Gibt es in Petterweil bald ein Bogensportangebot? Der mehrfache Meister Bernd Schmidt (l.), Simone Pfeil (VfB Petterweil) und Ralf Schreyer (TV Petterweil) haben zwei Schnuppertrainingseinheiten angeboten. Jeweils mehr als 50 Interessierte sind auf den Sportplatz gekommen. FOTOS: JÜRGEN SCHENK
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Gibt es in Petterweil bald ein Bogensportangebot? Der mehrfache Meister Bernd Schmidt (l.), Simone Pfeil (VfB Petterweil) und Ralf Schreyer (TV Petterweil) haben zwei Schnuppertrainingseinheiten angeboten. Jeweils mehr als 50 Interessierte sind auf den Sportplatz gekommen. FOTOS: JÜRGEN SCHENK

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Auf den Spuren von Robin Hood

  • vonJürgen Schenk
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Karben(jsl). Wer möchte sich wie Robin Hood fühlen? Am Sonntag gab’s dazu in Petterweil die Chance. Interessierte aus allen Altersgruppen kamen auf dem Sportplatz zusammen, um ihr Geschick mit Pfeil und Bogen zu testen. Geschossen wurde auf einem Nebenfeld, wo fünf Schießbahnen zur Verfügung standen. Attrappen von Tieren und Zielscheiben sollten aus zehn bis zwölf Meter getroffen werden. Laufwege zur "Arena" waren markiert. Denn auch bei einem Schnupperschießen mussten die üblichen Regeln eingehalten werden.

Wie in der Vorwoche wollten rund 50 Personen diesen Sport ausprobieren. Ohne Anmeldung war das in Corona-Zeiten nicht möglich. Die Organisatoren von VfB und TV Petterweil zeigten sich mit Nachfrage und Ablauf der Veranstaltung zufrieden. Appetit auf Bogensport machte Bernd Schmidt. Ein echter Könner: Dreimaliger Welt- und fünfmaliger Europameister. "Arm immer durchdrücken, Ellenbogen hochziehen, Sehne spannen, bis die Fingerspitzen den Mundwinkel berühren", rät er.

Vom mehrfachen deutschen Meister gab’s einen Einblick in die Grundlagen des Bogenschießens. "Entscheidend bei der Wahl des richtigen Bogens ist das Zuggewicht. Das ist die Kraft, die aufgebracht werden muss, um die Sehne zu spannen. Für Anfänger gibt es Bögen mit einem Zuggewicht zwischen 15 und 25 Pfund. Wettkampfgeräte haben 35 Pfund. Außerdem muss darauf geachtet werden, ob jemand Rechts- oder Linkshänder ist", erläuterte Schmidt.

Selbstgebastelte "Wildsäue"

Zum Vergleich: Bogenschützen im Mittelalter schossen mit englischen Langbögen, bei denen 150 Pfund überwunden werden mussten. Damit abgeschossene Pfeile konnten auf gewisse Distanzen sogar Ritterrüstungen durchschlagen. Die verwendeten Sportgeräte in Petterweil waren Anfängermodelle aus dem Bestand der TSG Erlenbach, Zielscheiben und "Wildsäue" hatte Schmidt aus seinem selbst gebastelten Fundus mitgebracht. Hier in Petterweil ging es einzig und allein um den Spaß. Und der war vorhanden - auch wenn nicht jeder Pfeil sein Ziel fand.

"Bogenschießen ist eine Sportart, die praktisch in jedem Alter ausgeübt werden kann", sagte Schmidt, der in Petterweil zu Hause ist. "Hauptsächlich ist Konzentrationsfähigkeit gefragt. Wichtig ist, völlig abschalten zu können und sich nur auf den Schuss zu konzentrieren."

Die Idee für das Schnuppertraining war vor etwa drei Monaten in den Reihen des TV Petterweil entstanden. Bogenschießen sollte als Ausgleich zum Turnen dienen. Die Sportgruppe "Husaren", in der Schmidt ebenfalls aktiv ist, hatte den Anstoß dafür gegeben. Aus der Idee wurde eine Kooperation von Turnverein und Fußballern. Die ganze Geschichte nahm während der Corona-Auszeit Fahrt auf.

Die Verantwortlichen beider Vereine signalisierten, dass sie sehr froh über diese Entwicklung sind. Das überraschend große Interesse am Bogenschießen könnte möglicherweise sogar zur Gründung eines neuen Sportvereins - oder zumindest einer neuen Sportabteilung - führen. Dies bestätigten Simone Pfeil (2. Vorsitzende VfB Petterweil) und Ralf Schreyer (1. Vorsitzender TV Petterweil) im Gespräch. Mit Bernd Schmidt stünde der passende Trainer parat. Das deutete der 70-Jährige bereits an. Denn seine Turnierkarriere neige sich langsam dem Ende entgegen. Und der Nebenplatz, auf dem nur noch selten Fußball gespielt wird, wäre ein denkbarer Trainingsplatz.

"Vielleicht bekommen wir an gleicher Stelle irgendwann einen Kunstrasenplatz. Das wäre ein Traum", sagte Simone Pfeil. "Gespräche mit der Stadt hat es deswegen ja schon vor einigen Jahren gegeben. Auf einem solchen Platz könnte man auch Bogenschießen." Auf jeden Fall werde es weitere Schnupperschießen geben.

Bogenschieß-Profis raten Anfängern zu einem Bogen, der im Zuggewicht extrem leicht ist. Ein solches Gerät erleichtert den für einen guten Schuss optimalen Bewegungsablauf. Sukzessive lässt sich das Zuggewicht steigern. Vereine bieten verschiedene Modelle zu Trainingszwecken an. Hobby-Sportler, die sich einen Bogen kaufen wollen, können mit 150 Euro auskommen, mit einer Ausrüstung von 250 Euro kann man Leistungssport betreiben. Zur Ausrüstung gehören außerdem Armschutz, Bogenschlinge, Fingerschutz und Köcher. jsl

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