerbrücke am Karbener Rathaus läuft und eine Person unter der Brücke treiben sieht. Anke Jeschke, die sich zur gleichen Zeit in der Nähe der Brücke befindet, nimmt die Frau ebenfalls wahr und eilt den beiden zur Hilfe. Auch Omar Yaghmour läuft in diesem Moment am Niddaufer entlang und bemerkt die Aufregung in der Nähe der Brücke. Der Mensch im Wasser wirkt hilflos, unkoordiniert, schreit, jedoch nicht um Hilfe. In diesem Moment kommt auch Jörn Schönfeld zufällig mit seinem Fahrrad angefahren und bietet den vier Passanten ebenfalls seine Hilfe an. Zu fünft versuchen sie, Kontakt mit der Person im Wasser aufzunehmen und in Erfahrung zu bringen, ob alles in Ordnung ist. Als die Antwort ausbleibt, beschließen sie einzugreifen. Ohne zu zögern bahnen sich die drei Herren einen Weg durch das dicht bewachsene Nidda-Ufer und eilen der Person zur Hilfe. Kurz vor der Autobrücke kriegen sie sie schließlich zu fassen und ziehen sie mit Leibeskräften die steile Böschung hinauf ans rettende Ufer. Anke Jeschke hat zu diesem Zeitpunkt bereits die Feuerwehr alarmiert, die an diesem Tag einen neuen Rekord aufstellen wird. Da zur selben Zeit eine Übung auf dem Feuerwehrgelände Am Breul stattfindet, brauchen die Einsatzkräfte keine zwei Minuten ehe sie in voller Stärke am Einsatzort eintreffen.

Stadtbrandinspektor Christian Becker erinnert sich an den Einsatz: »Als wir ankamen war die Person schon aus dem Wasser geholt. Für uns stellte sich jedoch die Frage, ob noch mehr Menschen im Wasser sind.«

Lob vom Feuerwehrchef

Weder die Feuerwehrleute noch die fünf Helfer wissen, wieso die Person im Wasser trieb, also schwärmen die Einsatzkräfte aus, suchen weiträumig das Niddaufer ab und befragen weitere Passanten.

Rettungssanitäter betreuen bereits die gerettete Person in einem Krankenwagen. Schnell macht sich Erleichterung breit, offensichtlich war sie alleine unterwegs. Also rücken die Eisatzkräfte ab und unter der drückenden Schwüle des Abends wirkt es, als sei nichts geschehen. »Es dauert leider meist sehr lang, bis Passanten erkennen, dass andere Menschen in einer Notsituation sind«, weiß der Stadtbrandinspektor. In diesem Fall haben die fünf jedoch vorbildlich gehandelt. Das wollte die Stadt Karben würdig honorieren und lud Yaghmour, Schönfeld, Jeschke und die Dettingmeijers zum großen »Danke-Event« ins Rathaus ein. »Sie sagen zwar, dass es selbstverständlich sei zu helfen, aber wir wissen leider, dass es das oft nicht ist«, lobt Bürgermeister Guido Rahn die fünf Retter in der Not. Zu oft werde weggesehen und abgewartet. »Deswegen müssen wir ausdrücklich Danke sagen. Danke für Ihren Mut, Ihre Hilfsbereitschaft und Ihre Selbstlosigkeit!«

Wie man sich in einer mutmaßlichen Notsituation richtig verhält, erklärt Becker: »Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob eine Person in Gefahr schwebt, hilft es, sie aus sicherer Entfernung anzusprechen. Dann klärt sich die Situation meist von selbst. Verstärkt sich Ihr Eindruck, dass eine Person Hilfe benötigt, rufen Sie sofort die Feuerwehr und bitten weitere Passanten um Hilfe. Es kann von niemandem verlangt werden, sich selbst in Gefahr zu bringen. Wenn Sie selbst nicht helfen können und die Feuerwehr bereits vor Ort ist, gehen sie weiter und lassen sie Platz für die Rettungskräfte.«

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